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Mandragora officinarum, Nachtschattengewächse
(ahd. von Edel und Zauber [got. runa, Geheimnis, ahd. rûnen, leise sprechen, raunen, nord. run, Geheimnis, Rune]; auch Alräunchen, Alruncken, Alruneken, Galgenmännlein, Wurzelmännchen, Mandragora) Der Alraun ist die einem Menschen oft verblüffend ähnlich sehende Wurzel der Mandragorapflanze. Wie alle Nachtschattengewächse enthält Mandragora Alkaloide, die zu Halluzinationen und sonstigen Vergiftungen bis hin zum Tod führen können.
Als Glücksbringer wurden die Alraunen teuer gehandelt, denn sie bringen ihrem Besitzer Geld, günstigen Richterspruch vor Gericht und Erfolg in der Liebe, auch eignet sie sich als Zutat für die Hexensalbe. Dies bewirken die Galgenmännlein, die besonders unter Galgen aus Blut oder Sperma der Gehängten hervorgehen und die als Alraunwurzeln erhältlich sind.
Die Ähnlichkeit der Wurzel mit dem Menschen war auch Hildegard von Bingen aufgefallen. Sie empfahl, den der Wurzel innewohnenden teuflischen Einfluß durch Waschung in Quellwasser auszuspülen. Hildegard verschrieb die Alraune gegen übersteigerten Sexualtrieb. Dafür lege man sich eine Wurzel zwischen Brust und Nabel, einen Teil belasse man am Körper, den anderen zerreibe man und nehme ihn mit etwas Kampher ein.
Andere Anwendungen sind die Rinde der Alraun gegen Augenleiden oder zur Geburtshilfe, besonders bei abgestorbener Leibesfrucht (GRIMM, III, 353).
Um die Alraunwurzel zu erhalten, am besten in der Johannesnacht zum 24. Juni, empfiehlt sich der Beistand eines schwarzen Hundes. Weil die Alraun einen Schrei ausstößt, wenn sie aus der Erde gezogen wird und jeder, der den Schrei hört, dem Wahnsinn anheimfällt, sollte diese gefährliche Arbeit besser dem Hunde überlassen bleiben. Den binde man an die halb ausgegrabene Wurzel und entferne sich rasch. Wenn man dann das treue Tier ruft, kommt es angesprungen und reißt dabei die Wurzel aus dem Boden, stirbt aber augenblicklich am Schrei der Alruncken. Sich selbst schütze man durch Verstopfung der Ohren.
Bereits der antike jüdische Geschichtsschreiber Flavius Josephus beschrieb in seinen Bellum Judaicum das Sammeln der Pflanzen. Nach seiner Darstellung empfehle es sich, sie mit Urin und Blutfluß zu gießen. Dann ließe sich die Wurzel ausziehen und muß dann im ganzen in der Hand davongetragen werden. Ansonsten weist auch er auf die Methode mit dem Hund hin. Ein gutes Sammelgebiet sei das Tal Baara bei Machäus. Die so gewonnene Wurzel eigne sich besonders zur Heilung von Krankheiten, da diese von Dämonen hervorgerufen würden, welche durch Annäherung der Pflanze aus dem Kranken ausgetrieben würden. (Bellum Judaicum VII,6, nach HABIGER-TUCZAY, 217)
Das derart gewonnene Wurzelmännlein wird in ein weißes Kleid gewandet und zweimal täglich mit Essen und Trinken versorgt. Nun läßt es sich um Rat befragen (GRIMM, III, 353).
Auch zur Bereitung von Liebestränken wurde die Alraunwurzel verwendet. (R. BURTON in Anatomy of Melancholy, zit. n. BIEDERMANN, 268)
Aus der Mandragora-Wurzel sollen außer den Galgenmännlein verschiedene elbische Wesen entstehen, beispielsweise die Skzrate.
Ein anderer Name der Alraun ist Kirkeia, nach der griechischen Zauberin Kirke, die sich mit ihrer Magie Männer willfährig machte und dafür die Mandragora verwendet haben soll (HABIGER-TUCZAY, 216).
Die Früchte der Alraune sind womöglich die Liebesäpfel des Alten Testaments (1. Mose 30,14ff).
Eine Pflanze, deren Wurzel wie die der Alraun dem Menschen ähnelt ist der asiatische Ginseng.
Manche andere Pflanze ähnelt der Alraunwurzel und wurde darum gern in betrügerischer Absicht für dieses gefährlich zu erwerbende Zauberkraut ausgegeben und teuer verkauft, beispielsweise das Schöllkraut.
Alraune (auch Ölrun, Alaruna) hieß auch eine der drei Schwanenmädchen, die die Brüder Wölund, Egil und Schlagfider heirateten. (Edda, Wölundlied)
Im Saterland und in Ostfriesland ist ålrûn auch Bezeichnung für den Kobold. (KUHN u. SCHWARTZ, C. 220)
Eine Reihe Geschichten von Alraunen im Besitz bekannter Persönlichkeiten gehen um. Auch der Aufstieg und Fall Hitlers soll mit seinem Aläunchen verbunden gewesen sein.