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 Pflanzenwelt
 
 

Löwenzahn

Taraxacum officinale WEBER (Syn. Leontodon officinale L.)
Asteraceae (=Compositae, Korbblütler)

Löwenzahn.
Löwenzahn. Im Garten d. Verf., Mai 2004

 
Deutsche Namen auch Augenwurz, Bammbusch, Bettpisser, Bettseicher, Butterblume, Düwelsblohm, Echter Löwenzahn, Eierbusch, Feldblume, Gänsezunge, Geel Dickkopp, Geele Maienblume, Gelbe Wegwarte, Gemeiner Löwenzahn, Golichter, Große Ankenblume, Habichtkraut, Hundszunge, Hundeblume, Judenblume, Jungeblume, Kettenblume, Kettenröhrlein, Knabenblume, Köstblume, Krotenblume, Krotenbösche, Kuhblume, Kuhbuschen, Laterne, Luchten, Lusblom, Märzenblume, Melkdistel, Milchblume, Milchdistel, Milchrödel, Milidistel, Mistfinke, Mönchsblume, Mönchsplatte, Mönchskopf, Pärdeblome, Pfaffenblume, Pfaffenkraut, Pfaffenplatte, Pfaffenröhrle, Pfaffenstiel, Pompelblume, Popenblume, Pudblume, Pusteblume, Ringelblume*, Ringelstock, Ringete, Röhrlkraut, Röhrleinkraut, Roßblume, Säustock, Saublume, Saumelke, Saurüssel, Scheerkraut, Schmalzblume, Schweinblume, Schweinstöckel, Sommerdorn (für tor und türe), Sonnenwurzel, Wiesen-Löwenzahn, Wihenschwanz, Wilde Wegluge, Wilde Zichorie, Wilde Zigorie (LOSCH, 169f. u. a.). Die zahlreichen Namen zeugen von der weiten Verbreitung und Popularität dieser Pflanze.

Löwenzahn mit krummgewachsener Wurzel.
Löwenzahn mit Wurzel.
 
Eine Pflanze mit kräftiger, fleischiger Pfahlwurzel, aus der in Form einer Rosette grob gesägte (Name! soll dem Zahn eines Löwen ähneln) Blätter und die Blütenstengel wachsen, auf deren Spitze von April bis Juni eine schöne, leuchtend gelbe Blüte sprießt. Diese entwickelt sich nach der Befruchtung zu einem kugeligen Pappus mit den bekannten, flugfähigen Samen, die bei Windstößen ihre Reise antreten (daher „Pusteblume”).
Die an kleinen Fallschirmen hängenden Samen können theoretisch bis zu zehn Kilometer weit fliegen (DÜLL u. KUTZELNIGG, 435).

Dieses auf nährstoffreichen Böden in den gemäßigten Zonen der Erde weltweit verbreitete Kraut wird nicht allein als Kaninchenfutter gesammelt, es ist auch Bienenweide (von mittleren Wert) und für den Menschen ein gutes Blattgemüse, das auch medizinisch genutzt werden kann.

 

Löwenzahn in der Ernährung

Die Wurzel, im Herbst gegraben und geröstet, kann wie die Zichorie (Name!) als Kaffee-Ersatz dienen (DÜLL u. KUTZELNIGG (1992), 436). Gebraten wird sie auf Island gegessen (SIEG, 171).

Löwenzahn: Blüte.
Löwenzahn: Blüte. Im Garten d. Verf., Mai 2004

 
Die Blüten lassen sich zum Färben der Butter verwenden, weshalb der Löwenzahn — wie auch einige andere Kräuter mit gelben Blüten — Butterblume genannt wird. Man kann aus den Blüten auch einen Sirup bereiten (DÜLL u. KUTZELNIGG, 436).

Die jungen Blütenkörbchen können als Kapernersatz verwendet werden (DÜLL u. KUTZELNIGG, 435).

