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Convallaria majalis L.
Liliaceae, Liliengewächse o. Convallariaceae, Maiglöckchengewächse
Deutsche Namen auch Maiblume, Maiblümchen, Maischellchen (thür.), Maienblume, Maienblümlein, Maienglöcklein, Maie(n)riesli (schweiz.); Maile; (aus Lilium convallium): Chaldron, Faldron, Fildron, Faldrian, Lilien, Hilgenkümmveilchen, Lilienconveilchen, Lilienconvallen, Liliumfallum, Fillumfallum, Galleieli, Gläjeli; Glasblümli, Haselöhrke (brem.), Herrenblümli; Marienglöckchen, Marienschelle, Zauken, Zautschen, Zaupen, Zauzen (schles.), Tschäupchen, Zschäupchen (sächs.), Maienzacken; Papoischle; Schillerlilien; Schneetropfen, Springauf; Stucheblümli, (ges. n. LOSCH, 22 u. SIEG, 103); Maienglocken, Frauenblume, Marientränen.
Diese in lichten Laubwäldern Mitteleuropas heimische Pflanze mit ihrem lebhaften Kontrast aus grünem Kraut und den im Mai (Name!) in einwendeliger Traube erscheinenden weißen Blüten, später mit roten Beeren, ist Symbol der Liebe und darum beliebter Bestandteil des Brautstraußes. Das Grün symbolisiert dabei die Hoffnung, das Weiß die Reinheit.
Bereits die Germanen brachten das Kraut mit der Braut in Verbindung. Fiel ein Krieger, so sollte an seiner Grabstätte ein Maiglöckchen erblühen und die hinterbliebene Braut trösten.
Die spätere häufige Verwendung des Maiglöckchens in Verlöbnis- oder Hochzeitsbildern soll allerdings auf eine Verwechslung mit der Blume (Narzisse) beruhen, die im Hohelied Salomos besungen wird (Hoheslied, 2,1, n. ARENS, 42). Daher stammt auch der englische Name für das Maiglöckchen, Lily of the Valley, eine wörtliche Wiedergabe der biblischen Lilie der Täler (ebd.).
Die christliche Legende weiß von Maiglöckchen, die aus den Tränen entsprossen, welche Maria unter dem Kreuz Christi vergoß.
Die Pflanze gilt auch als glückverheißend, insbesondere, wenn sie am 1. Mai im Knopfloch getragen wird.
Mit den ,holtseligen Mayenblümelin’ sich zu schmücken, verrät des Herzens Lust und Fröhlichkeit, denn: ,Wer sein lieb mit freuden anesahet, und er hofft noch große Freude zu entphaenn, der sollt mayblumen tragen’. Und weiter: So holt auch der Bursche seinem Mädchen in der Walpurgisnacht eine ,Walperbürde’ das ist ein Waldstrauß, in dem sich Maiblumen befinden müssen (SIEG, 103).
Auch der Himmelfahrtstag, früh am Morgen, noch vor Sonnenaufgang, soll ein guter Sammeltermin sein (Naturschutzbestimmungen beachten!).
Der Sammeltermin ist auch entscheidend bei der Verwendung des Maiglöckchens als Arzneipflanze (wobei wegen der Giftigkeit der Pflanze besondere Vorsicht angezeigt ist). Nach altem Glauben sind nämlich besonders die Tautropfen an den von der Sonne noch nicht bestrahlten Blüten ein wertvolles Mittel gegen den Schlaganfall, wozu die Tautropfen mit Wein zu Aqua apoplectica Harmanni vermengt wurden.
Zu dieser Anwendung regte die Signaturenlehre an, weil die Blüten wie Tropfen niederhängen (SIEG, 103).
Zu kräutermedizinischen Zwecken sammelt man im Mai Kraut, Blüten, frischem Wurzelstock und die ganze frische Pflanze, woraus man Aufguß, Essenz, Extrakt, Fluidextrakt oder Tinktur bereitet und nutzt diese Verordnungen zur Stärkung von Herz und Nerven, zur Belebung des Harndrangs und als Abführmittel (SCHINDLMAYR, 350).
Ein Saft aus den Blumen soll die Augen klar und hellmachen (LOSCH, 22).
Das Maiglöckchen findet medizinisch auch als Herzmittel Verwendung, wobei das enthaltene Convallamarin die Herztätigkeit verlangsamt.
Ehedem rieben sich auch junge Mädchen mit dem Saft des Maiglöckchens ihr Gesicht ein, weil das gegen Sommersprossen helfe.
Beim Dichter Ludwig Uhland (1787 - 1862) liest man:
Mit dem Thau der Maienglocken
Wascht die Jungfrau ihr Gesicht,
Badet sie die goldnen Locken,
Und sie glänzt von Himmelslicht;
Selbst ein Auge, rotgeweinet,
Labt sich mit den Tropfen gern,
Bis ihm freundlich niederscheinet,
Thaugetränkt, der Morgenstern.
(Maienthau, 1834; Gedichte, 39)
Die getrockneten Blüten des Maiglöckchens regen aufgrund ihres Saponingehaltes zum Niesen an und sind Bestandteil des Schneeberger Schnupftabaks (DÜLL u. KUTZELNIGG, 135).
Von Bedeutung ist das Maiglöckchen auch als Duftpflanze.
Bei Hoffmann von Fallersleben (17981874) steht das Maiglöckchen für den Klang von Freiheitsglocken:
Und die Maienglöckchen klangen
Niemals noch so hell und laut,
Und die kleinen Vöglein sangen
Niemals noch so hold und traut.
Warum klingen doch die Lieder
Und die Glöcklein weit und breit?
Ja, dem Frühling gilt es wieder,
Mehr noch gilts der Singfreiheit.
(z. n. ARENS, 43)
Aber auch eine reine Blume wie diese kann zu schädlichem Zauber genutzt werden. Ein böswilliger Mensch vermag die Kühe eines Feindes und deren Milch zu verhexen, indem er eine Maiblume unter die Schwelle zum Stall steckt (aus dem. Ermland, n. FRISCHBIER, Hexenspr. u. Zauberb.).