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 Pflanzenwelt
 
 

Veilchen

Viola spp.
Violaceae, Veilchengewächse

 

Märzveilchen

Viola odorata L.

auch Wohlriechendes Veilchen, Osterveilchen, Blauvögschen, Blage Öschen, Gufenöndli, Maiennägelein, Marienstengel, Schwalbenblume, Veigele, Veiele, Veigerl, Veigeler, Vieli, Viänele, Vegeli, Vigeli, Vigelchen, Viole, Viölken, Vilken (gesammelt nach LOSCH, 87), gr. Ionia

Eine ausläuferbildende und dadurch rasenartig wachsende kleine Rosettenpflanze. Das Märzveilchen gedeiht meist in Siedlungsnähe, an schattigen Wegrändern und in lichten Wäldern. Die Pflanze ist in Südeuropa heimisch, weiter nördlich gilt sie als kulturbegleitender Neubürger der Flora. Mit einer Blütezeit von März bis April ist das Märzveilchen ein Frühblüher; die gespornten, meist violetten oder weißen Blüten verströmen einen angenehmen Duft (siehe Name; DÜLL u. KUTZELNIGG, 477 u. 479).

Das Veilchen gilt als Früjahrsbote. Am Wiener Hof war es im Mittelalter Sitte, daß das erste Veilchen des Jahres mit einem Fest begrüßt wurde, sein Finder genoß beim Herrscher und vornehmlich der höfischen Damenwelt besondere Gunst. Hierüber verfaßte Meistersinger Hans Sachs um 1530 den Fastnachtsschwank „Ritter Neithart mit dem Veilchen”. Dieser Neithart hatte das erste Veilchen entdeckt und bedeckte den Fund mit seinem Hut, ehe er sich frohgemut an den Hof begab, um die Kunde zu überbringen. Dabei hatten den unbeliebten Herrn einige seiner Bauern beobachtet, die zum derben Scherz den Hut lüfteten, das Veilchen mit ihrer Losung bedeckten und den Hut zurücksetzten. Als Neidhart mit der Hofgesellschaft am Fundort eintrat und sich mit seiner Präsentation zum Gespött der Leute gemacht hatte, war seine Freundschaft mit den Bauern endgültig dahin (nach ARENS, 18f.).

Zu medizinischen Zwecken sammelt man im Frühjahr die Blüten, bis in den September hinein das Kraut, woraus Abkochung, Auszug, Essenz und Sirup bereitet wird.

Derlei Verordnungen sind kräutermedizinisch bei Bronchitis zur Lösung festen Schleims, zum Treiben des Harns sowie zur Förderung der Drüsen, insbesondere der Schweißdrüsen angezeigt.
Die Veilchenblüten (Flores Violarum) haben kühlende, erweichende und abführende Wirkung.
Zu Letzterem werden auch die Veilchensamen empfohlen, „ein Quintlein (4gr) in einer warmen Hennenbrühe eingenommen, führt ab.” (LOSCH, 88)

Die Verwendung als Mittel gegen Kopfschmerz kannte schon die Antike. Man empfahl, sich bei Saufereien den Kopf mit Veilchen zu bekränzen, was dem Kater vorbeugen sollte.

Besonders die drei ersten Veilchen des Jahres sollten gemäß Empfehlung mittelalterlicher Rezeptbücher gegessen werden, da sie das ganze Jahr über vor Krankheit feiten (ARENS, 19).

Ein Sirup wird wie folgend bereitet: „Nimm Märzveilchen, die in der die in der besten Blüte stehen, tu sie eine zinnerne Kanne, gieß heißes Wasser darüber, decke die Kanne voll zu, und laß es 6-8 Stunden stehen; darnach drücke die Veilchen aus, mach das abgeseihte Wasser wieder heiß und schütte es über andere frische Veilchen; das wiederhole drei- oder viermal. Dann tu guten Zucker dazu und laß es über einem gelindem Feuer aufsieden, bis es dick wird. Bewahre diesen Sirup in einem wohlverschlossenen Glase auf. Zwei oder drei Löffel davon eingenommen, löscht die brennende Hitze der schnellen Fieber, bringt Ruhe und Schlaf, hält den Leib offen, löst die Brust und dient besonders den Kindern wider den Husten. Er erweicht auch die Geschwüre, kräftigt das Herz, stillt das Seitenstechen und ist ein Hauptmittel für alle hitzigen Krankheiten. Man kann auch den Sirup zum Einnehmen mit Gerstenwasser mischen” (LOSCH, 88).

Einen Tee bereitet man, indem zwei Teelöffel Veilchenkraut (in der Apotheke zu erwerben) mit heißem Wasser übergossen werden, fünf Minuten soll der Tee ziehen, dann abgeseiht werden. Verwendet man ihn zum Gurgeln bei Halsentzündung oder als Waschung bei Hautunreinheiten, so bleibt er ungesüßt, bei Erkrankungen der Atemwege süßt man mit etwas Honig.

Eine Leckerei sind kandierte Veilchenblüten, eine andere Veilcheneis: 250 g Zucker, 1½ l dicke süße Sahne, ¼ l Veilchensaft und 12 Eidotter werden unter beständigem rühren fast zum Kochen gebracht, dann zur Vollendung in eine Gefrierbüchse gegeben (DAVIDIS, 370).

Ein beruhigendes Getränk für an Kopfschmerz und Nerven Leidende ist der Veilchen-Essig:
Zwei bis drei Handvoll Blüten werden in eine Flasche Weinessig gegeben, verkorkt und in die Sonne oder in den warmen Ofen gestellt. Man filtriert und hat nun ein Mittel, von dem zur Behandlung ein Teelöffel voll auf ein kleines Glas gesüßtes Wasser gerechnet wird (DAVIDIS, 590).

 

Das Veilchen soll zu den Blumen gehören, „die eine entschiedene Abneigung gegen Musik oder richtiger gegen starke Schallwellen haben.” Von den Orchesterinstrumenten seien ihnen besonders die Klnge von Pauke und Tuba zuwider, (SCHRÖDTER, 16)

 

Feldstiefmütterchen

Viola tricolor

Gesammelt werden von Juli bis September das Kraut und Blüten, woraus man Abkochung, Auszug und Essenz bereitet.

Derlei Verordnungen sind kräutermedizinisch zur Lösung festen Schleims, zum Treiben des Harns und des Schweißes angezeigt.

 

Stiefmütterchen sollen gefüllte Blüten bekommen, wenn sie bei zunehmenden Mond bzw. gegen den Vollmond gesät werden; auch für Gänseblümchen soll diese Regel Geltung haben. (n. d. „Magisch-sympathetischen Hausschatz”, in: Das sechste und siebente Buch Mosis, 132)