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| Pflanzenwelt | |
Papaver
Papaveraceae (Mohngewächse)
Eine in mehreren Arten vorkommende Gattung hübsch blühender, einjähriger Pflanzen. Der Name Papaver leitet sich von der früher verbreiteten Sitte ab, Kleinkindern zur Beruhigung einen Absud von Mohnköpfen zu verabreichen, lat. papa bedeutet Kinderbrei. Arten des Mohns sind Papaver rhoeas L. (Klatsch-Mohn), Papaver dubium L. (Saat-Mohn), Papaver argemone L. (Sand-Mohn), Papaver somniferum L. (Schlaf-Mohn). Sie alle sind empfehlenswerte Blumen für Wildpflanzengärten (DÜLL u. KUTZELNIGG, 318f.).
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Als Wetterzeiger soll die niederhängende Blüte des Mohns auf Sturm hindeuten.
Es heißt, der feine Samen des Mohns habe bannende Wirkung gegen Geister. Wenn man eine Handvoll Mohnsamen vor der Tür ausstreut, soll dieses Hexen den Eintritt erschweren, da diese die Samen erst zählen müßten. (WEHR, 164) Ähnliches sagt man auch von Erbsen oder Linsen.
Den Samen des Mohns verwendet man auch zur Wahrsagerei aus Rauch (Kapnomantie).
In Stendal und Rauen bei Fürstenwalde empfahl man: Neujahrstag muß man Hirse essen oder Häring, so hat man das ganze Jahr über Geld. Andere essen auch neunerlei (oder siebenerlei) Gerichte, wobei aber Mohnstriezeln sein müssen. (KUHN u. SCHWARTZ, C. 145)
| N giftig! |
Papaver somniferum L.
Zur Warnung hört ich sagen
daß der im Mohne schlief,
Hinunter ward getragen
In Träume schwer und tief;
Dem Wachen selbst geblieben
Sei irren Wahnes Spur,
Die Nahen und die Lieben
Halt er für Schemen nur.
Ludwig Uhland (1787 bis 1862)
Nicht erst Uhland, schon das Altertum wußte um die berauschende bzw. beruhigende (lat. somniferum schlafbringend) Wirkung des Schlafmohns. In Griechenland erzählte man, er sei aus den Tränen der um Adonis weinenden Aphrodite entstanden, noch älter sind sumerische Tafeln, die ihn als Pflanze der Freude bezeichnen.
Gesammelt werden August bis September Samen und Frucht, woraus man Essenz, Extrakt, Öl, Pflaster, Salbe, Tinktur und Wein bereitet und die Wirkstoffe Codein, Morphium, Opium, Papaverin und Thebain gewinnt.
Solche Verordnungen empfiehlt die Kräutermedizin bei Schlaflosigkeit, zur Lösung des Krampfes und zur Stillung des Schmerzes.
Zur Drogengewinnung werden die unreifen Samenkapseln des Schlafmohns angeritzt und der austretene Milchsaft gesammelt. Aus der getrockneten Masse wird das Roh-Opium gewonnen, was zu Opium, Morphium, Heroin und anderen Rauschgiften weiterverarbeitet wird. Der Anbau von mehr als zehn Quadratmetern Mohn ist in der Bundesrepublik Deutschland ohne Sondergenehmigung strafbar, auch wenn der in nördlichen Breiten gebaute Mohn bei weitem nicht die Potenz von Pflanzen wärmerer Gebieten besitzt.
Die Hauptanbaugebiete liegen in Afghanistan und Myanmar. 1990 wurden insgesamt über 250.000 Hektar Land mit Mohn bebaut. In Afghanistan ging der Anbau aufgrund eines Verbots der Taliban-Regierung sehr stark zurück (von rund 100.000 ha auf wenige tausend im Jahr 2001), erreichte aber nach Vertreibung der Taliban seinen alten Stand annähernd wieder (laut UN) — und das trotz (?) der Anwesenheit us-amerikanischer und bundesdeutscher Truppen.
Dagegen ist der Mohnsamen ohne jede psychoaktive Wirkung und beliebte Zutat für Backwaren (Mohnbrötchen, Mohnkuchen). Er gilt im Volksglauben als Spender von Glück und Fruchtbarkeit.
Schlafmohn wird als Bestandteil einer Hexensalbe genannt. (SCHRÖDTER, 218)
Als Vergessenheitstrank treffen wir den Wein in der Odyssee: Da mischt Helena für die Genossen des Menelaos ein Kraut in den Wein, das wie Opium wirkt. (4,219ff; n. ECKSTEIN, Handwörterbuch IX,302)
Papaver rhoeas L.
Gesammelt werden in Juni und Juli die Blüten, woraus man Aufguß, Fluidextrakt und Sirup bereitet.
Solche Verordnungen empfiehlt die Kräutermedizin gegen Keuchhusten, Lungenkatarrh und Bronchitis und Angina.
Am Johannistag gepflückter Klatschmohn soll vor Blitzschlag schützen, indem man ihn bei sich trägt oder unter das Dach des Hauses hängt (WEHR, 146).
Maikäfer sollen keinen Mohn mögen. Fressen die Engerlinge des Maikäfers Mohnwurzeln, so sollen sie daran sterben. (SCHRÖDTER, 25)
Die Rebe liebt die Ulme und den Mohn — so schrieb AGRIPPA VON NETTESHEIM in seiner Occulta Philosophia (T. I; c. 17, n. SCHRÖDTER, 18)