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 Pflanzenwelt
 
 

Echtes Tausengüldenkraut

Erythrea centaurium PERSOON
Gentianaceae, Enziangewächse

Syn. Gentiana centaurium, L. Deutsche Namen auch Agrinken, Apriniken, Augerinken, Auriken, Aurin, Aurit, Erdgalle, Fieberkraut, Grinken, Himmelsblümlein, Hundertgüldenkraut, Jäuse, Laurin, Margaretenblume, Mariechen, Milijönstusenkraut (norddt.), Muttergotteskraut, Rot Orinkraut, Sintau, Sindört, Sinögge, Tausenguldenkraut (LOSCH, Kräuterbuch, 115 u. a.).

Eine ein- bis zweijährige Halbrosettenpflanze mit von Juli bis September erscheinenden, bei Sonne geöffneten Blüten, die auf Waldlichtungen, Magerrasen und Brachen in nährstoffreichen und frischen Böden gedeiht. Die geschützte Pflanze darf in freier Natur nicht gesammelt werden (DÜLL u. KUTZELNIGG, 118), läßt sich aber im Kräutergarten aus im Handel erhältlichen Saatgut ziehen.

Der Name der Art bezieht sich auf die Kentauren, in der griechischen Mythologie Mischwesen aus Mensch und Pferd, insbesondere auf den heilkundigen Chiron. Eine andere Deutung leitet von lat. centum, „Hundert” und aurum, „Gold” ab. Das beziehe sich auf den hohen Wert dieser Pflanze, den auch die deutschen Namen nahelegen.

Denn es heißt, wer am Johannistag (24. Juni) dieses Kraut sammelt und in den Geldbeutel steckt, der solle das Jahr über keinen Mangel an Barschaft leiden. Der eigentliche Wert des Krautes für den Mensch liegt aber in der ihr zugeschriebenen Heilkraft. Sie gilt seit der Antike als Wundkraut, wurde bei Tollwut und gegen die Pest empfohlen.
Die Heilkraft des Tausendgüldenkrauts bei Fleischwunden muß beeindruckend sein — man behauptete sogar, im Kochtopf würden Fleischstückchen zu einem ganzen Braten verschmelzen, wenn man das Kraut dem Sud hinzufüge.

Gesammelt werden von Juli bis September die krautigen Bestandteile (offizinell als Herba Centaurii der Pflanze, woraus man Abkochung, Extrakt (Extractum Centaurii), Pulver und Tinktur (Magentropfen, Tinctura amara) gewinnt. Diese Verordnungen gelten als magenstärkend, appetitanregend und kreislauffördernd (LOSCH, Kräuterbuch, 115 u. SCHINDLMAYR, Lex. d. Pflanzen, 336).

Pfarrer KNEIPP empfahl einen Tee vom Tausendgüldenkraut gegen Leiden von Leber, Nieren und Magen (SIEG, Gottessegen der Kräuter, 156)

Das Tausendgüldenkraut (engl. Centaury) wird in der Bachblütentherapie nach Edward Bach bei Überempfindlichkeit angewendet.

Vom Tausendgüldenkraut zur Anfertigung einer Wunderlampe schreibt Agrippa von NETTESHEIM: „Wenn man Tausendgüldenkraut mit Honig und Wiedehopfblut vermischt und ein Licht daraus bereitet, so erscheinen die Anwesenden größer als gewöhnlich, und wenn man bei Nacht im Freien und bei heiteren Himmel es anzündet, so erscheinen die Sterne gegen einander hin und her zu schießen.” (De Occulta Philosophia, Kap. IL, n. SCHRÖDTER, 62)

Im Schlafzimmer aufgehängtes Tausendgüldenkraut soll Nachtmahre vertreiben, die als Erreger von Alpträumen gelten.

 

Anmerkung: vom Sammeln dieses Krauts sollte abgesehen werden, da es als seltene Pflanze unter Schutz steht. Samen lassen sich zudem bequem im Fachhandel erwerben oder über Gärtnereien beziehen.