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 Pflanzenwelt
 
 

Schlüsselblumen

Primula veris, L. (Syn. Primula offinalis Jacquin)
Primulaceae - Primelgewächse

Deutsche Namen auch Ankenschlüssel, Batengelein, Bartengele, Badenechtli, Batenge, weiße Betonie, duftende Schlüsselblume, Eieräuglein, Eierkraut, Eierkuchen, Fastenblume, Fräulischlößli, Frauenschlüssel, Frauenschühli, Frühlingsschlüsselblume, Gamsschlingerl, Gebräuchliche Schlüsselblume, Gichtblume, Handschuhblume, Herrenschlößeli, Heiratsschlüssel, Himmelschlüssel, Kirchenschlüssel, Kraftblume, Matengeli, Mollkraut, Mundfäulekraut, Mutengelein, Muckentenne, Pfannkuchenblume, Petersschlüssel (Tirol), Primelwer, Plümerweire, Schmalzschlüsseli, Schüsseli, Taubenknöpfli, Traubenknöpfli (ges. n. LOSCH, 113 u. SIEG, 103).

Ihren Namen sollen die Schlüsselblumen einer gewissen Ähnlichkeit des Blütenstandes mit einem Schlüsselbund bzw. der Einzelblüte mit einem alten Hohlschlüssel verdanken.
Einst sollen sie an der Stelle der Erde entsprossen seien, wo der Himmelswächter Petrus einmal seinen goldenen Schlüssel fallen ließ, als er erschrocken die Nachricht vernahm, Unholde hätten sich einen Nachschlüssel für das Himmelstor gemacht (SIEG, 164).

Die Schlüsselblume wird auch Himmelsschlüssel genannt. Gern wird Maria mit ihr dargestellt, weil die Muttergottes durch die Geburt Jesu den Himmel aufgeschlossen habe.

Einmal soll ein Kuhhirte eine Schlüsselblume gepflückt und sich an den Hut gesteckt haben. Er bemerkte, daß die Kopfbedeckung ungewöhnlich schwer wurde und stellte fest, daß sich die Blume in einen silbernen Schlüssel verwandelt hatte. Im selben Augenblick erschien ihm eine ganz in Weiß gewandete Frau, die ihm eine Felswand wies, die sich bei Berührung mit der verwandelten Schlüsselblume öffnete. Im Berg war alles voller Gold und der Hirte steckte ein, was er tragen konnte. Er vernahm eine Stimme: Vergiß das Beste nicht, und griff sich noch einige Schätze, die Schlüsselblume ließ er aber liegen. Als er die Höhle verlassen hatte, war sie ihm für immer verschlossen (n. ARENS, 24). Der Gegenstand dieser Sage soll sich nahe der Ruine Blankenburg bei Sirchingen in Schwaben abgespielt haben, die Höhle liegt im Heuchelberg. Die weiße Frau soll dabei der germanischen Göttin Freia entsprechen, die mit einem Schlüssel in ihrer Krone vorgestellt ist (SIEG, 164).
In Kolbenkamm in Baden zeigte eine Frau einem Schafhirten Schlüsselblumen. Mit einer davon öffnete er eine Tür, hinter der sich drei Kisten voller Schafszähne verbargen. Wenig begeistert steckte er doch davon ein, und anderntags fand er sie in Gold verwandelt. Leider hatte auch er die Schlüsselblume vergessen und ein erneuter Gang zum Schatz blieb ihm versperrt (ebd..

In diesem gelbblühendem Kraut steckt nach HILDEGARD VON BINGEN das Sonnenlicht, weshalb sie sich zur Vertreibung der Melancholie eigne. Auch gegen Wahnvorstellungen helfe sie, wenn man sich die Schlüsselblume aufs Herz bindet.

Offizinell waren früher die Blüten als Flores Primulae (LOSCH, 113). Gesammelt werden in April und Mai Blüten und Wurzeln der Pflanze, woraus man Abkochung, Essenz und Fluidextrakt bereitet. Solche Verordnungen empfiehlt die Kräutermedizin gegen Bronchialkatarrh, Grippe und Migräne (SCHINDLMAYR, 334). 10 gr je Liter Wasser ergeben einen Tee, der beruhigend wirkt und Gliederweh lindert. Bei Letzterem sollen auch äußerlich angewendete Blüten und Blätter helfen, gleichfalls bei Geschwüren (LOSCH, 113).

Allgemein sollen diese Frühlingsblumen die Dämonen der dunklen Winterszeit vertreiben helfen. Auf den britischen Inseln wachsende Schlüsselblumen sollen sich zum Anlocken der Fairies eignen.

Schlüsselblumen, die vor Erscheinen des Neumondes gesammelt werden mußten, sollen zusammen mit Eisenkraut, Heidelbeeren, Moos, Weizen, Klee und Honig von keltischen Druiden zur Bereitung eines „Safts der Begeisterung” verwendet worden sein.

In Frankreich gelten primevères als Orakelpflanzen. Findet ein Mädchen ein Exemplar mit sieben statt der üblichen fünf Blütenblättern, so soll sie binnen Jahresfrist heiraten.

Wer eine Schlüsselblume knickt, dem sollen im Stall die Hühnerküken sterben.

Die beiden Primelarten Primula elatior und Primula officinalis sollen einander im Wuchs hemmen. (SCHRÖDTER, 21). Man setze sie daher nicht dicht nebeneinander.