Das Schwarze Netz - zum Anfang< zurück
 Pflanzenwelt
 
 

Beifuß

Artemisia
Asteraceae (=Compositae, Korbblütler)

hier Gemeiner Beifuß Artemisia vulgaris L.
Wermut Artemisia absinthium L. (Absinth, s. u.) und
Strandbeifuß Artemisia maritima (s. u.)

 

Gemeiner Beifuß

Artemisia vulgaris L.
dt. Namen auch Beipes, Beipoß, Bibot, Biefes, Bibs, Bifaut, Bifoot, Biwes, Buck, Buckel, Bucklenbeifuß, Flegenkraut, Frauenkraut, Gänsekraut, Gürteln, Himmelskehr, St. Johannisgürtel, St. Johanniskraut, Jungfernkraut, Männerkraut, Magert, Müggerk, Muggerk, Muggert, Mugwurz, Schoßmalten, Sonnenwendgürtel, Weiberkraut, Wermet, Wibaut, Wisch (ges. n. LOSCH, 163 und Das 6. und 7. Buch Mose, 29)

Dieses Kraut gilt als sehr wirksames Mittel gegen und für Hexerei. Beigemischter Beifuß empfiehlt sich damit für viele magische Zubereitungen.
Der Teufel selbst soll das Kraut meiden, so daß man ihn mit an die Wände genageltgen Beifußwurzel vorm Eintritt ins Haus abhält (SIEG, 203).

Als Gegenmittel gegen das Nestelknüpfen wurde empfohlen, die Türschwelle am Haus des Behexten mit dem Blut eines schwarzen Hundes zu bestreichen, worüber Beifuß aufgehängt werden soll (Thritemius, n. BIEDERMANN, 319).

Ein besonderes Mittel ist der in der Johannisnacht gewonnene Beifuß. Gräbt man am in der Nacht zum 24. Juni die Wurzel des Krautes aus, werden sich dort kleine Stücke Kohle finden. Diese, man nennt sie auch Thorellensteine oder Narrenkohlen, werden als Amulett getragen und sollen Fieber und Epilepsie vertreiben (SIEG, 202). Es heißt auch, sie bewahrten vor Verbrennungen, Pest und Blitzschlag.

Der am Johannistag gesammelte Beifuß wurde auch zum Gürtel geflochten um den Leib getragen. Daher rühren volkstümliche Namen wie Johannisgürtel, Sonnenwendgürtel oder Gürtelkraut.

Besonders bei Frauenleiden soll der Beifuß helfen und die Schwindsüchtigen stärken:
Ein Mädchen in Galloway war an Schwindsucht erkrankt und konnte gerettet werden, weil sie den Gesang einer weisen Meerfei vernommen hatte:

„Ihr lasst sterben das Mädchen in eurer Hand,
Und doch blüht die Mugwurz rings im Land.” (SIEG, 204).

Wer weit zu marschieren hat, legt sich gegen Ermüdung etwas Beifuß in den Schuh, worauf bereits PLINIUS hinwies (vgl. den Namen der Pflanze): „Etliche meinen, Beifuß habe darum den Namen, so man´s in Schuhen unter den Füßen trägt und über Feld wandert, soll es vor Müdigkeit bewahren und das sagt auch PLINIUS, glaub´s, wer da will.” (MATTHIOLUS, zit. n. LOSCH, 164) In jüngerer Zeit wurde das durchaus geglaubt: „Naturfreund Emanuel Cihlar (Wien) übermitteltete mir [SCHRÖDTER] unterm 25. Jänner 1949 nachfolgendes Rezept: Marschieren können, ohne zu ermüden. / ,Zu diesem Ende sammele man am Tage Bartholomaei (25. August) Beifußkraut ... samt der Wurzel und trage davon in den Schuhen und an der Leine (an einer Schnur um den Hals) die Wurzel, dann wird man werder ermüden noch schwitzen.’” In Spanien werde dieses Mittel von Schnelläufern, Fußtrabanten usw. mit bestem Erfolg benutzt. (SCHRÖDTER, 126f.)

Gesammelt werden von Juni bis Oktober Wurzel, Wurzelstock und Kraut, woraus man Aufgüß, Essenz, Extrakt, Fluidextrakt, Kaltauszug, Pulver und Tinktur bereitet.

Gesammelt werden von Juni bis Oktober das Kraut und frische Teile der Wurrzel und des Wurzelstocks. Daraus gewinnt man man Aufguß, Essenz, Fluidextrakt, Kaltauszug, Pulver und Tinktur.

Kräutermedizinisch gelten diese Verordnungen als krampflindernd und appetitanregend.

 

Der Wermut

Artemisia absinthium L.
dt. Namen auch Alsa, Alsam, Birmet, Bitterals, Else, Grabekraut, Hilligbitter, Wärmede, Wermot, Wermte, Wiegenkraut, Wormken, Wörmken, Wörmö, Wrämt, Wrämp, Wurmet (nach LOSCH, 163)

Die oft als Halbstrauch wachsende, sonst der vorgenannten sehr ähnliche Pflanze gedeiht vornehmlich an trockenen, sonnenbeschienen Stellen. Wermut ist eine altbekannte Gewürz- und Arzneipflanze, deren hauptsächlicher Wirkstoff neben verschiedenen ätherischen Ölen, darunter das giftige Thujon, das bittere Absinthin ist (DÜLL u. KUTZELNIGG, 77).

Dieser Bitterstoff ist Geschmacksbildner des Wermutweins, der sich besonders im 19./20. Jahrhundert einiger Beliebtheit erfreute, besonders in künstlerischen Kreisen. Allerdings führte seine harte Variante, der Absinth-Schnaps, dem ein gelegentlich als magisch verklärter Rausch zu verdanken ist, wegen Überdosierung und schlechter Qualität zu Vergiftungen bei den Wermutbrüdern, so daß dieses Getränk in Deutschland 1921 verboten wurde.

Wermut soll, um den Hals getragen, den Bösen Blick abwehren und auch vor Behexung schützen:
„wer wermut bei sich trägt, kann nicht beschrien werden.” (GRIMM, Dt. Mythol. III., A. 234, S. 442)

Volksmedizinisch soll er gegen Schlaflosigkeit helfen, den Wermut ins Kopfkissen zu stopfen, der Duft wirkt wohl beruhigend.

Der Name Artemisia soll auf die Große Göttin Artemis hindeuten, der diese Pflanzen geweiht waren, Artemisia hieß auch „Mutter der Kräuter”. Der deutsche Name Wermut sei in diesem Sinne eine verderbte Form von altenglich wermod und althochdeutsch werimuota, was „Geist-Mutter” bedeute (WALKER, 1168), vgl. den Namen Werwolf, „Geistwolf”.

 

Strandbeifuß

Artemisia maritima

Gesammelt werden in Juli und August Kraut und Blüten, woraus man Abkochung bereitet.

Diese Verordnung wird von Kräutermedizinern als wurmtreibendes, schmerzstillendes Mittel empfohlen.