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| Pflanzenwelt | |
hier das Tüpfel-Johanniskraut,
Hypericum perforatum L. - Hyperiaceae, Johanniskrautgewächse
Deutsche Namen auch Alfblut, Blutkraut, Christi Kreuzblut, Christi Wundenkraut, Frauenkraut, Gottesgnadenkraut, Harrenau, Hartheu, Herrgottsblut, Hexenkraut, Jageteufel, Jödüfel, Kreuzkrottch, Lievwehblom, Mannskraft, St. Johannis-Blut, Teufelsflucht, Tüpfel-Hartheu, Unser Frauen Bettstroh, Unseres Herrgotts Wundenkraut, Wild Gartheil (Losch, 87, Sieg, 130ff. u. a.)
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Der Gattungsname dieses bekannten Heilkrauts deutet auf sein Vorkommen auf meist trockenen, mageren Böden hin (gr. hyper, über u. ereike, Heidekraut). Die Blütezeit beginnt um die Sommersonnenwende, nach dem Tag des heiligen Johannes (der Täufer) am 24. Juni lautet der verbreitetste deutsche Name, wenngleich die Legenden rund um dieses Kraut mit dem Jünger und Evangelisten Johannes verknüpft sind.
Quetscht man die Blütenknospe, so tritt eine dunkelviolette, ölige Flüssigkeit aus, das Johannisblut.
Der Legende nach sammelte Johannes, der Lieblingsjünger Jesu, unter dem Kreuze wachsende Kräuter, darunter auch dieses Kraut, dessen roter Saft an das Blut Jesu erinnert. (SIEG, 130)
Eine weitere Legende erzählt, wie Johannes durch das Kraut vor Nachstellung gerettet wurde. Verräter hatten zur Kennzeichnung seiner Wohnung dieses Kraut an sein Fenster gehängt. Aber als die Häscher kamen, ihn zu holen, erblühte es wundersam an allen Fenstern, und der Apostel war gerettet.
Die vielen kleinen Löcher im Laub verdankt das Johanniskraut der Wut des Teufels. Der stellte einst, so erzählt eine Sage aus dem Saarland, einer Jungfrau nach und hatte sie fast in seiner Gewalt. Da setzte sich die Jungfrau in einen Busch des Krautes und sogleich war sie vor dem Teufel geschützt. Wutentbrannt rief der Verfolger: Hartheu, du verfluchtes Kraut, du hast geraubt mir meine Braut und stach wie toll auf die Blätter ein. In der Chemnitzer Rockenphilosophie heißt es: Johanniskraut vertreibt hexen und teufel, daher dieser aus bosheit alle blätter mit der nadel durchsticht. (GRIMM, A. 190)
Bei diesen Löchern handelt es sich um ölgefüllte Drüsenzellen.
Die goldgelben Blüten stehen der Sonne und dem Himmel nahe, entsprechend wird es vom Teufel gemieden, es soll auch Unwetter und Blitz abwehren. Bei Zehmitz in Anhalt wütete schon mehrere Tage ein schweres Unwetter. Ein Ende schien nicht absehbar, als aus den Wolken eine Stimme grollte: Ist denn keine einzig Frau, die da weiß von Harrenau? Sogleich steckten die Zehmitzerinnen das Kraut an die Fenster und das Unwetter verzog sich. (nach SIEG, 131)
Gebinde aus Johanniskraut wurden auch in Süddeutschland und Teilen Österreichs als Schutz vor dem Blitz an die Fenster gehängt oder auf das Hausdach geworfen.
Das Johanniskraut enthält das entzündungshemmende, blutrote Hypericin, das Kraut ist ein altes Volksheilmittel, z. B. gegen Geschwüre. Das Hypericin führt bei stärkerer Einnahme zu erhöhter Lichtempfindlichkeit, schnell kann es zu sonnenbrandähnlichem Ausschlag kommen. Weil Licht aber als wohltuend bei Depression gilt, macht man sich diese Eigenschaft des Johanniskrauts bei der Behandlung depressiver Verstimmungen zu Nutze (DÜLL u. KUTZELNIGG, 226).
Ein anderes Anwendungsgebiet waren Stichwunden. Weil die Blätter des Johanniskrauts wie durchstochen aussehen (perforiert, siehe Artname), versprach man sich gemäß der Signaturenlehre Heilerfolge (DÜLL u. KUTZELNIGG, 226). Wie es heißt, hat der Teufel wegen der Wohltat des Krautes eine Wut auf es, daß er aus Bosheit die Blätter mit Nadeln durchstach. Paracelsus, der dem Hartheu bescheinigte, seine Heilkraft beschäme sämtliche Ärzte und Rezepte, lehrte, alles was durch die Haut ein- oder austrete, könne mit dem porigen Kraut behandelt werden (nach SIEG, 131f.).
Gesammelt wird dieses Kraut von Juli bis September, besonders aber am Johannistag, entweder vor Sonnenaufgang oder zur Mittagsstunde.
Als besonderer Segen für die Hausapotheke gilt das Johanniskrautöl. In hochwertiges Speiseöl gibt man Blüten und Knospen und stellt den Ansatz etwa drei Wochen an einen sonnigen Platz. Dem dann hellrot gefärbten Öl kann noch ein zweites Mal Blüten zugegeben werden, nach weiteren drei Wochen hat man ein starkes, tiefrotes Heilöl, das praktisch für jeden Zweck einsetzbar sei. Insbesondere soll man damit Brandwunden oder Entzündungen beträufeln, die davon umgehend schmerzfrei würden. Außer teelöffelweise eingenommen entfaltet das Johanniskrautöl seine segensreiche Wirkung auch dann, wenn es mit einer Bürste in die Haut gerieben wird (nach SIEG, 133f.).
Zur Bereitung des Öls werden nur Knospe und Blüte verwendet, für Johanniskrauttee die ganze blühende Pflanze.
Im Schlafzimmer aufgehängtes Johanniskraut soll Nachtmahre vertreiben, die als Erreger von Alpträumen gelten.
Auch gegen angezauberte Liebe soll es helfen. Um ihren Sohn von einer unerwünschten Liebe abzubringen, gab die Mutter etwas Johanniskraut in seine Schuhe. Nun mußte dieser aus dem Schuh noch Weißbier trinken, dann sollte die Liebe erloschen sein.