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 Pflanzenwelt
 
 

N
giftig!
 
Wacholder

Eine Gattung nadeltragender, immergrüner Gehölze. Hier genannte Arten sind der Gemeine- oder Heidewacholder Juniperus communis und der Sadebaum Juniperus sabina (s. u.).

 

Gemeiner Wacholder

Juniperus communis L.
Cupressaceae - Zypressengewächse

Wacholder
Wacholder. 2004, Göhrde, Aufn. ZOMPRO

 
(lat. juniperus von junior, „jünger”; dt. auch Einbeerenstrauch, Feuerbaum, Heidewacholder, Jachandel, Kaddig, Knirkbusch, Krametbaum, Krametbeerstrauch, Krametstaude, Kranewitbaum, Kranewitstaude, Machandel, Machandelbaum, Queckolder, Quickholder, Racholder, Räucholder, Reckholder, Wachandel, Wechelder, Weckalder, Weckolder (gesammelt nach LOSCH, 109 u. FISCHER-RIZZI, 165 u. a. O.)

Ein immergrüner Strauch oder Baum, der in ganz Europa von der Ebene bis ins Gebirge wächst, dabei bevorzugt auf mageren Böden und in Heidelandschaften. Der meist säulenförmig wachsende Wacholder wird im Mittel drei Meter hoch, kann im günstigen Fall aber bis zu 12 Meter Wuchshöhe bei 90 cm Stammdurchmesser erreichen (DÜLL u. KUTZELNIGG, 237).

Wacholderbeeren
Wacholderbeeren

 
Aus den von Mai bis Juni fruchtbaren Blüten reifen erst im dritten Jahr nach der Befruchtung der Blüte die schwarzbraunen, bläullich bereiften Wacholderbeeren.
Die Bezeichnung „Beeren” für die Früchte des Wacholders ist botanisch nicht ganz richtig, sind es bei diesem Nacktsamer doch keine Beeren, sondern Zapfen, die aufgrund verwachsener, fleischiger Samenschuppen wie Beeren aussehen. Gern werden sie vom Krammetsvogel (Wacholderdrossel) oder der Amsel gefressen und sein Same findet dadurch Verbreitung (DÜLL u. KUTZELNIGG, 237f.).

Der langlebige Wacholder — er soll bis zu 2000 Jahre alt werden können — ist Zierstrauch, Holzlieferant, Zauber- und Heilpflanze. Wie viele immergrüne Gewächse ist er ein beliebtes Friedhofsgehölz.
Von ihm heißt es, er bewahre die Seele des Verstorbenen, so daß diese gegebenfalls zurück ins Leben treten kann.

In GRIMMs Märchen „Von dem Machandelboom” bewahrt der Wacholder die Seele des von der bösen Stiefmutter zerstückelten und geschlachteten Knaben, daß der wieder auferstehen kann. Die Mutter des Knaben hatte sich einst beim Schälen eines Apfels unter dem Machandelbaum geschnitten, das Blut war in den Schnee getropft und sie kurz darauf schwanger geworden. Als sie nach der Niederkunft gestorben war, begrub man sie unter dem Wacholder, später auch die Knochen des Kindes (KHM Nr. 47).

Der Name des Wacholderbaumes soll daher im Sinne von „Wach-Halter” zu verstehen sein, der die Sterbenden im Leben halten kann (FISCHER-RIZZI, 165).

So war die Pflanze dann auch begehrtes Mittel gegen todbringende Seuchen. In Zeiten von Seuchen wie der Pest räucherte man mit dem Holz die Stuben der Kranken. Oder man röstet die Nadel über der Glut und trägt sie in einer Pfanne durch die zu behandelnden Räume (FRIEDL, 31). Krankheiten werden dämonischen Einflüssen zugeschrieben. So liegt nahe, daß ein gegen den Schwarzen Tod wirkendes Holz auch Geister bannen müsse. „Rubine und Saphire wurden in Wacholderöl getaucht, und man zeichnete damit Zauberkreise um die Krankenstuben” (FISCHER-RIZZI, 165).

Dem Wacholder ist der Stern Sirius zugeordnet (GEBELEIN, 204).

Der Wacholder soll Geister, Dämonen und Hexerei abhalten. Zur Sicherheit wurde beim Neubau ein Wacholder ins Fundament gegeben, das fertige Haus mit Wacholderzweigen behängt. Milch soll vor Behextwerden geschützt sein, wenn man sie mit einem Wacholderzweig rührt (WEHR, 219). Überhaupt ist so ein Zweig ein mächtiger Zauberstab, aus Wacholderreisig band man am Tag des hl. Martin (11. November) die Martinsgerte, davon an den Stall gesteckte Zweige bescheren besonders dem Rindvieh reichlichen Nachwuchs (FISCHER-RIZZI, 167).

