Das Schwarze Netz - zum Anfang< zurück
 Pflanzenwelt
 
 

N
giftig!
Große Königskerze

Verbascum densiflorum
Scrophulariaceae (Rachenblütler)

Namen auch Fackelkraut, Winterblom, Wollblume.

Eine zweijährige, bis drei Meter Höhe erreichende Halbrosettenpflanze, die von Juli bis Oktober große Blütenstände besitzt (DÜLL u. KUTZELNIGG, 465).

Der Name Königskerze bezieht sich auf eine Sage, dernach ein englischer König in den Katakomben Roms verirrt hatte, aber dank der leuchtenden Blütenstände den Weg aus diesem unterirdischen Ganggewirr fand.

In der Antike verwendete man die Pflanze zur Herstellung von Dochten. Dazu tränkte man sie mit Harz oder Pech und erhält so eine kerzenähnliche Lichtquelle. In Frankreich war es Brauch, die Königskerze in Öl zu tränken und am Jour des Brandons abzubrennen.

Der Name Winterblom bezieht sich auf die Annahme, die Anzahl der Blütenringe deute auf die Anzahl der zu erwartenden Schneefälle. In der Altmark hieß es, die Anzahl der Blüten weise auf die Länge des kommenden Winters hin. Auch als Regenzeiger diente die Königskerze: Wendet sie ihre Blütenstände nach Osten, so soll mit Sonnenschein zu rechnen sein, zeigt sie nach Westen, soll es Regen geben.

Am Johannistag (24. Juni) hängten in Ostpreußen Mägde die Königskerze über ihre Betten. Wessen Königskerze zuerst verwelkte, würde als Erste sterben müssen. Ähnlich schauerlich ist der Glaube, eine unerwartet am Grab oder Sterbehaus sprießende Königskerze deute daraufhin, daß der Verstorbene nun im Fegefeuer sei und mittels einer Wallfahrt daraus erlöst werden müsse.

Zu medizinischen Zwecken werden in Juli und August Blüten und frische Pflanze gesammelt, woraus man Auszug, Essenz und Kaltauszug bereitet. Solche Verordnungen empfiehlt die Kräutermedizin zur Reizmilderung, zur Lösung von Krämpfen und zur Anregung der Drüsen und der Sekretion. Volksmedizinisch ist auch die Anwendung als Mittel gegen Rheuma überliefert.

Die Giftwirkung der Königskerze machten sich Angler nutzbar. Sie streuten den Samen der Pflanze ins Wasser, wovon am folgenden Tag die Fische besonders bißfreudig seien. Die im Samen der Königskerze enthaltenen Saponine wirken auf Fische narkotisierend und lassen sie wohl weniger aufmerksam sein. Selbstverständlich ist ein solcher Einsatz heute verboten.