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| Pflanzenwelt - Alraune | |
Eine Reihe Geschichten von Alraunen im Besitz bekannter Persönlichkeiten gehen um. Auch Adolf Hitler (20. April 1889, Braunau/Inn bis 30. April 1945, Berlin) soll eine solche Wurzel besessen und fest an ihre Wirkung geglaubt haben. Von dem Augenblick an, als er von ihrem Verlust erfuhr, habe ihn auch das Glück verlassen.
Hitler soll 1932, als die NSDAP bei Reichstagswahlen gleich zweimal eine Niederlage eingesteckt hatte, den damals sehr berühmten Wahrsager Erik Jan Hanussen aufgesucht und sich von dem ein Horoskop stellen lassen haben. Diesem nach ständen die Sterne zwar günstig für ihn, es seien allerdings noch einige Hindernisse zu bewältigen. Hanussen soll Hitler geraten haben, sich zum Beistand vom Boden des Schindangers seiner Vaterstadt in einer Vollmondnacht ein Alräunchen zu beschaffen. Da Hitler als aus Österreich Ausgebürgerter nicht nach Braunau am Inn reisen und sich die Wurzel beschaffen konnte, soll Hanussen selbst das für ihn übernommen haben. Im Dezember 1932 soll Hanussen in Österreich geweilt haben, bei einer Neujahrsfeier am 1. Januar 1933 habe er Hitler die ersehnte Alraune überreicht und ihm für den Tag vor Monatsende, nämlich den 30. Januar 1933, den Beginn seines Aufstiegs prophezeit. Tatsächlich soll sich am 4. Januar 1933 die zu dem Zeitpunkt katastrophale Kassenlage der NSDAP überraschend verbessert haben, am 30. Januar 1933 wurde Hitler Reichskanzler.
Bei jener Neujahrsfeier soll allerdings auch gleich der Keim für den späteren Untergang Hitlers gesprossen sein. Die Form der Alraune habe gewisse Ähnlichkeit mit dem Auftreten des Joseph Goebbels, soll Hermann Göring bei der Präsentation der etwa 48 cm langen, einem den deutschen Gruß entbietenden Zwerg ähnelnden Wurzel festgestellt haben. Göring habe ausgerufen: Aber — det is ja unser Jupp wie er leibt und lebt! (...) Und auf dem Schindanger haben se ihn jefunden? Also — jetzt kann uns schon nicht mehr passieren! Woraufhin Göbbels, wegen geringer Körpergröße und Mißgestalt in diesem Punkt empfindlich, tödlich verletzt den Raum verlassen habe.
Was Göbbels mit dem Tod Hanussens kurz nach diesem Vorfall, seine verweste Leiche wurde Mitte 1933 im Berliner Grunewald aufgefunden, zu tun hat, bleibt wie diese Geschichte insgesamt zweifelhaft. Jedenfalls habe Göbbels fortan nach Beseitigung der ihn beleidigenden Alraune getrachtet, während Hitler fest an diesen Glücksbringer geglaubt habe, und tatsächlich gelangen dem Führer in den folgenden Jahre einige Erfolge (unangefochten Führung, Beseitigung der Massenarbeitslosigkeit, Überwindung der Vertragsbestimmungen von Versailles, zunächst siegreiche Feldzüge). Der Quell von Hitlers Selbstbewußtsein und Erfolg jener Zeit soll sein fester Glaube an den Beistand seines Alräunchens gewesen sein.
Das Blatt wendete sich bald, wie es im hier zitierten Bericht heißt, nachdem Hitlers Stellvertreter Rudolf Hess, der ein dem Okkultismus völlig verfallener Mensch gewesen sein soll, 1941 seinen England-Flug unternommen hatte. Als reaktion darauf soll Hitler sämtliche Weissagerei und Sterndeuterei verboten, parapsychologische und okkulte Gruppen aufgelöst haben und zudem den Befehl gegeben, Glücksketten, Talismane, Kristallkugeln usw. zu vernichten. Die Aktion durchzuführen soll Göbbels in die Hände gelegt worden sein — der die Gelegenheit genutzt habe, Hitlers Alraune aus dessen Berghof auf dem Obersalzberg verschwinden zu lassen. Der damit beauftragte SS-Offizier habe die Alraune an jenem 15. Mai 1941 aber entgegen göbbelsschem Befehl nicht verbrannt, sondern einem Wiener Sammler von Hitler-Devotonalien übereignet haben. Hitler soll, als er vom Verlust seiner Alraune erfahren habe, erst tobend vor Wut, dann sichtlich verstört gewesen sein. In der Folge habe sich dann eine Fehlentscheidung Hitlers an die nächste gereiht, das Ende ist bekannt.
Die Hitler-Alraune soll ihren Besitzer jedoch überdauert haben. Seit 1941 sei sie in einem Koffer in einem Keller verwahrt worden. Das Haus wurde zwar 1944 ausgebombt, in den Trümmern habe man den Koffer aber 1945 gefunden. An Hitlers Alraunwurzel soll eine versiegelte Kapsel mit von Hanussen beschrifteten Papier darin befestigt gewesen sein. Der Hellseher habe Hitler 1933 ermahnt, er dürfe die Kapsel unter keinen Umständen vor Ablauf von zwölf Jahren öffnen (also frühestens im Januar 1945), was der auch nicht getan hatte. Der erste der beiden von Hanussen verfaßten Texte lautet:
Dem ersten Eigner und dem Dritten
dem vierten wird es Kraft verleihn;
dem sechsten gibt es noch i[n]mitten der Katastrophe uen [neu] Gedeihn!
Dem siebenten, sowie dem achten
dem neunten schenkts Erfolg und Glück
vom zwölften kehrts nach dem vollbrachten
Kreiswandel in das Nichts zurück!
Zwei, fünf, zehn, elf gehn kleiner aus
Uranus steht in ihrem Haus!
Hanussen, 1. I. 1933
Die zweite Weissagung soll sich konkret auf Hitler beziehen:
Wem das Alräunchen kommt zu eigen,
der wird die Ruhmesleiter steigen!
Das Schwerste immer leicht vollbringen,
Sich eine Weil zu Füssen zwingen.
Mit Geistern in den Lüften schweifen
Und ohne Müh’ nach Sternen greifen -
An’s Firmament den Namen schreiben,
Und überall erfolgreich bleiben,
Solange er auf dieser Welt
Dem Bund der drei die Treue hält!
Doch wehe, wird der Bund gebrochen,
Das böse Wort einmal gesprochen!
Dann sinkt der Geist der riesengrosse
Zum Orkus ab in’s Bodenlose.
Das Werk vergeht in Rauch und Flammen,
sobald der Zyklus 12 beisammen.
Der grosse Zauber flicht als Binder,
Den Eigentümer an den Finder
Und wenn auch Beide untergeh’n
Bleibt das Alräunchen doch bestehen!
(Hanussen, 1. I. 1933)
Quelle: Die Lösung des Rätsel’s Adolf Hitler von Dr. J. von Müllern-Schönhausen — Die seltsame Geschichte von Adolf Hitler’s Alräunchen. In: Alraunen vernehmen des Weltgeschehens Raunen, 42-88; Privatdruck)