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| Pflanzenwelt | |
Drosera sp.
Droseraceae, Sonnentaugewächse
Eine Gattung fleischfressender Pflanzen, die in Europa besonders in moorigen Gebieten vorkommt, wo sie auf dem Torfmoos (Sphagnum) wächst. Auch an sandigen und feuchten Standorten siedelt sich der Sonnentau an. Diese Wuchsorte sind sehr arm an Nährstoffen, weshalb der Sonnentau den Insektenfang ausübt.
Die Pflanze produziert ein Drüsensekret, das kleine Insekten anlockt und auflöst. Die Sekrete wirken wie kleine Tautropfen, die allerdings nicht verdunsten. Das setzte die Alchemisten in Erstaunen und man versuchte aus diesem geheimnisvollen Tau, welcher der Kraft der Sonne standhält, eine Zutat zur Gewinnung des Lebenselixiers oder der Tinktur zur Goldherstellung zu gewinnen.
Der Sonnentau ... reagiert bei der Nahrungswahl nicht vermöge chemischer Instinkte, sondern auf physikalische Kräfte. Odisierte Platinstücke ergriff die genasführte Pflanze gierig und stieß wiederum entodete Leckerbissen ab. (ZIEGLER, GÄDICKE, n. SCHRÖDTER, 93)
Heute sollte das Sammeln der seltenen Pflanze unterbleiben, alle Arten der Gattung sind in der BR Deutschland gesetzlich geschützt.
Drosera rotundifolia L.
Deutsche Namen auch Brockkraut, Brunstkraut, Bullenkraut, Edler Widerton, Egelkraut, Fricktau, Gideon, Herrgottslöffel, Herrnlöffelkraut, Ohrlöffelkraut, Sintau, Sonnenlöffel, Spölkraut, Widdertod (gesammelt nach LOSCH, Kräuterbuch, 52 u. a.)
Die Blütezeit dieser Pflanze währt von Juli bis August, es erscheinen dann kleine, einseitige Blütentrauben auf dünnem Stengel.
Ein mit dem Sonnentau hergestelltes Goldwasser verschaffte dem Alchemisten Arnaldus Villanovanus (1235 bis 1312) einige Berühmtheit, da dieser Tropfen ein schmackhafter Kräuterlikör war, der Rosoligo (von ros solis, Sonnentau) genannt wurde und als Wunderwaffe gegen allerlei Krankheiten galt.
Gesammelt werden (wo es erlaubt ist — der Sonnentau ist geschützt) zu kräutermedizinischen Zwecken in Juli und August Kraut (früher offizinell als Herba Rorellae oder Herba Roris solis) und frische Pflanze, woraus man Aufguß, Essenz, Extrakt, Fluidextrakt und Tinktur bereitet.
Solche Verordnungen empfiehlt die Kräutermedizin bei Keuchhusten und Beschwerden mit den Bronchien sowie bei Nasenbluten.
Der Saft der Pflanze wird gegen Hühneraugen und Warzen auf die Haut gestrichen und soll auch Bißwunden lindern (LOSCH, 53). Als Herba Sole kannte man es in mittelalterlichen Klöstern und setzte es gegen Husten ein. Weitere Anwendungsgebiete sind Schwindsucht, Lungenerkrankungen, Epilepsie, Leiden von Niere und Blase sowie Geisteskrankheiten, der Sonnentau soll außerdem (als Amulett getragen) Zahnschmerzen vertreiben.
In der Viehzucht wurde der Sonnentau zeugungsunlustigen Stieren verabreicht, um deren Potenz zu beflügeln. Davon heißt es Bullenkraut oder Brunstkraut.
Der zaubergläubige Jäger verspricht sich vom Sonnentau einen sicheren Schuß, wenn er das Kraut mit sich führt.
Der Tau wurde auch in Amulette eingearbeitet und sollte vor Zauberei und Wahn schützen.
Der Name Fricktau spielt womöglich auf die mythische Überlieferung an, nach der Odr, der erste Gatte der Göttin Frick (Frigg, Freya), eines Tages verschwunden war und die Göttin trauernd durch die Welt zog. Ihre Tränen könnten dann jene als Tautropfen bezeichneten Drüsensekrete des Sonnentaus sein.