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| Pflanzenwelt - Getreide | |
Triticum aestivum L. (= T. vulgare VILLARS)
Poaceae (Süßgräser)
Der Weizen ist die weltweit wichtigste Getreidesorte. Seine Kultur ist in Mitteleuropa schon für die Jungsteinzeit nachgewiesen (DÜLL u. KUTZELNIGG, 449).
Das erste Weizenkorn übergab die griechische Göttin Demeter dem Triptolemos und ließ ihn so zum Begründer der Landwirtschaft werden. Heute gehört der Weizen zu den wichtigsten Getreidearten, die in zahlreichen Sorten gezüchtet wird.
Jesus verwendete das Bild des Weizenkorns mehrfach für die gleichnishafte Darstellung seiner Lehre (Mt 3,12, 13,24-30, Joh 12,24).
So brachte er das Gleichnis vom Weizenkorn, das sterben muß, damit neues Leben entstehen kann:
Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und verstirbt, so bleibt’s allein; wenn es aber erstirbt, so bringt es viel Frucht. (Joh 12,24)
Daran angelehnt wurde in der Alchemie die Umwandlung eines Stoffes in einen anderen als Tod und Geburt betrachtet.
Den Weizen — die Grundlage von Brot — zu verschwenden ist ein strafwürdiger Frevel, wie einige Sagen vom Meerweizen zeigen.
Bei der Weizenernte sagten die slawischen Wenden von demjenigen, der die letzte Garbe gebunden hatte, er hat den Alten Mann. Aus dem Stroh fertigte man eine Puppe, welche man mit Blumen schmückte und die der Betreffende unter allgemeinem Gespött ins Dorf getragen wurde, wo man sie bis zur nächsten Ernte in dessen Hof aufhängte. (FRAZER, 174)
Aus Weizen werden die Hostien gebacken. Kaiser Friedrich II., der seine eigene Ansicht vom christlichen Kult pflegte, soll beim Vorbeireiten an einem Weizenfeld ausgerufen haben: Achtung, hier wachsen unsere Götter. (CORVIN, 170)
In der Volksmedizin gilt Tau, der morgens von blühenden Weizenähren gesammelt wird, als probates Mittel gegen Sommersprossen.
Kräutermedizinisch wird ein aus Weizen bereiteter Sauerteig bei Hühneraugen empfohlen (LOSCH, 13).
Weizen soll eine besondere Vorliebe für Aussaat am Quatember haben, wie bei allen Getreiden sei eine Aussaat bei zunehmenden Mond sinnvoll. Vermeiden soll man die Aussaat, wenn Sonne und Mond miteinander am Himmel stehen. (Magisch-sympathetischer Hausschatz, 137)
Am Mauritiustag soll man keinen Weizen säen, da er sonst brandig würde. (Chemnitzer Rockenphilosophie, GRIMM, A. 300)
Gegen die Vögel sichert man die Aussaat durch ein kleines Opfer. (...) Um Weizen und Gerste vor dem Vogelfraße zu sichern, wirft man eine Hand voll Saat von sich weg für die Vögel. (TÖPPEN S. 93, n. FRISCHBIER, 135)
Wie die Gesteine sich dem alchimistischen Streben nach in Richtung Gold veredeln sollen, so geschehe das bei den Pflanzen in Richtung auf den Weizen. (H. Blüher, n. von BERNUS, 41)
Der Weizen diente auch als Geschlechtsindikator bei Schwangerschaft: Mache zwei Gruben in die Erde, wirff in eine Gersten und in die andere Weitzen, in beyde aber gieße Urin der Schwangeren und bedecke sie wieder mit Erden. Schießt der Weitzen eher auf als Gersten, so wird’s ein Sohn, kömmt aber die Gerste eher empor, so hastu eine Tochter zu gewarten. So jedenfalls sagt es der im Berliner Museum aufbewahrte Papyrus Ebers aus dem 15. vorchristlichen Jahrhundert in Übereinstimmung mit PAULLINI (1643 bis 1712, n. SCHRÖDTER, 59)
Zur Vermehrung des Getreides empfahl Georges CLAUDE, das Korn tief zu pflanzen. Dazu bedeckte er nach dem Auflaufen der Weizen-Saat die Keimlinge mit zwei Zentimetern Erde, nach dem erneuten Durchbrechen wiederholte er dieses und dann noch einmal. Nach drei Monaten soll das Ergebnis ein un das Dreifache erhöhter Ertrag gewesen sein. Seinen Zuschauern sagte CLAUDE, der seine Arbeit im Garten seines Gefängnisses verrichten mußte: Ihr sät Euer Korn nicht tief genug. Zu flach gesät, bleibt die Wurzel zu schwach, um starke Halme zu treiben und aufrecht zu halten. (SCHRÖDTER, 159f.)