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 Pflanzenwelt
 
 

Pfingstrose

Paeonia officinalis, L.
Paeoniaceae, Pfingstrosengewächse

auch Benediktenrose, Bubenrose, Freisamrose, Gichtrose, Pfundrose, Königsblume, Schreckrose (n. LOSCH, Kräuterbuch, 38 u. a.)

Eine nach dem griechischen Heiler Paieon benannte Pflanze, die als „Königin der Kräuter” bezeichnet wird. Oder Paieon ist ein Beiname des Apollon. Dieser soll den von Herakles verwundeten Hades mit einer Pfingstrose geheilt haben.

Wild kommt die Pfingstrose in Südeuropa bis hinauf in die südlichen Alpen vor, im Osten reicht ihr Verbreitungsgebiet weit nach Asien.

Pfingstrose 'Sorbet'.
Pfingstrose „Sorbet”. Im Garten d. Verf., Juni 2004

 
Der Zucht dieser herrlichen Pflanze widmeten sich im Mittelalter Benediktinermönche, die sie als Benediktenrose in ihren Klostergärten kultivierten.
Christliche Mystik pries die Blume als Symbol für Reichtum und Heilung sowie die Schönheit des Weiblichen. Als Zierde des Altar findet sie sich auf mancher Malerei.
Die Pfingstrose galt als die „Rose ohne Dornen”, mit der die Gottesmutter Maria gemeint ist (BIEDERMANN, Lex. d. Symbole, 320).

Auch in China genießt die Pfingstrose hohe Wertschätzung, Päonien sind als Mou Tan Nationalblume Chinas, die mit einer Hingabe gepflegt und begehrt wird, wie sie sonst von der Begeisterung der Chinesen für Goldfische bekannt ist.
„Der chinesische Gelehrte Tschen in Hantschow vertraut einem deutschen Chinareisenden Einzelheiten über sein Verhältnis Hsiang Yü, der Elfe einer weißen Päonie, und deren Halbschwester Chiang Hsü, der Elfe einer Kamelienstaude, an.” (SCHRÖDTER, 294)

 

Heilanwendung der Pfingstrose

Einen blutstillenden Effekt der Pfingstrose erwähnt bereits HOMER.

Außer zur Stillung des Blutes wird die Pfingstrose naturheilkundlich zur Lösung von Krämpfen benutzt, man hoffte mit ihr den Wahnsinn zu bekämpfen und nutzte die Päonie zur Färbung von Sirupen.

Offizinell verwendet wurde die im Herbst gesammelte, anfangs süßlich, später bitter oder gar nicht, grundsätzlich aber widerlich schmeckende Wurzel Radix Paeonia gegen Krämpfe, Samen und Blütenblätter gegen Gichter (daher Gichtrose; Gichter ist nicht zu verwechseln mit der Gicht). Vor der Pflanze wird wegen möglicher Giftwirkung gewarnt (LOSCH, Kräuterbuch, 38).

Von Februar bis September werden zu Heilzwecken Samen und frische Wurzel der Pflanze gesammelt. Man gewinnt aus dem Sammelgut Tinktur, Pulver und Essenz, welche Krämpfe mildern, die Nerven stärken und Gicht und Asthma lindern sollen.

 

Pfingstrose in der Zauberei

Im Kräuterbuch Gart der Gesundheit (197. Kapitel) heißt es, die Samen der Pfingstrose, den Kindern als Kette um den Hals gelegt, schützen vor Angst und Schrecken. Darum nennt man sie im Nahetal noch heute Schreckrose. Sie soll auch gegen Albdruck helfen, möglicherweise auch der nächtlichen Fahrt vorbeugen (n. LOREY, 183). Eine solche Kette soll auch gegen Schmerzen beim Zahnen der Kinder helfen, man nennt den Samen darum auch „Zahnperlen”.

Amulette mit Samen und Wurzel der Pfingstrose wurden als Gegenmittel gegen Knotenzauber empfohlen (BIEDERMANN, 319).

Besonders die Wurzel soll am Karfreitag gesammelt werden, weil sie dann am wirksamsten sei. Aber Vorsicht, denn PLINIUS warnte: „Am besten wird die Pflanze nachts ausgegraben, weil sie tags vom Specht bewacht wird, der dem Grabenden die Augen hackt.”