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 Pflanzenwelt
 
 

Der Lorbeer

(Lor- von lat. laurus, „Lorbeer”) Ein typischer Vertreter der mediterranen Hartlaubvegatation ist der Lorbeer, der als bis zu zehn Meter hoher Baum oder Strauch wachsend durch seine derb-ledrigen, immergrünen Blätter auffällt.

In Europa gibt es hiervon zwei Arten, Laurus canariensis (Kanarischer Lorbeer) und Laurus nobilis, Edler Lorbeer, die zur Familie der Lorbeergewächse Lauraceae gehören, einer Pflanzengruppe, die insgesamt um die 2250 Arten umfaßt.

Ein Kranz aus den Blättern dieses Baumes ziert Götter, später trugen ihn die römischen Kaiser, die Sieger bei den Spielen erhielten ihn und der Lorbeerkranz ist bis heute Symbol besonderer Auszeichnung.

Zu heilkundlichen Zwecken werden von Juni bis Oktober Früchte und Blätter gesammelt, woraus man Essenz und Öl bereitet.

Solche Verordnung empfiehlt die Kräutermedizin als Mittel zur Förderung der Wehen, gegen Krätze und - beim Milchvieh - gegen Erkrankungen des Euters.

Die balsamisch riechenden Blätter werden als Gewürz oder als Tee verwendet. Die länglich-eiförmigen, braunschwarzen Steinfrüchte sind von „blauem Dufte” und als Fructus Lauri offizinell. Sie werden gegen Wechselfieber, zur Beförderung der Wehen, gegen Koliken und äußerlich gegen Krätze verwendet (LOSCH, Kräuterbuch, 45f.).
Aus diesen Früchten gewinnt man auch ein grünes, salbenartiges Öl (Oleum Lauri), das innerlich wie äußerlich gegen Krämpfe, Krätze, Koliken, schwache Nerven empfohlen wird (ebd., 46).
Der Tee aus den Blättern gilt als schweißtreibend, mindert Blähungen, ist aber nicht jedermanns Geschmack. Außerdem verwendet werden die Wurzelrinde (gegen Steine), es werden noch einige Anwendungen und Anzeigen genannt, zum Beispiel das äußerlich gebrauchte Öl gegen Müdigkeit, zum Erweichen und Erwärmen (ebd.).
Am Körper wurden Lorbeerblätter getragen, um Dämonen abzuwehren, die als Auslöser von Krankheiten gelten. Gern wurde zu solchem Zwecke auch ein Lorbeerbaum ans Haus gepflanzt, der außer Hexen und bösen Geistern zusätzlich den Blitz abwehren soll (PICKERING, 201).

Der Lorbeer ist Attribut des altgriechischen Gottes Apollo. Kurz nachdem er sich durch Tötung des Drachen Python des Orakels bemächtigt hatte, führte er in Delphi die Pythischen Wettspiele ein.

Der altgriechische Sänger HESIOD erhielt am Helikon von den Musen die Gabe der Dichtkunst und als Stab einen Lorbeerzweig. (Theogonie, 1-34)

Der Sieger bei den Wettkämpfen erhielt als Preis anfangs einen Kranz von Eichenlaub, da es den Lorbeer damals noch nicht gab (OVID, Metamorphosen, I.449).

Denn erst nach seiner Eroberung des Orakels erregte den Apollo das erste Mal die Liebe. Er stellte der Nymphe Daphne nach, die sich der jungfräulichen Göttin Diana empfohlen hatte. Eine Zeit ging diese Jagd, bis Daphne ermüdet ihren Vater, den Fluss Peneios, bat, ihr eine andere Gestalt zu geben. Der Wunsch wurde erhört und Daphne in einen Lorbeerbaum verwandelt. Den liebte fortan Apollo, der den Lorbeer zu seinem heiligen Baum erklärte. Sein auf Wunsch des Apollo immergrünes Laub bekränzte fortan Haupt, Leier und Köcher des Gottes (Metamorphosen, I.452-566).

Nachdem so der Lorbeer erschaffen war, wurde den Siegern bei den Spielen anstelle des Eichenkranzes einer aus Lorbeer überreicht.

Wenn beim Orakel zu Delphi die Pythia in Ekstase geriet, um als Medium des Apollo ihre Antworten zu geben, soll sie dabei Lorbeerblätter gekaut haben.

Neben den Griechen schätzen die Römer den Lorbeer sehr, der ihnen Zierde des Kaisers war und Attribut vieler Gottheiten, etwa der personifizierten Ehre Honor.
Seit der Renaissance erinnerte man sich an den Lorbeer als Preis für hervorragende Dichtkunst, zum besten Dichter seiner Zeit, Poeta laureatus, ernannte man beispielsweise Petrarca und Ulrich v. Hutten.

 

Lorbeer soll nicht neben Wein gesetzt werden, weil er wegen seiner „hitzigen truckenen Natur” den Weinstock verdorren lasse. (LEMNIUS (17. Jh.), n. SCHRÖDTER, 18)

 

Auf der Insel Malta ist es Brauch, Blätter der Orange oder des Lorbeers in den Sarg zu legen. (GEIGER i. Handwörterbuch VII,946)

 

Lorbeer in der Zauberei

In der Zauberei schätzt man die Kraft des Lorbeers beim Totenbann (MALA, 124)

Aus dem Saft des Lorbeers und der Lilie läßt sich eine zauberkräftige Jauche ansetzen. Die sich darin entwickelnden Würmer soll man dem Feinde heimlich in die Jackentasche schmuggeln - solches Maleficium sei geeignet, den Angegriffenen sicher um den Schlaf zu bringen (PICKERING, 200).

Die Befragung des Lorbeers zum Zwecke mantischer Zukunftsdeutung bezeichnet man als Daphnomantie.
Dabei werden Lorbeerblätter verbrannt und die Verbrennung beobachtat: geschieht diese geräuschlos, ist Unbill zu befürchten, knackt es laut, darf man auf glücklichen Ausgang hoffen (PICKERING, 201).

Als ein Liebeszauber wird geraten, am Valentinstag auf Lorbeerblättern zu schlafen. Es soll dann der Geliebte im Traum erscheinen (ebd., 202).