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 Leib und Körperteile
 
 

Niere

Ausscheidungsorgane der Wirbeltiere, die besonders der Bildung des Harns dienlich sind. Beim Menschen sind die Nieren ein Paar bohnenförmige Organe, die etwa 12 cm in der Länge, 6 cm in der Breite und 3 bis 4 cm in der Dicke messen.

Wie das Herz gelten die Nieren als Sitz des menschlichen Gemüts, auch der Seele. Im 7. Psalm singt David:

„Laß der Gottlosen Bosheit ein Ende werden
und fördere die Gerechten;
denn du, gerechter Gott, prüfst Herzen und Nieren.”
(Bibel n. LUTHER, 1912)

Im Babylonischen Talmud heißt es: „Zwei Nieren sind im Menschen, die eine rät ihm zum Guten, und die andere rät ihm zum Bösen, und es ist wahrscheinlich, daß die gute zu seiner Rechten und die böse zu seiner Linken sich befindet.” Berakhoth IX, i-v, Fol. 61a.

In solchem Sinne soll die Redensart „jemand auf Herz und Nieren prüfen” ihren Hintergrund haben (KRÜGER-LORENZEN, 207).

Die Redensart „Das geht mir an die Nieren” im Sinne einer empfindlichen Unannehmlichkeit soll auf eine im Mittelalter übliche Strafe für Ehebrecher zurückgehen. Die Nieren seien als Sitz des Geschlechtstriebes angesehen und darum bei entsprechender Verfehlung herausgeschnitten worden. (ebd.)

 

Erkrankungen der Niere

Bei oder zum Schutz vor Nierenkrankheiten soll es hilfreich sein, die Edelsteine Nephrit (gr, Nephros, Niere) oder Saphir bei sich zu tragen (WEHR, 171). Den Saphir empfahl man inbesondere bei schmerzenden Nieren (Konrad von Megenberg, 14. Jh., n. Edelsteine in der Medizin, Bd. II, 269)

Leber und Nieren anregend und somit entschlackend wirkend gilt auch das Mineral Aktinolith (STEPHAN u. ASCHBERG, 127), der Niere soll aus diesem Grunde auch der Prehnit helfen (ebd., 229).

Auch Heilige werden bei Nierenbeschwerden angerufen. Allgemein bei Nierenleiden helfen Burkhard von Würzburg und Lambert von Maastricht (Schauber 1994, 35 u. 283), speziell bei Nierensteinen Apollinaris von Ravenna und Benedikt von Nursia. (ebd., 208 u. 191).

Vielfältig sind die bei Nierenleiden empfohlenen Zubereitungen aus Kräutern. Saft oder Abkochung von der Wegwarte soll nach Pf. KNEIPP die Niere reinigen (n. SIEG, Gottessegen der Kräuter, 100), den schmerzenden Nieren ein teils in Wein, teils in Honig gekochter Tee aus Bibernelle (ebd., 156), der Tee vom Tausendgüldenkraut allgemein bei Nierenleiden helfen (ebd., 114), andere loben zur Reinigung das Zinnkraut (ebd., 110f.) oder den Ehrenpreis (ebd., 191), bereiten Nierentee aus Labkraut (ebd., 122) oder verschreiben einen Mistelextrakt bei Nierenstörungen, die für einen hohen Blutdruck verantwortlich sind (FLAMM-KROEBER, n. SIEG, 196).

Im Kräuterbuch von Fr. LOSCH finden sich gegen Nierenleiden Zubereitungen aus Ackerschaftheu, Alant, Attich, Bärwurz, Bibernelle, Ehrenpreis, Enzian, Feige, Feldzypresse, Fenchel, Gänseblümchen, Gerste, Goldrute, Harstrang, Hauhechel, Heckenrose, Holunder, Judenkirsche, Kamille, Käspappel, Krapp, Lärche, Linde, Mandel, Odermennig, Rainblume, Roßpappel, Salbei, Schlüsselblume, Schwarze Johannesbeere, Schwarzer Nachtschatten, Spargel, Spitzwegerich, Steinsame, Süßholz, Tausendgüldenkraut, Vogelknöterich, Wegwarte und Wunderbaum (LOSCH, 203), Einzelheiten sind ggf. in den jeweiligen Artikeln nachlesbar.

Papst Bonifatius VIII. (1294 bis 1303) ließ sich seine Nierenkolik vom Arzt Arnold von Villanova behandeln. Der soll dem kranken Papst mit einem goldenen Amulett geholfen haben, in das das Zeichen Löwe eingraviert war. (DIEPGEN, Geschichte der Medizin, Bd. I. Berlin, 1949, S. 221, n. HABIGER-TUCZAY, 215)