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Viscum album L., Laubholz-Mistel u. weitere Arten
auch Drudenfuß, Hexenbesen, Donnerbesen
Das Zauberkraut keltischer Druiden schlechthin, jedem Asterix-Leser wohlbekannt. Sie galt auch den Germanen als heilig, die davon ausgingen, daß die Mistel vom Himmel gefallen sei.
Es war ein Mistelzweig (Mistiltein), mit dem der blinde Hoedur auf Anstiften Lokis versehentlich seinen Bruder Balder erschoß. Alle Welt hatte beeidet, dem Balder kein Leid zu tun, einzig ein östlich von Walhall wachsender Mistelschößling wurde vergessen und beschwor so das Götterverhängnis Ragnarök herauf (Edda, Gylfaginning, 49).
Wie andere Pflanzen mit magischen Eigenschaften, zeigt sich auch die Mistel in eigenartiger Erscheinung: wie der Efeu immergrün, wächst die Mistel nicht im Boden, sondern sitzt anderen Pflanzen, bevorzugt Eichen, auf und zehrt, anders als vorgenannter von ihrem Wirt. Was in anderen Ländern gang und gäbe ist (Bromelien, epiphytische Farne o. Kakteen), bleibt in Mitteleuropa Ausnahme: eine Pflanze, die ihre Wurzeln nicht im Boden hat.
Die Mistel schmarotzt an ihrem Wirtsbaum, indem sie mit Wurzeln in dessen junges, noch nicht von dicker Rinde geschütztes Holz einwächst und sich von seinem Wasser und gelösten Mineralstoffen nährt. Es sollen sogar Misteln als Untermieter auf anderen Misteln wachsen. In der Regel kommt der gebende Baum mit seinem Bewohner zurecht, und so an die 70 Jahre alt werden. Doch kann eine große Mistel, sie wird bis einen Meter hoch, den Ast empfindlich schwächen und sogar zum Absterben bringen (DÜLL u. KUTZELNIGG, 480). Gut, wenn rechtzeitig jemand zur Ernte erscheint.
Die Druiden beachteten dabei ein besonderes Zeremoniell, wenn sie die Mistel, weißgewandet, mit goldener Sichel, von der Eiche schnitten. Der herabfallende Zweig wurde mit weißem Tuche aufgefangen, er blieb gewissermaßen zwischen Himmel und Erde. Wenn der Mistelzweig austrocknet, färbt sich das Laub goldgelb. Ein solcher Goldener Zweig eröffnete nach altem Glauben den Zutritt zur Unterwelt.
Lohn der Erntemüh` sind verschiedene Heil- und Zaubermittel. Als Mischgetränk auf Bier-Basis wird es dem Vieh zum Trank gegen Verzauberung gegeben. Die Zweige selbst sollen vor Verzauberung schützen, darum trägt man daraus gefertigte Amulette. (so WEHR, 163).
Gewiß wurde bei Ernte und Zubereitung auch der Mondstand sorgsam beachtet. Die Mistel ist giftig, ausgenommen sollen die Beeren sein. Die Stärke der Giftwirkung ist abhängig vom Wirt der Pflanze. Sie soll ein gutes Mittel gegen den Krebs sein, auf das die Anthroposophie große Hoffnungen setzt. (DÜLL u. KUTZELNIGG,481)
Weil die Mistel von ihren Wirtspflanzen ähnlich zehrt wie ein Tumor vom Körper, setzen manche an Krebskranke ihre Hoffnung auf pflanzliche Medikamente aus Drogen dieser Pflanze. Dieser therapeutische Ansatz wird dem anthroposophischen Weltbild nach Rudolf Steiner zugeordnet.
Auch sonst ist die Mistel althergebrachte Medizinalpflanze.
Zu Heilzwecken werden von März bis Oktober Stengel, Beeren und Blätter gesammelt, woraus man Essenz, Extrakt, Kaltauszug und Pulver bereitet.
Solche Verordnungen empfiehlt die Kräutermedizin als blutstillende und blutdrucksenkende Mittel, die außerdem Würmer vertreiben.
Der Pfeil, den Wilhelm Tell, der Nationalheld der Schweizer, auf Geheiß des kaiserlichen Landvogts auf seinen kleinen Sohn Walter bzw. auf den auf Walters Kopf gesetzten Apfel geschossen hatte, soll wie der Pfeil Hoenirs aus dem Holz der Mistel geschnitzt gewesen sein.
Nach Angaben mancher frühmittelalterlicher Missionare soll auch das Kreuz Christi aus dem Holz der Mistel gezimmert worden sein. Man habe dabei bewußt auf den Mythos um Baldur angespielt, um die Germanen für das Christentum zu gewinnen (WALKER, 624).
Im Schlafzimmer aufgehängte Mistelzweige soll Nachtmahre vertreiben, die als Erreger von Alpträumen gelten.