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| Pflanzenwelt | |
(Cerealien) Ein Sammelbegriff für verschiedene, meist trockene Früchte verschiedener Pflanzen, besonders Gräsern (Poaceae), aus deren Samen Mehl gemahlen wird, woraus Grundnahrungsmittel (Teigfladen, Brot) gebacken werden. Darüber hinaus ist Getreide wichtiger Bestandteil des Bieres.
Man bezeichnet Getreide auch als Halmfrüchte oder Körnerfrüchte.
Wichtige Sorten sind Weizen, Gerste, Roggen, Hafer, Mais, Hirse, Reis, früher auch Dinkel, Buchweizen und zahlreiche andere.
Anbau und Verwendung des Getreides gehört nach archäologischen und philologischen Befunden zum uralten Kenntnisschatz des Menschen.
Getreidegöttinnen der Sumerer sind Ashnan oder Nisaba.
Hethitischer Schutzgott des Getreides ist Chalki (Gerste) (BELLINGER, 92).
Nach griechischer Überlieferung hatte die Göttin Demeter der Menschheit das erste Saatkorn geschenkt. Am Ort dieser Begebenheit, Eleusis, feierte man berühmte Mysterien.
In Rom wurde Abundantia, die Göttin des Überflusses, mit Getreideähren dargestellt.
Nach Ceres, der römischen Entsprechung der griechischen Getreidegöttin Demeter, bezeichnet man Getreide auch als Cerealien.
In der Alchemie steht Korn bzw. Getreide auch symbolisch für das Material zur Herstellung des Steins der Weisen. (GEBELEIN, 429)
wer nie am sonntag eine arbeit vorgenommen hat, dem rührt kein vogel sein getraide oder seine gartenfrüchte an. (GRIMM, A. 879)
frierts am kürzesten tag, so fällt das korn im preise, ist es gelind, so steigt sein preis. (GRIMM, A. 245)
man soll in den zwölften nicht dreschen, das getraide verdürbe, so weit der schall gehört wird. (GRIMM, A. 96)
wer das erste korn blühen sieht, ziehe es dreimal durch den mund und sage ,gott behüte mich vor fieber und gelbsucht’, so bleibt er frei davon. (GRIMM, A. 784, S. 469)
Wie die Himbeeren reifen, so soll auch das Korn reifen. (BÄCHTOLD-STÄUBLI, IV, 3)
An Agathe (5. Feb.) Sonnenschein,
bringt viel Korn und Wein.
Um eine reiche Getreideernte zu erzielen soll man im Namen der hl. Dreifaltigkeit drei Kornähren über den Spiegel stecken. Bringt man Strohhalme vom Düngerhaufen eines Nachbarn auf den eigenen, so hole man damit die Fruchtbarkeit von den Feldern des anderen auf die eigenen. Das gleiche soll das Übertragen von drei Spießen voll Mist bewirken. (Magisch-sympathetischer Hausschatz, 142)
Januar hart und rau,
wohl gerät Getreidebau.
In der griechischen Sage wurde die um ihre Tochter trauernde Demeter vom Pan entdeckt, der sie zufällig antraf, als er im Gebirge Elaïon in Arkadien auf Jagd war. Für den englischen Philosophen FRANCIS BACON (1561 bis 1626) ist diese Sage ein besonders tiefsinniger Mythos, sind es doch nicht die Philosophen mit ihrem abstrakten Denken (hier die höheren Götter), die das Lebensnotwendige entdecken (nämlich das Getreide), vielmehr ist es die ungebärdige Natur selbst (verkörpert durch Pan), die eher zufällig diese Lebensgrundlagen verschafft Die Weisheit der Alten, 26f.).
Mit Sichel und Ährenbündel wird die hl. Notburga dargestellt.
In manchen Gegenden Mitteldeutschlands, zum Beispiel im Sieg- und Lahntal, kannte man bis Mitte des neunzehnten Jahrhunderts den Brauch, einen starken Eichenklotz zu unterst in den Herd zu legen. Derr dicke Block glühte, verbrannte aber im Laufe des Jahres nicht ganz zu Asche. Im Jahr darauf wechselte man das verhohlte Holz gegen ein frisches aus, zermahlte die Asche des alten Julholzes und verstreute es in den Zwölften auf den Feldern, was das Wachstum des Getreides verbessern sollte. (FRAZER, 924)
Weil der Graf Schulenburg zu Apenburg am Sonntag mit seinen Hunden durch das Korn jagte, wurde er zur ewigen Jagd als Helljäger verdammt, erzählte man in Thüritz. (KUHN u. SCHWARTZ, A. 150)
In der Gegend von Kiel werden die Kinder davor gewarnt, in die Kornfelder zu gehen, weil ,die Wilde Katze dort sitzt’. In Gestalt einer Katze soll nämlich zuweilen der Korngeist erscheinen. (FRAZER, 659)
Zur Vermehrung des Getreides empfahl Georges CLAUDE, das Korn tief zu pflanzen. Dazu bedeckte er nach dem Auflaufen der Weizen-Saat die Keimlinge mit zwei Zentimetern Erde, nach dem erneuten Durchbrechen wiederholte er dieses und dann noch einmal. Nach drei Monaten soll das Ergebnis ein un das Dreifache erhöhter Ertrag gewesen sein. Seinen Zuschauern sagte CLAUDE, der seine Arbeit im Garten seines Gefängnisses verrichten mußte: Ihr sät Euer Korn nicht tief genug. Zu flach gesät, bleibt die Wurzel zu schwach, um starke Halme zu treiben und aufrecht zu halten. (SCHRÖDTER, 159f.)