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 Pflanzenwelt
 
 

Die Weide

Dieser, besonders in Form von Kopf- oder Trauerweide, auffallende Baum ist Wetterzeiger und gilt als Anziehungspunkt finsterer Mächte. Ersteres belegt die Annahme, sprießende Knospen im späten Herbst kündigten einen harten Winter an, letzteres der Glaube, die Weide ziehe, wie die Eiche, besonders gern den Blitz an.

Gern sollen sich unter Weiden Dämonen tummeln, soll sich doch der Erzverräter Judas im Geäst des Weidenbaums dem Strick überantwortet haben.
Bei den Kelten nahm man an, vornehmlich hohle Weidenstämme seien Einstiege in die Anderwelt.

Der schlechte Ruf dieses Gehölzes wirkt(e) sich auch auf die Pädagogik aus, denn es soll die Züchtigung des Nachwuchses per Weidengerte vermieden werden, weil sonst ein Einstellen des Wachstums zu befürchten sei.
Schon vor der Niederkunft ist die Schadenswirkung der Weide zu besorgen, soll sie doch der Fruchtbarkeit abträglich wirken. Weil sie die Geburt verzögern, sogar hemmen, soll, dürfen im Zimmer der Schwangeren keine Weidenzweige sein. Dieser Aberglaube soll darauf zurückzuführen sein, daß die zweihäusige Weide Frühjahrs männliche wie weibliche Blühten zugleich trägt.

Medizinisch bedeutsam ist die Weide vor allem wegen ihrer altbekannt schmerzlindernden Rinde. Daraus wurde im 19. Jahrhundert als erstes synthetissches Medikament das Salicin extrahiert, besser bekannt als ASS (Acetyl-Salycil-Säure) und vor allem unter dem Handelsnamen Aspirin. Die Weidenrinde enthält den Wirkstoff Saligenin, der per Oxidation zur Salicylsäure wird, dem heute synthetischen Wirkstoff des bekannten Präparates.
Diese Wirkung war bereits in alter Zeit bekannt. Die Signaturenlehre erklärte das damit, da die Weide an feuchten Plätzen oder sogar im kalten Wasser stehe, müsse sie gegen Erkältungen und Rheuma helfen was tatsächlich der Fall ist (GEBELEIN, 206).

Wenn am Sebastianstag (20. Januar) die Säfte in die Bäume zu schießen beginnen, schnitzen sich, wo es noch üblich ist, die jungen Burschen Pfeifen aus den Weidenästen.

Am Palmsonntag soll der Imker Zweige von der Salweide auf seine Stöcke stecken, da seine Bienen davon vor Bösem geschützt seien (Sechstes und siebentes Buch Moses, 99).

Das elastische Holz der Weide — nämlich gegabelte Zweige („Zwiesel”) — wird zur Anfertigung der Wünschelrute geschnitten (Sechstes und siebentes Buch Mosis, 214).

Zu einem Erntebrauch heißt es: „wer sommers zuerst mit fruchtschneiden auf seinem acker fertig ist, nimmt einen weidenzweig, schmückt ihn mit blumen, und steckt ihn an den letzten fruchtwagen, der eingefahren wird.” (aus Gernsheim, GRIMM, A. 897)

Manchmal wächst ein Holunder epiphytisch auf einer Weide, sein Holz gilt dann als besonders zauberkräftig. Harnt man auf ein ausgehöhltes Zweigstück einer solchen „Überpflanze”, so wehre das durch Nestelknüpfen gewirkten Zauber ab. In ähnlichem Ruf stehen auf anderen Bäumen wachsende Ebereschen und die auf Bäumen schmarotzende Mistel. (MARZELL i. Handwörterbuch, IV,271f.)

 

Silberweide

Salix alba

Gesammelt wird von April bis Mai die Rinde, aus der man Essenz, Fluidextrakt, Kaltauszug und Pulver gewinnt.

Volksmedizinisch gelten diese Verordnungen als anregend für den Appetit, widrig gegen Fieber und Rheuma und stopfend.

 

Bauernregel

„Hängt um Weihnacht Eis von Weiden,
kansst du Ostern Palmen schneiden.”

Wenn die Weiden nur kleine Knospen treibt oder die Korbweide stark ausschlägt, soll es strengen Winter geben.