| < zurück | |
| Allmende | |
ein gegen pfeile und kugeln schützendes nothhemd muß auf christtag von einer reinen, keuschen jungfrau gesponnen, gewoben und genäht werden; vom hals ab bedeckt es den halben mann, auf den brusttheil werden zwei köpfe genäht, der zur rechten seite mit einem langen bart, der zur linken ein teuflisches gesicht mit einer krone (GRIMM, A. 931)
Ausführlicher erläutert eine von den Brüdern Grimm mitgeteilte Sage Hertsellung und Zweck des Nothemdes:
Das Nothemd wird auf folgende Weise zubereitet: In der Christnacht müssen zwei unschuldige Mägdlein, die noch nicht sieben Jahr alt sind, linnen Garn spinnen, weben und ein Hemd daraus zusammennähen. Auf der Brust hat es zwei Häupter, eins auf der rechten Seite mit einem langen Bart und Helm, eins auf der linken Seite mit einer Krone, wie sie der Teufel trägt. Zu beiden Seiten wird es mit einem Kreuze bewahrt. Das Hemd ist so lang, daß es den Menschen vom Hals an bis zum halben Leib bedeckt.
Wer ein solches Nothemd im Kriege trägt, ist sicher vor Stich, Hieb, Schuß und anderem Zufall, daher es Kaiser und Fürsten hochhielten. Auch Gebärende ziehen es an, um schneller und leichter entbunden zu werden. Contra vero tale indusium, viro tamen mortuo ereptum, a foeminis luxuriosis quaeri ferunt, quo indutae non amplius gravescere perhibentur. (Joh. Weier: Von Teufelsgespenstern, B. 8, Kap. 13. Zedlers Universallexikon h. v. Der ungewissenhafte Apotheker, S. 650, n. GRIMM, Nr. 254)