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Dem Tau ähnlich ist der Nebel, der bevorzugt in feuchten Senken in der Frühe und spät am Abend aus der Erde oder Gewässern steigt. Wer die Gelegenheit hat, sollte einmal eine Spätsommernacht an einem Weiher verbringen und sich allmählich vom Nebel umhüllen lassen, der sich als feuchter Tau überall niederschlägt.
Metereologisch ist ein Nebel eine Wolke, genauer eine dem Boden aufliegende Schichtwolke. Er entsteht, wenn die Luft bis auf ihren Taupunkt abkühlt, sie also diejenige Temperatur erreicht, bei der die Luft nur soviel Wasserdampf aufnehmen kann, wie gerade vorhanden ist (100 % Luftfeuchtigkeit) und der überschuß als feinste Tropfen in der Luft schwebt.
Seine Entstehung ist unterschiedlich. Zu Nebel kommt es, wenn die Luft abkühlt, wenn sich warme und feuchte Luft mit kälterer mischt (Mischungsnebel) oder wenn in Gewässernähe erhebliche Wassermengen verdunsten und sogleich wieder als Nebel ausfallen (Verdunstungsnebel). Steigt der Nebel in höhere Luftschichten auf, so spricht man vom Hochnebel.
Besonders häufig ist der Nebel im Herbst, der Monat November heißt danach im Deutschen Nebelung.
Die wabernde Gestalt des Nebels und sein manchmal unerwartetes Erscheinen wird in mythischer Weltsicht als Einwirken oder Erscheinung höherer Mächte gedeutet. Den Nebel deutete man daher als Riesen, Geister oder Begleiterscheinung beim Auftritt eines Gottes.
Bevor der biblische Gott den Menschen aus Lehm formte, ging ein Nebel auf von der Erde und feuchtete alles Land (1. Mose 2,6f.).
In Nebel verhüllte auch der Gott Jupiter (gr. Zeus) die Io, um sie berücken zu können, ohne daß seine Gattin Juno (Hera) dessen gewahr würde (OVID, Metamorphosen I,600ff.).
Christlicher Schutzpatron gegen Nebel ist Deodatus. Der Heilige soll einst in dem nach ihm benannten St-Dié mit seinem Stab den Nebel zerteilt haben, weshalb sich dort auch der dichteste Nebel nicht länger als zwei Stunden halte. (BÄCHTOLD-STÄUBLI, II, 188)
Andere Heilige machten sich dichten Nebel zunutze: Bischof Lantbert (gest. 957) verhüllte den Freisinger Dom mit dichten Nebel, so daß der Bau den in Bayern eingefallenen Ungarn unsichtbar blieb und sie das Gotteshaus verschonten.
In der germanischen Sage gibt es mit den Nibelungen (Niflungen) ein albenhaftes Volk, das namentlich auf den Nebel deutet.
Im Aberglauben der Pestzeiten hielt man Nebel für den Erreger der Pest oder Personifikation derselben (WEHR, 170).
Bodennebel soll allgemein gutes Wetter ankündigen. Regnen soll es hingegen, wenn der Nebel vom Boden aufsteigt (WEHR, 170).
Westwind mit Mist (Nebel),
hat Ostwind in de Kist (aus Ostfriesland).
Wenn der Nebel fällt zu Erden,
wird es gutes Wetter werden.
Steigt der Nebel auf das Dach,
folgt bald großer Regen nach.
Im Sommer kündigen Morgennebel häufig ein Gewitter an.
Im Oktober der Nebel viel,
bringt der Winter Flocken viel.
Steh’n im Januar Nebel gar,
wird das Frühjahr naß fürwahr.
Am Fabianstag (20. Januar) ist Nebel allerdings erwünscht:
Fabian mit Nebelhut, denn das tut den Früchten gut.
Wenige Tage später hängt die Bewertung davon ab, wo der Nebel steht:
Hat Pauli Bekehr (25. 1.) Nebel in der Höh, so kommt über die Großen Weh.
Liegt unten die Wolk, so kommts übers Volk.
So viel der März an Nebeln macht,
so oft im Juni Donner kracht.
auf nebel im merz gefallen, folgt hundert tage nachher grosse wasserflut. (GRIMM, Dt. Mythol. III., A. 318, 444)
Nebel am Hochzeitstag soll ein beschwerliches Leben der Eheleute ankünden (WEHR, 123).