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 Pflanzenwelt
 
 

Großer Baldrian

Valeriana officinalis - Valerianaceae, Baldriangewächse

Deutsche Namen auch Augenwurzel, Balderjan, Ballerjan, Baltes, Bertram, Bullerjan, Dennemark, Dannmark, Dreifuß, Hexenkraut, Katzenkraut, Katzenwargel, Katzenwurzel, Maria-Magdalenenwurzel, Marienwurzel, Meuten, Mondwurzel, Tollerjan, Viehkraut, Wendwurzel (LOSCH, 153)

Bekannt ist diese bis 160 cm hoch werdende Heilpflanze (lat. valere, „gesund sein”) besonders wegen seiner beruhigenden Wirkung. Dabei soll der Baldrian zwar beruhigend und krampflösend, nicht aber einschläfernd wirken, eher erfrischend (DÜLL u. KUTZELNIGG, 464).

Von August bis Oktober werden die Früchte gesammelt, aus denen man Aufguß, Essenz, Essig, Fluidextrakt, Geist, Kaltauszug, Pulver, Sirup und Tinktur gewinnt. Diese Verordnungen werden zur Förderung des Appetits, Befreihung von Blähungen, Linderung von Schmerzen und Krämpfen sowie zur Mehrung der Milch bei jungen Müttern angewendet.
Schon die Ärzte der Antike nutzten diese Heilpflanze zur Behandlung von Frauenkrankheiten.

Die Wurzel ist als Radix Valerianae offizinell. Gesammelt wird sie im September, wobei nur Stücke von trockenen Standorten Verwendung finden. Außer zur Beruhigung wird sie zur Lösung des Krampfes und bei Wurmbefall eingesetzt. In Wein oder Wasser gesotten soll die Baldrianwurzel ein klares Gesicht verschaffen. Auch bei inneren Blutungen wird er eingesetzt, er treibt den Harn und die Monatszeit und wird homöopathisch gegen Überempfindlichkeit von Nerven und Sinnen verwendet (LOSCH, 154).

Bei nervlich bedingtem Kopfschmerz soll kalter Baldriantee helfen, jeweils morgens und abends eine Tasse, von schmerzenden Augen wird die Pein abgezogen, indem eine Nacht eine Baldrianwurzel auf die Stirn gelegt wird. Zur Linderung der Gicht werden einige Tropfen Baldriantinktur Tinctura Valerianae eingenommen, ebenso für guten Schlaf (FRIEDL, 44, 53 u. 110).
Baldrian wird auch bei Zuckerkrankheit eingesetzt.

Homöopatisch empfiehlt man Baldrian als Valeriana officinalis gegen aufgeregte Nerven, zu große Empfindlichkeit aller Sinne etc. (LOSCH, 153f., siehe Streß)

Der Duft des Baldrians zieht Kater an, da er dem Lockgeruch läufiger Katzen entspricht (DÜLL u. KUTZELNIGG, 464). Spaßvögel machen sich das zu Nutze, indem sie entsprechende Samenmischungen im Garten unliebsamer Mitmenschen ausbringen und diesen dadurch nächtliche Katzenmusik nahebringen.

Schließlich soll der Baldrian hexenwidrig wirken (MALA, 123) und böse Geister abwehren.

In Berndorf bei Werda soll ein graues Männel die Pest angesagt haben. So viel es klopfte, so viel Menschen sollten an der Pest sterben. Einmal kam es zu einem Ehepaar und sagte: „Eure Nachbarn werden alle sterben, ihr müßt die Totengräber machen.
Trinkt Baldrian,
So kommt ihr davon!” (SCHRÖDTER, 213)