 

Löwenzahnwein

Einen Wein gewinnt man, indem man vier Liter Löwenzahnblüten (gedrückt gemessen und trocken gepflückt) nebst der Schale einer Zitrone und einer Orange in vier Liter Wasser gibt, das Gemisch 20 Minuten kocht und abseiht. Hinzu gibt man das Fruchtfleisch der Orange und läßt die Flüssigkeit abkühlen, bis sie lauwarm ist. Dann fügt man eine halbe Tasse Hefe hinzu. Vier bis fünf Tage läßt man die Zubereitung gären, ehe man sie in gut verkorkte Flaschen füllt. Das endlich kristallklare Getränk soll ausgezeichnet schmecken und die Stärke feinen Likörs haben (nach LOSCH, 171).

 

Löwenzahn als Heilkraut

Zu Heilzwecken werden von April bis September das Kraut mitsamt der Wurzel (Radix Taraxaci cum Herba) und ganze Pflanze gesammelt, woraus man Abkochung, Essenz, Extrakt (Extractum Taraxaci), Fluidextrakt und Saft bereitet (SCHINDLMAYR, 343 u. LOSCH, 170).

Zur Gewinnung des Saftes wird das frische Kraut grob gehackt oder gerupft, einige Minuten in kaltem Wasser eingeweicht und das ganze durch ein Tuch gepresst. Dieser Löwenzahnsaft empfiehlt sich zur Anregung von Leber, Galle, Bauchspeicheldrüse, Magen und Darm sowie zur Blutreinigung. Zur Entschlackung im Rahmen einer Frühjahrskur wird besonders ein Saft aus Löwenzahn, Brennessel und Sellerie empfohlen.

Die Blätter verwendet man auch als harntreibendes Mittel, daher die Namen Bettpisser (Fränkisch) und Bettseicher (Schwaben). Man nannte das Kraut darum auch Herba urinaria.

Weiter soll der Saft des Löwenzahns, bei abnehmenden Mond auf die betroffene Haut geträufelt, gegen Warzen helfen (WEHR, 222).

Wohl mehr zum Aberglauben als zur Volksmedizin gehören folgende Anwendungen:

Ein Bündel Löwenzahnblätter, bis zur vollständigen Trocknung um den Hals gehängt, soll Zahnschmerzen abhelfen (WEHR, 222). Auch MATTHIOLUS, einer der älteren Kräutermediziner, meinte, bloßes Umhängen des Löwenzahns genüge in manchen Fällen schon, bei ihm gilt diese Methode der Heilung von Gliedweh und Seitenstechen (SIEG, 169). Auch HIERONYMUS BOCK empfahl das Umhängen des Löwenzahns, ihm galt eine im Zeichen der Jungfrau (Spätsommer) gegrabene Wurzel als vortreffliches Mittel gegen Flecken in den Augen, sowohl beim Menschen als auch beim Vieh (ARENS, 53).

Ein Bündel Löwenzahnblätter, bis zur vollständigen Trocknung um den Hals gehängt, soll Zahnschmerzen abhelfen. (WEHR, 222)

 

Magische Anwendung des Löwenzahns

Löwenzahn: Fruchtstand.
Löwenzahn: Fruchtstand. Im Garten d. Verf., Mai 2004

 
Kühe, die wegen eines Hexenzaubers keine Milch mehr geben, sollen durch Fütterung mit Löwenzahn ihres bösen Bannes ledig werden (WEHR, 222).

Der Löwenzahn dient, als „Pusteblume”, auch als Orakel. Wenn man die Fallschirmchen wegpustet, so soll die Anzahl der am Blütenboden verbleibenden Samen allerlei Antworten auf Fragen geben, die mit einer Zahl zu beantworten sind, etwa die Jahre bis zur Hochzeit, die verbleibende Lebensspanne usw. Der Blütenboden selbst kündet vom Verbleib im Jenseits. Ist er reinweiß, kommt der Pustende gewiß in den Himmel, ist er dunkler, so muß die Seele zunächst durch das läuternde Fegefeuer, zeigt er einen schwarzen Fleck, so wird die Seele sicher zur Hölle fahren (ARENS, 53).

 

* Unter dem Namen Ringelblume ist heute in der Regel eine andere Pflanze, Calendula officinalis, bekannt.