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 Pflanzenwelt
 
 

Der Granatapfel
Punica granatum

(gr. rhoa) Die zahllose Kerne enthaltene Schale des Granatapfels machten ihn bei den ihn kennenden Völkern seit altersher zu einem Symbol der Fruchtbarkeit.

Bei den Griechen hieß es, die Göttin Aphrodite selbst habe ihn auf Zypern gepflanzt, er war auch Attribut der Hera. Odysseus fand ihn beim König der Phäaken vor. Die Fruchtbarkeit ist mit dem Tod verbunden, wie die Eigenschaft zahlloser Muttergöttinnen als Herrin der Unterwelt oder Kriegsgöttin zeigt. So konnte die Persephone, Tochter der Erdgöttin Demeter, die Unterwelt nur mehr zeitweise verlassen, nachdem sie dort drei (oder sieben, OVID, Metamorphosen V., 533ff.) Kerne des Granatapfels gegessen hatte, ein Hinweis auf die Abläufe von Werden und Vergehen.

Granatapfel im Querschnitt
Granatapfel im Querschnitt
 
Eine andere Geschichte vom Ursprung des Granatapfels aus dem Kreis der orientalischen Gottheiten Dionysos und Kybele ist die von Agdistis, einem zweigeschlechtlichen Wesen.
Dionysos kastrierte Agdistis, als der gerade (weintrunken) schlief. Aus dem Blut wuchs der Granatapfel und dessen Frucht machte die Nana mit dem Attis schwanger.

In Griechenland ist es bei Hochzeiten Sitte, das Brautpaar mit getrockneten Granatäpfeln zu bewerfen. Platzt die Frucht auf und fallen die Samen heraus, so soll dieses auf reichen Kindersegen deuten.

Die Römer lernten den Granatapfel durch die Punier kennen, woher der botanische Gattungsname rührt. Plinius nahm an, diese Pflanze stamme aus Kathargo, und nannte sie Malum punicum, „Punischer Apfel” (Punier = Katharger).

Die Parsen, Anhänger des iranischen Religionsstifters Zarathustra, fertigen aus den Zweigen des Granatapfelbaums heilige Besen. Auch bei Geburt und Tod hat die Frucht ihre Bedeutung. Dem Neugeborenen wird ein Faden gegeben, der sie Zeit ihres Lebens begleitet und bei der Übergabe dessen werden Kerne des Granatapfels geworfen. Beschließt der Parse sein Leben, träufelt man dem Sterbenden Granatapfelsaft in den Mund (GANDHI, 125)

Die iranische Aredivi Sura Anahita, Göttin von Wasser und Fruchtbarkeit, wird mit einer Granatapfelblüte vor ihren Brüsten dargestellt.

Ab dem christlichen Mittelalter wurde der Granatapfel zum Symbol der Maria und als Reichsapfel zum Symbol der Herrschertugend. Albrecht Dürer stellt Kaiser Maximilian I. mit einem angeschnittenem Granatapfel in der linken Hand dar. Hierin ist ein Bezug zur germanischen Vorstellungswelt erkennbar, in der nur ein fruchtbarer König seinem Lande Segen bringt (Königsheil).

Die Bibel berichtet, wie dem alterndem König David die junge Schönheit Abischag zugeführt wird, um dessen Lenden zu erhitzen (1. Könige 1-4.). Der Versuch schlägt fehl und wenig später verliert David den Thron.

Der Granatapfel gilt als Aphrodisiakum und ist daher Bestandteil vieler Liebestränke.

Der Stein Granat verdankt seiner Ähnlichkeit mit der Blüte des Granatapfels seinen Namen.