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 Pflanzenwelt
 
 

Hanf

Cannabis sativa L.
Cannabaceae (Hanfgewächse)

Diese als Faser-, Rauch-, Drogen- und Ölpflanze genutzte Staude kennt man auch unter den Namen Hemp (auch engl. hemp) oder Harf, als Rauchkraut Knaster (s. u.). Zur männlichen Pflanze sagt man Femmel, Fimmel, Fimme, Bästling, Bast, Geilhemp, Güstehemp, Hempinne, Henne, Semmelhanf oder Trigel, die weibliche nennt man Hahn, Hennig, Mäsch, Mesch, Saathemp, Samenhanf oder Sämer (nach LOSCH, 29).

BlattVon April bis Oktober werden Kraut, Frucht (der Samen war frher als Semen Cannabis offizinell), Blätter, frische Blüten und Stengelspitzen gesammelt, die zu Emulsion, Essenz, Extrakt, Fluidextrakt oder Tinktur verarbeitet werden. Solche Verordnung empfiehlt die Kräutermedizin gegen Rheuma und Gicht sowie bei Schwellungen. (SCHINDLMAYER, 345)

Hanfsamen, in Milch gesotten und ganz warm getrunken, stillt nach alten Kräuterbüchern den trockenen, heißen Husten (LOSCH, 29f.).

Außer in der Medizin findet der Hanf wegen seiner faserigen Stengel in der Textilindustrie Verwendung (vgl. Namen Bästling, Bast). Seine ölhaltige Frucht liefert Tierfutter.

Aus der Pflanze werden die Rauschmittel Haschisch und Marihuana gewonnen, psychoaktiv wirkende Substanz ist das Tetra-Hydrocannabinol (THC). Diese Wirkung begründet das Verbot der Pflanze nach bundesdeutschem Betäubungsmittelgesetz, Anbau, Verwertung und Besitz der Pflanze und ihrer Produkte unterliegen in der Bundesrepublik Deutschland strengen Beschränkungen, wenngleich der Besitz kleinerer Mengen in der Regel nicht strafrechtlich verfolgt wird. Legal sind Anbau, Besitz und Handel mit dem Rauschkraut in der Bundesrepublik Deutschland nicht!

Der antike griechische Historiker HERODOT berichtete von einer Bestattungszeremonie bei den Skythen. Diese errichteten Zelte, in denen über heißen Steinen der Samen des Hanfs zum Dampfen gebracht wurde. In diese Zelte krochen die Skythen, „freuten sich über die Dämpfe und schrien laut.” (lib. IV. c. 75, zit. n. SCHREIBER u. SCHREIBER, 123)

Preußens König Friedrich II. (1740 bis 1786) soll sich für Geisterzitationen interessiert haben, welche ein Professor in Halle an der Saale angestellt habe. Der Gelehrte habe jedoch mit der Begründung abgelehnt, die Unternehmung könne für Beobachter schädlich enden, weshalb er selbst Schutzmaßnahmen treffe. Er beschrieb dem König jedoch Art und Weise des Experiments. Wichtiger Bestandteil seien betäubende Räucherungen, die SCHRÖDTER nach GRÖTZINGER und MÜH als Hanf deutete. (Pflanzengeheimnisse, 106f.)

Im 19. Jahrhundert, als auch Okkultismus aller Art einen ungeheuren Aufschwung nahm, schilderte Théophile Gautiere (1811 bis 1872) die Wirkungen des Haschisch.

Noch Anfang des 20. Jahrhunderts war der Hanfanbau in Europa sehr verbreitet, während des II. Weltkrieges wurde er bei zunehmender Rohstoffknappheit sowohl zur Gewinnung pflanzlicher Fasern als auch als billiger Tabakersatz angebaut. Dieses wegen seiner manchmal knisternden Verbrennung auch „Knaster” genannte Kraut wurde verboten, doch kommen allmählich wirkstoffarme Sorten vermehrt in den Handel. Es werden auch Nahrungsmittel und Kosmetika daraus gewonnen.