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| Pflanzenwelt | |
Vitis vinfera L.
Vitaceae (Weingewächse)
Eine alte, seit jeher hochgeschätzte Kulturpflanze.
Die Anlage eines Weinbergs ist laut Bibel die erste landwirtschaftliche Tätigkeit, die der Mensch nach der Sintflut aufnimmt - und führte prompt zu einem zunftgerechten Rausch (1. Mose 9,20f.).
Diese Wirkung war es wohl, die im Altertum überall zu regem Weinbau führte, abgesehen von den nahrhaften Früchten und schmackhaftem Most.
Der griechische Dionysos mit seinen ekstatischen Kulten war eng mit dem Wein verbunden. Die Gottheit und ihre Anhänger (Mänaden, Bacchantinnen) hatten den Thyrsos, einen Stab aus dem Wein rankt.
Einmal dankte Dionysos dem Oeneus freundlichen Umgang mit dessen Gemahlin. Ihm verehrte Dionysos einen Weinstock und die Kunde, solchen zu bauen, woran das griechische Wort für Wein erinnert (HYGINUS, Fab. 129), die Wissenschaft vom Wein, die Oenologie, hat diesen Oeneus zum Namenspatron.
Als Bacchus fand Dionysos auch im alten Rom Verehrung. Die Römer hatten den Weinbau in den ersten Jahrhunderten an den Grenzen zu Germanien verbreitet, um in der Fremde auch als Besatzungssoldat nicht den gewohnten Tropfen missen zu müssen.
Das deutsche Wort Kaufmann leitet sich vom lateinischen caupo, Weinhändler, her. Wein war wohl der wichtigste Gegenstand des Handels zwischen Germanen und Römern.
| Inserat |
Die Bibel erwähnt neben der eingangs berichteten Geschichte an zahlreichen Stellen von der Arbeit im Weinbau und der anschließenden Verarbeitung der Trauben. Der 80. Psalm besingt den Weinstock als Symbol für ganz Israel (Ps 80,9ff.).
Dieses Bild verwendet im Neuen Testament auch Jesus für sich und seine Botschaft (Johannes 15, 1-6), wobei der Weinstock an den Lebensbaum erinnert.
Weiter sind es Gleichnisse (böse Weingärtner (Matthäus 21,33ff., Lukas 20,9ff.), Wunder (Hochzeit zu Kana (Johannes 2,1-11.)) und schließlich das Abendmahl mit der Symbolisierung bzw. Verwandlung des Blutes Jesu als Wein (Lukas 22,17ff.), die in Zusammenhang mit diesem Getränk und seiner Kultur stehen.
Als erster Hinweis auf das Opfer von Wein und Brot, wie es später bei der Abendmahlsfeier üblich wird, gilt das Opfer des Melchisedek, als er den Abram trifft (1. Mose 18-20).
Der Islam brachte mit seinem Verbot des Alkoholgenusses das Ende der orientalischen Weinkultur. Im christlichen Abendland hingegen blieb der Wein zentraler Bestandteil des Gottesdienstes und des gepflegten Menüs.
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In der Volksmedizin gilt der Wein als stärkendes Mittel. Am Tag des hl. Martin (11. November) genossen verleiht er den Frauen Schönheit und den Männern Kraft. Badet man Kinder in Wasser, welchem Wein beigemengt ist, so soll sich dieser Nachwuchs besonders gut entwickeln. Im Umkehrschluß gilt das Verschütten des Trankes als Zeichen bevorstehenden Unglücks, soll es doch den baldigen Tod eines Familienmitglieds ankündigen.
Eine Winzerregel besagt, daß der Wein niemals sieben Jahre hintereinander gut werde. Er mißrate aber auch nicht sieben Jahre hintereinander und das eine gute von sieben durchwachsenen Jahren lohne allein die Arbeit im Weinberg.
Agrippa von NETTESHEIM schrieb zur Freundschaft des Weins mit anderen Pflanzen: Die Rebe liebt die Ulme und den Mohn. (De Occulta Philosophia, n. SCHRÖDTER, 39)
Schutzpatrone rund um den Weinbau kennt die Christenheit eine ganze Reihe. Für den Wein insgesamt sorgt der hl. Morandus, um den Weinbau kümmern sich Cyriacus, Huna (Hunna), Tycon von Amathus und Urban I.
Dem Winzer stehen Bartholomäus, Genoveva, Goar, Johannes, Johannes der Täufer, Julianus Hospitator, Julianus von Le Mans, Urban I., Martin von Tours, Medardus, Morandus, Severin von Noricum, Theobald von Provins, Theodor von Sitten, Tryphon, Tycon von Amathus, Ulrich von Augsburg, Urban, Urban I., Urban von Langres, Vinzenz von Valencia, Veit, Walter von Rebais und Werner von Oberwesel bei, wenn er auf dem von Mauritius und Urban I. geschütztem Weinberg seiner Arbeit nachgeht. Hier pflegt er die dank Laurentius, Maternus von Köln und Severin von Noricum fruchtbaren und von Johannes dem Täufer und Mauritius behüteten Weinstöcke, ehe nach vielfältiger Weiterverarbeitung der Wein unter dem Schutz von Amandus von Maastricht, Firminus dem Älteren, Urban I. und St. Nikolaus in den Handel kommt.
Im iranischen Mythos entstammen die Weintrauben dem Blut des erschlagenen Urstiers Geush-Urvan.
Gegen das Verdorren der Weinreben durch den trockenen Wind Lips umliefen die alten Griechen von Methana die Reben mit einem weißen Hahn. PAUSANIAS (Argolis, 34,2)
Das Auftauchen eines Kometen — sonst Vorbote von allerlei Übel — soll auf eine gute Weinernte hindeuten. (WEHR, 148)
Im Schwabenland soll man Säufern einen Wein zu trinken gegeben haben, in dem zuvor ein Aal ertrunken war. Der Säufer, dem man von der Behandlung nichts sagen durfte, sollte davon seiner Trunksucht ledig werden. (Sechstes und siebentes Buch Mosis)
Außerdem verordnete man Aalgalle in Wein als Mittel gegen Schlaflosigkeit. (ebd.)
Daß der Gastgeber zunächst sich selbst Wein einschenkt bzw. vom Kellner einschenken läßt, ist heutzutage eine Geste der Höflichkeit, weil jener sich so von Güte und Temperatur überzeugen kann, ehe der Tropfen den Gästen vorgesetzt wird. Diese Sitte gab es bereits im Altertum, als zum Schutz des Weines vor Einflüssen der Luft noch keine Korken verwendet wurden, sondern zu diesem Zweck Öl auf die Oberfläche des Weins gegeben wurde — davon, daß dieses vor dem Trinken sorgfältig abgegossen war, wollte ein höflicher Gastgeber sich überzeugen. Allerdings war es nicht immer bloße Höflichkeit, denn ein gemeinsames Trinkgelage war stets gute Gelegenheit zum Vergiften eines Rivalen: wenn der Gastgeber den ersten Schluck wagte, konnten seine Gäste einigermaßen sicher sein, daß mit dem Wein alles seine Ordnung hatte. (BRASCH, 87)
siehe auch Weinbau und Wetter, weitere Weingottheiten usw.