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 Pflanzenwelt
 
 

Der Ölbaum, Olivenbaum

Olea europaea, Oleaceae

Dieses in den südlichen Gebieten der Alten Welt verbreitete Gehölz ist ein immergrüner Baum, der besonders im Mittelmeerraum wichtiges Kulturgewächs ist.

In die weitere botanische Verwandtschaft des Ölbaums gehören die Ligustergewächse (Ligustrales) und unter anderen die Esche und der Flieder.

Nach griechischem Mythos entstand der Ölbaum bei einem Wettstreit der Pallas Athene und des Poseidon um die Stadt Athen. Wer von beiden Gottheiten das nützlichere hervorbringe, dem solle die Stadt gehören. Poseidon stieß seinen Dreizack in die Erde und brachte eine Quelle hervor, Athene hingegen einen Ölbaum.

Den Zweig der Ölpalme als einen Siegespreis hatte zuerst der griechische Heros Theseus eingeführt. Der war auf der Rückfahrt von Kreta, wo er den Minotauros erlegt hatte, auf der dem Apollo und der Artemis heiligen Insel Delos gelandet und hatte dort nicht nur einen „Kranich” genannten Reigentanz eingeführt, sondern Wettspiele zu Ehren des Apollo veranstaltet, bei dem den Siegern ein Ölzweig in die rechte Hand gegeben wurde. (HOMER, Illias 18.590ff. u. Pausanias, Arkadien 48,3)

Der Ölzweig war auch Siegespreis bei den Olympischen Spielen.

Als Förderer des Ölbaums und Entdecker seiner Nützlichkeit gilt Aristaios. Dieser Sohn des Apollo und der Kyrene war von Nymphen aufgezogen worden und hatte von diesen derlei Künste erlernt.

Den Stamm eines Ölbaums trieb Odysseus mit Hilfe seiner Kameraden in das einzige Auge des Kyklopen Polyphem (HOMER, Odyssee 9.385ff.). Aus dem hatte der Riese sich einen Wanderstab machen wollen.

Das Gewächs spielt besonders in der Bibel eine wichtige Rolle, war es doch ein Blatt des Ölbaums, den jene Taube im Schnabel trug, die von Noah aus der Arche gelassen wurde, wodurch er Kunde vom Ende der Sintflut erhielt (1. Mose 8,10f.). Aus den Früchten des Ölbaums, den Oliven, gewinnt man durch Zerkleinern im Mörser oder, später, Pressen in der Ölmühle das wertvolle Öl. Es dient der Speisebereitung, als Heilmittel, als Brennstoff in Leuchtern und zur Gewinnung von Salben, sowohl zur Körperpflege als auch im Kultus zur Salbung von Menschen und Gerätschaften.

Der Olivenbaum wird, nebst der Zypresse, als Begrünung des Garten Gethsemane in Jerusalem angegeben, in dem Jesus verhaftet wurde.

Die Ausbreitung des Ölbaumes soll mit den Missionsreisen des Apostels Paulus zusammenfallen (HEDIN, 38). „Der Ölbaum ist überhaupt als heiliger Baum zu betrachten. Christus heißt der Gesalbte, Gethsemane die Ölpresse, und der Ölberg selbst hat seinen Namen von diesem Baume.” (ebd.).

Olivenbaum und Myrte sollen nebeneinander gut gedeihen, ebenso Oliven- und Feigenbaum — so schrieb AGRIPPA VON NETTESHEIM in seiner Occulta Philosophia (T. I; c. 17, n. SCHRÖDTER, 18)

In der Zauberliteratur findet sich das von Alexander von Tralles (6. Jh.) stammende Rezept, gegen Fieber auf ein Blatt des Ölbaums die Buchstaben Ka, Roi, A zu schreiben und als Amulett dem Kranken umzuhängen. (MARZELL, Handwörterbuch, VI,1246)

 

Laut einem Rezept in Fausts Höllenzwang (72. Kapitel) soll ein Kristallseher sich gleich nach Sonnenaufgang gen Osten wenden, mit Olivenöl ein Kreuz auf einen von einem Knaben in der rechten Hand gehaltenen Kristall machen und darunter die Worte Sancta Helena schreiben. Er müsse dann hinter dem Knaben niederknien und dreimal mit großer Andacht und Ehrehrbietigkeit ein Gebet an die hl. Helena sprechen. In dem Gebet habe er die Heilige anzuflehen, daß die ihm im Kristall zeige, was er wissen will. Dann erscheine ein Engel und antworte. (BOEHM i. Handwörterbuch V,582)

 

Der Ölbaum in der Fabel

Das Schilfrohr und der Ölbaum

Über Stärke, Festigkeit und Ruhe stritten sich ein Schilfrohr und ein Ölbaum. Das Rohr, welches von dem Ölbaum darob getadelt ward, daß es aller Stärke entbehre und leicht von allen Winden hin und her bewegt werde, schwieg und sagte kein Wort. Nach einer kleinen Weile erhob sich ein heftiger Sturm; das hin und her geschüttelte Rohr hatte den Windstößen nachgegeben und blieb unbeschädigt, der Ölbaum dagegen, welcher sich den Winden entgegengestemmt hatte, wurde durch deren Gewalt gebrochen.

(ÄSOP, Fabeln)