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Achillea millefolium L.
Asteraceae (Korbblütler)
Deutsche Namen sind auch Bauchwehkraut, Fasankraut, Gachelkraut, Garbenkraut, Garwe, Gemeine Schafgarbe, Gerwel, Gewöhnliche Wiesen-Schafgarbe, Gollenkraut, Gor, Gotteshand, Grensing, Grillenkraut, Grüttblom, Hasenschartele, Heil allen Schaden, Hergottruckenkraut, Kachelkraut, Kachel, Karwekraut, Katzenkraut, Katzenschwanz, Katzenzahl, Kelke, Lämmlizunge, Margaretenkraut, Poorblöme, Reine Jase, Relk, Releke, Relik, Relitz, Rels, Rippel, Rötlich, Rolek, Rolei, Rülkers, Rulk, Schabab, Schabgarbe, Schafrippe, Schafzunge, Schnitzelqueck, Tausendblatt (LOSCH, 160 u. a.).
Die Schafgarbe ist eine auf nährstoffreichen Böden an Wegen, in Wiesen und auf Äckern häufig als Unkraut wuchernde, dabei zwischen 20 und 120 cm Höhe erreichende Pflanze mit sitzenden, doppelt fiederspaltigen, wechselständigen Blättern und von Juni bis Oktober in einer Trugdolde sprießenden Blüten (DÜLL u. KUTZELNIGG, 44) von weißer bis rötlicher Farbe.
Den Namen Achillea trägt die Schafgarbe laut PLINIUS nach dem Helden Achilles. Der soll das Kraut kennengelernt haben, als er beim kräuterkundigen Chiron in der Lehre war, und mit ihm Thelephos, den König von Mysien geheilt haben (n. SIEG, 69). Der Artname millefolia (Tausendblatt) bezieht sich auf die zahlreichen Blattfiedern.
Vermutlich ist die Schafgarbe einerlei mit dem von Dioskorides erwähnten Soldatenkraut stratiotes, das die Krieger wohl zur Wundheilung verwendeten (n. SIEG, 69). Die blutstillende Kraft der Schafgarbe soll auch der hl. Joseph erlebt haben, der sich beim Zimmern eine Verletzung zuzog, welche das Jesuskind sogleich mit dem Kraut heilte. Im Französischen nennt man die Schafgarbe darum herbe de Saint Joseph (ebd.).
Das junge Kraut gilt auch als gesunder Bestandteil von Frühjahrskräutersuppen (SIEG, 70), sie ist Bestandteil traditioneller Gründonnerstagssuppen (WEHR, 186). Überhaupt sind die jungen Blätter für Wildgemüse und -salate geeignet. Auch Schafe fressen die Blätter, nicht hingegen die Blütenstände, die darum auf der Weide stehen bleiben wie Korngarben nach der Ernte, was den Namen Schafgarbe erlärt (DÜLL u. KUTZELNIGG, 44).
Eine Würze gewinnt man, indem man getrocknete Blätter und Blüten der Schafgarbe im Mörser zerstößt und durchsiebt. Ein Schafgarbengetränk erhält, wer 20 g getrocknete Blätter etwa fünf bis zehn Minuten in drei Liter Wasser kocht, abseiht, ein Glas Honig und zwei Gramm Heidelbeersaft hinzugibt, umrührt und das ganze zwei bis drei Stunden ziehen läßt KOSCHTSCHEJEW, 200).
Die in Österreich bekannte Neun-Kräuter-Suppe enthält meistens Schafgarbe (daneben Brennessel, Gänseblümchen (Blattrosetten), Gundermann, Huflattich (Knospen), Löwenzahn, Sauerampfer, Spitzwegerich und Blätter vom Veilchen.
Von April bis September werden Blüten (Flores Millefolii), Kraut (Herba Millefolii) und frische Pflanze gesammelt (traditionell zwischen elf und ein Uhr, WEHR, 186), woraus man Aufguß, Essenz, Extrakt (Extractum Millefolii), Saft oder Tinktur bereitet (SCHINDLMAYR, 345 u. LOSCH, 160). Die Blätter enthalten ätherische Öle, die ähnlich wie Kamille verwendet werden können (DÜLL u. KUTZELNIGG, 44).
Diese Verordnungen wirken stoffwechselfördernd, krampflösend, dabei zusammenziehend und die Galle anregend sowie insgesamt stärkend. Ein aus der Schafgarbe gewonnener Saft soll Magenkrämpfen abhelfen, auch Darmzwicken (Bauchwehkraut), und den Frauen über die Wechseljahre helfen und der Galle nützen.
Zur Gewinnung des Saftes wird das frische Kraut grob gehackt oder gerupft, einige Minuten in kaltem Wasser eingeweicht und das Ganze durch ein Tuch gepresst.
Zur Blutstillung zerreibt man das Kraut und legt es auf die Wunde, in der Homöopathie wird es auch gegen Nasenbluten eingesetzt (LOSCH, 160). Ein Blättchen, in die Nase gebracht, löst dagegen Nasenbluten aus. Das sollen sich Schulkinder bereits im 17. Jahrhundert zunutze gemacht haben, indem sie das so hervorgerufenen Nasenbluten als sicher wirkendes Gegenmittel zum Schulunterricht verwendeten. Auch zu Orakelzwecken macht der Mensch sich dieses Phänomen zu Nutze (ARENS, 137).
Tee aus roter Schafgarbe verabreichte man gegen das Ausbleiben der Menstruation (WEHR, 161).
In England benutzte man erwähntes Nasenbluten für Liebesorakel. Führte die Schafgarbe nicht zur Blutung, sollte auch die geliebte Person unempfindlich sein, andernfalls durfte man hoffen (ARENS, 137).
Toten wurde (bzw. wird) in manchen Gegenden mit dem Kraut ein Kopfkissen bereitet (ebd., 137).
Fast immer ist die Schafgarbe Bestandteil im Krautwisch, das ist ein zu Mariä Himmelfahrt (15. August) der Gottesmutter geweihter Blumenstrauß (ebd.).
Ähnlich ist die Sumpf-Schafgarbe (Achillea ptarmica), die in Schnupftabak enthalten war und schleimlösend wirkt.