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 Pflanzenwelt
 
 

Zitronenmelisse

Melissa officinalis L.

auch Bienenkraut, Frauenkraut, Gartenmelisse, Melisse, Herzkraut, Honigblume, Immenblatt, Mutterkraut, Wanzenkraut, Zitronenkraut (nach LOSCH, 127f.)

M. officinalis bietet reiche Bienenweide, wie die Namen „Bienenkraut”, „Honigblume” und „Immenblatt” verraten.
Der Name Melisse kommt aus dem Griechischen und bedeutet „honigtragende Biene”. Eine Kretenserin namens Melissa soll einst samt ihrer Schwester Amalthea den jungen Gott Zeus aufgezogen haben. Daher rührt die Sage, Bienen wären Ammen des Gottes gewesen (HEDERICH Sp. 638).

Zitronenmelisse.
Zitronenmelisse. Im Garten d. Verf., Mai 2004

 
Von Juni bis September werden besonders die als Folia Melissae offizinellen Blätter der blühenden Pflanze gesammelt.
Die Pflanze verträgt mehrmaligen Schnitt.

Man gewinnt aus dem Sammelgut Aufguß, Geist (Spiritus Melissae compositus, Öl, Wasser und Essenz, welche Herz und Nerven stärken sollen, beruhigen und auch das Blut stillen.
Melisse soll auch helfen, die natürliche Farbe des Haars zu erhalten SIEG, 143).

15-20 gr Blätter der Zitronenmelisse auf einen Liter Wasser empfahl Pfarrer Kneipp für einen Tee gegen Unterleibsleiden durch gestörte Nerven, Bleichsucht, Magenkrampf, Verdauungsstörungen, Krampf- und Blähungskolik, Migräne und nervösen Weh von Zahn, Ohr oder Kopf, andere rieten auch zu weniger Wirkstoff (5gr/l, n. LOSCH, 128).
In weißem Wein gesotten und über mehrere Tage hinweg getrunken stärken sie das Herz, vertreiben nächtliches Herzklopfen, die Melancholie, kräftigen den Magen und überhaupt alle Eingeweide, „räumt die Brust, stillt das Keuchen, stärkt Herz und Hirn und wehrt der fallenden Sucht. Wenn jemand giftige Schwämme gegessen hat, der soll diesen Trank nehmen.” (ebd.)

Die Melisse soll anmutige Träume herbeiführen, wie es in einer Sammlung von 1769 heißt: „Solches zu bewerkstelligen wird weniger oder gar nichts zu Nacht gespeist und anstatt dessen oder zu Ende einer gemäßigten Nachtmahlzeit eine ziemliche Portion grüner Melissen als ein Salat mit Wein und Zucker oder mit Baumöle und sehr wenig Essige oder besser nur also rohe genossen. So werden sich einem in dem Traume meistenteils anmutige grüne Gärten, lustige Alleen, schattige Waldungen und dergleichen scharmierende Revieren vorstellig machen.” (JOH. WALLENBERG, Natürliche Zauberkünste Nr. 70, zit. n. LOREY, 174)

Ein Phänomen sich erneuernder Pflanzengestalt soll die Bäckerstochter Bärbel von Ottenheim (1430 bis 1484), in späteren Jahren Geliebte des im Rufe des Magiers stehenden Reichsgrafen Jakob von Lichtenberg (1416 bis 1480), entdeckt haben: „Eines Tages zerhackte sie Melissenkraut und mischte es mit Regenwasser in einem Tonkrug. Nach einiger Zeit schwamm Melissenöl auf der Oberfläche und nahm die Form des Blattgeäders an. Sie schüttelte die Flüssigkeit und immer wieder stellten sich die Blattformen in Ölgestalt ein.” (MAIERHEUSER 1939, 241f., n. SCHRÖDTER, 94)