Den lebenden Ast verwendet man zur Diebesjagd. Dazu begibt man sich vor Sonnenaufgang zu einem Wacholderbusch, biegt mit der linken Hand einen seiner Äste nach Osten hin zum Boden hinunter und beschwert ihn mit einem Stein. Man spreche „Wacholderstrauch ich tue dich bücken und drücken bis der Dieb sein gestohlenes Gut wiedergebracht hat.” Nun wird der Dieb sich bald offenbaren, sobald er aber das Gestohlene zurückgegeben hat, muß man den Stein entfernen (FISCHER-RIZZI, 167). Es ist wohl so, daß der Geist des Wacholder den Dieb solange plagt, bis den Entnervten die Reue packt, damit gedachter Wacholdergeist selbst Ruhe finde. Wird die ihm nun undankbarerweise nicht gegönnt, so wird der Geist nun den Steineleger zwacken.

Mit zerstoßenen Wacholderblättern wurde gegen Warzen die betroffene Haut bestrichen (WEHR, 222).

Außerdem verwendet man das Holz für Drechselarbeiten (DÜLL u. KUTZELNIGG, 237) und zur Arzneibereitung, wie überhaupt die Pflanze mannigfaltige Verwendung in der Heilkunde findet.

Gesammelt werden von Oktober bis November Frucht, frische Beeren und Holz, woraus man die Frucht, Aufguß, Essenz, Geist, Kaltauszug, Öl, Salbe und Wein gewinnt.

Diese Verordnungen gelten als blutreinigend und appetitanregend, lindernd bei Gicht, Rheuma und Leiden der Niere.

Die Wacholderbeeren, man nennt sie auch Kaddigbeeren, Krammetsbeeren, med. Baccae juniperi oder Fructus juniperi (Mercks Warenlexikon, 469), DAB 8, werden in reifen Zustand gesammelt und ohne künstliche Wärme getrocknet. Dann werden sie zur Förderung von Appetit und Verdauung gegessen; nimmt man mehr, so treiben sie Schweiß, Schleim und Harn, so daß sie bei Blasen- und Harnwegserkrankungen, Wassersucht, Rheuma und Gicht angezeigt sind (LOSCH, 9), gekaut sollen sie auch Ansteckung vorbeugen (FRIEDL, 32).

Wegen des leichten Giftgehalts sollten nicht mehr als drei rohe Beeren auf einmal gegessen werden (DÜLL u. KUTZELNIGG, 238), wenngleich Pfarrer „Kneipp sagt, daß

viel Wacholderbeeren
uns guten Appetit bescheren”
(VOLL, n. FRIEDL, 27).

Eine möglicherweise fragwürdige Anwendung stellt eine umgehängte Kette aus Wacholderbeeren dar, die kleinen Kindern dabei helfen soll, die schmerzhafte Phase des Zahnens zu bestehen (WEHR S. 219).

Aus den Beeren bereitet man ein Wacholdermus (Wacholderlatwerge, Succus Juniperi inspissatus, auch Extractum baccarum juniori, Roob juniperi, besonders aber werden sie vergoren und zu Wacholderschnaps (Spiritus Juniperi) gebrannt, beispielsweise zu Gin, Genever, Doornkat oder Steinhäger.

Ebenfalls ein Destillat ist das Wacholderbeeröl Oleum Juniperi, ein hitziges Schweiß-, Harn- und Nervenmittel.
KNEIPP empfahl auch einen Tee aus den Wacholderspitzen (Summitates Juniperi) zur Reinigung und bei beginnender Wassersucht (LOSCH, 9).

Schon ein kurzer Schlaf unter einem Wacholder soll den müden Wanderer erquicken. (SCHRÖDTER, 262)

 

N
giftig!
 
Sadebaum

Juniperus sabina L.

auch Sadelbaum, Sadenbaum, Sagebaum, Segenbaum, Sefelbaum, Segelbaum, Sevenbaum, Siebebaum, Siegenbaum, Stinkholz, Stink-Wacholder, Jungfernpalme, Jungfernrosmarin, Kindermord, Mägdbaum, Verbotenbaum.

Zu medizinischen Zwecken werden in Mai und Juni die frischen Zweigspitzen gesammelt, woraus man Essenz, Extrakt, Öl, Pulver und Salbe bereitet (SCHINDLMAYER, 355).

Solche Verordnungen empfahl die Kräutermedizin ehedem zur Förderung der Regelblutung. Die Pflanze ist allerdings in allen Teilen derart giftig, daß sogar äußerliche Anwendung von Schaden ist. Krämpfe, Atemlähmung, Nierenschäden und Gebärmutter sind die Folge. Aus letzterem Grund erfolgt Mißbrauch als Abtreibungsmittel (s. Namen, DÜLL u. KUTZELNIGG, 237).
Homöopathisch werden die Sabina genannten Zweigspitzen vorbeugend gegen Frühgeburt gegeben, äußerlich auch davon ein Pulver bei alten Geschwüren. Dieses giftige Pulver wirkt auch gegen Insekten (LOSCH, 10).