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| Pflanzenwelt | |
Diese markanten Lebewesen spielen seit jeher eine besondere Rolle in Mythologie und Volksglauben. Das istein Wunder, denn auffallendere Erscheinungen der belebten Natur sind kaum zu finden. Zudem liefern Bäume dem Menschen Schutz, Baumaterial, Nahrung und Heilmittel.
Daß die Pflanze des Lebens in einem Baum gesehen wird, ist verständlich. Bäume gehören zu den Lebewesen mit der höchsten Lebenserwartung. Viele Arten können hunderte oder sogar tausende von Jahren alt werden, ohne sichtlich an Vitalität zu verlieren. Dabei wandelt sich ihr Wuchs, alte Bäume beeindrucken durch mächtige Ausstrahlung und erinnern auch an den Menschen in seinen Altersstufen.
Bäume, die seit Menschengedenken an ihrem Platz wurzeln sind landschaftsbestimmend und bei Verortung und Regionalbewußtsein Wegweiser für den Fremden wie dem Einheimischen.
In der germanischen Mythologie steht im Zentrum der Welt der Weltenbaum, die mächtige Esche (bzw. Eibe) Yggdrasil.
Alle Bäume stammen von dem Haar des Urriesen Ymir her (Edda, Grimnismal, 40).
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Bäume bilden in der griechischen Mythologie eine Einheit mit der sie bewohnenden Hamadryade, die mit ihm lebt und stirbt. Mutter dieser Nymphe ist die Hamadryas, von der die Bäume insgesamt abstammen sollen.
In der slawischen Mythologie hängt das Leben der Vilen von ihrem Wohnbaum ab. Auch die Wasserfrauen Rusalky leben zuweilen auf Bäumen.
Bei den Letten ist es Zwerg Rukis, der außer in Bergen gern unter Baumwurzeln wohnt.
Eng verknüpft sind im Volksglauben alte und markante Bäume mit dem Schicksal der Bewohner umliegender Häuser. Wirft dieser Lebensbaum im Herbst ungewöhnlich früh sein Laub, welkt oder verdorrt er, stehen den Menschen Krankheiten oder Todesfälle bevor.
Eine Besonderheit sind die Blitzbäume, in die der Blitz eingeschlagen ist.
Der in den Boden ragende, allmählich in Zersetzung übergehende Baumstumpf ist in der Alchemie eine Allegorie zur Schwärzung der Materie, die bei der Herstellung des Steins der Weisen im Bauch der Erde vergraben wird (BIEDERMANN, 407).
In einem hohlen Baumstamm entkamen Bergelmir und seine Frau dem Ertrinken im Blut des Ymir.
Später werden unter der Wurzel des Baums Hoddmimir Lif und Lithrasir die Verwerfungen der Götterdämmerung überleben und ein neues Menschengeschlecht begründen (Edda, Wafthrudnirlied 44f.).
Die Juden begehen am 15. Schewat (Ende Januar / Anfang Februar) das Fest Tu Be-Schewat, das Neujahrsfest der Bäume. Laut Talmud steigt zu Tu Be-Schewat der Saft in die Bäume - im vorderen Orient weisen knospende Obstbäume und erblühende Mandelbäume auf den nahenden Frühling.
Von Tu Be-Schewat bis zum Purimfest (15. Adar) ist nun auch für junge Bäume Pflanzzeit.
Am Unschuldigekindertag werden die Bäume mit Ruten geschlagen, um ihre Fruchtbarkeit zu fördern (GRIMM, III, 472).
Manchmal blühen die Bäume im späten Sommer oder Herbst ein zweites Mal:
Wenn der September noch donnern kann,
so setzen die Bäume noch Blüten an.
Baumblüte im November gar,
noch nie ein gutes Zeichen war.
Im Falle der Kirsche soll eine herbstliche Blüte Krieg ankündigen.
Dagegen geben am Tag der heiligen Barbara (4. Dezember) geschnittene Obstbaumzweige über die günstige Entwicklung in Liebesbeziehungen oder ein segensreiches Jahr Auskunft, sofern sie bis Weihnachten aufblühen.
Aus Pforzheim ist der Rat: wer einen bund mit dem teufel hat und ihn darum betriegen will, (...) verlange, der teufel soll ein bäumchen wachsen lassen, das kann er nicht, so ist man ihn los. (GRIMM, A. 626)
Wie viele Tiere, besonders Vögel, die durch unterirdische Wasseradern hervorgerufenen Erdstrahlen meiden, so sollen auch Bäume auf diese Reizzonen reagieren. Da sie ihren Standort nicht wechseln können, so sollen die Störungen bei ihnen in Form von Schraubenwuchs, geteilte Stämme (Zwiesel), Baumkrebs oder Anfälligkeit gegenüber Hexenbesen erkennbar sein (GRÜN, 167). Als besonders empfindlich gelten Buche und Linde (ebd., 170f.).
In Pforzheim sagte man: wer auf einen baum sieht, auf dem eine weibsperson sitzt, wird blind. (GRIMM, A. 621)
In Stendal hieß es: Wenn man Bäume pflanzt, so muß man mit beiden Händen anfassen und noch jemand dabei stehen, dann tragen sie gut. (KUHN u. SCHWARTZ, C. 362)
Auch riet man: Die ersten Früchte eines Baumes muß man in einen recht großen Sack pflücken und einige am Baum sitzen lassen, dann wird er immer gut tragen. (KUHN u. SCHWARTZ, C. 360)
Rudolf Hans BARTSCH (österreichischer Erzähler, 1873 bis 1952) sagte: Als ich einmal hörte, Sokrates (469 bis 399) hätte gesagt: ,Von den Bäumen können wir nichts lernen’, da verurteilte ich ihn bei mir selbst beinahe noch einmal zum Schierlingsbecher. (SCHRÖDTER, 267)