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   Pflanzenwelt
 

Die Zwiebel

Allium cepa L.

Eine Zwiebel ist ein schaliges Speicherorgan einer ganzen Reihe von Pflanzen, „Zwiebel” ohne weitere Angaben dürfte in der Regel die bekannte Küchenzwiebel meinen.

Dieses Lauchgewächs stammt wohl aus Ägypten oder Indien. Roh oder gegart ist sie ein gesundes und würzendes Nahrungsmittel. Der beißende Geruch reizt zu Tränenfluß. Bemerkenswert sind die Schichten der Zwiebel, bei der Häute und Fleisch sich abwechseln. Eine Zwiebel läßt sich schälen wie eine russische Puppe.

Das Laub der Zwiebel ist pur ebenso wohlschmeckend wie als Zugabe zum Salat.

Der Genuß von Zwiebeln — man sammelt sie zu Heilzwecken von August bis September — wirkt sich wohltuend auf Harn- und Stuhlgang aus. Das frische Gemüse lindert bei Insektenstich, in heißer Asche gebraten und als Breiumschlag verwendet soll sie bei Erfrierungen und Verbrennungen wirksam sein. Bei Atemwegsbeschwerden wirkt der Zwiebeldampf befreiend, (LOSCH, 18) der festen Schleim löst. Man empfiehlt die Zwiebel auch zur Steigerung der Potenz oder, als Kissen aufgelegt (kleinhacken, erhitzen und einwickeln), gegen Entzündungen, entzündungswidrig soll auch ein Wein mit Zwiebelsaft wirken. Eingeriebener Zwiebelsaft soll bei Gicht helfen

Zwiebelsaft eignet sich auch als Geheimtinte. Man schreibt wie gewohnt mit dieser im feuchten Zustand einigermaßen lesbaren Flüssigkeit die Nachricht auf weißes Papier, das nach dem Trocknen wie ungebraucht erscheint. Wenn der Empfänger der Nachricht das Papier erwärmt, dann tritt das Geschriebene erneut zu Tage.
Dieses Phänomen war bereits dem Renaissance-Gelehrten Agrippa von Nettesheim wohlbekannt (De Occulta Philosophia, Kap. XXXIV, Neudruck : p. 167, zit n. SCHRÖDTER, 54).

Dieses Gemüse gedeiht besonders gut, wenn es bei abnehmendem Mond eingesät wird, bevorzugt in zorniger Stimmung. Wer auf besonders große Stücke Wert legt, etwa zum Füllen, der pflanze zu Frühlingsanfang (21. März) oder an Mariä Himmelfahrt (15. August).

Gartenfreunden wird geraten, die Zwiebel neben die Rosen zu setzen: „Im Rosengrün der Provence hat man Zwiebeln gepflanzt, um den Duft der Rosen zu erhöhen. Die Zwiebel als Lilie betrachtet, erklärt wohl die Sympathie [hier: Pflanzenfreundschaft] zwischen Rose und Lilie.” (A. STRINDBERG, 1920, n. SCHRÖDTER, 54)

Die Zwiebel gilt nach BIEDERMANN allgemein „als Symbol eines oberflächlich verachteten, auf die Beschwernisse des Lebens hindeutenden, aber doch sehr nützlichen Wesens.” (Lex. d. Symbole, 507)

Ähnlich dem botanisch nahestehendem Knoblauch steht auch die Zwiebel im Dienst gegen das Böse. Die Eingangstür, bekränzt mit Zwiebeln, schütze wirksam vor allerlei Unbill; für besonders empfehlenswert gilt das Abhängen der Zimmerdecken mit diesem Nahrungsmittel.

Der Legende nach wuchs dort, wo der Teufel nach seiner Vertreibung aus dem Paradies zuerst seinen linken Fuß hinsetzte, Knoblauch, aus dem rechten Fußstapfen schossen Zwiebeln. (PICKERING, 105)

Das alte Volksnahrungsmittel Zwiebel hinterläßt einen vernehmlichen Geruch, von dem sich mancher Feudalherr indigniert abwendete, da der Geruch als typisch für die niederen Stände galt. (BIEDERMANN, Lex. d. Symbole, 507) Inwieweit in diesem Sinne durch Analogieschluß der Volksglaube ein Abwehrmittel gegen blutsaugende Vampire entwickelte, sei dahingestellt.

Auch zu Hochzeitsorakeln wird die Zwiebel herangezogen. Dazu nimmt die heiratswillige Frau vier dieser Gemüse und gibt jedem von ihnen den Namen eines Junggesellen. Sie stellt am Weihnachtstag die vier Zwiebeln eingetopft in die vier Zimmerecken und wartet bis Dreikönig. Wessen Zwiebel nun ausgeschlagen hat, der wird sich als Freier melden (GRIMM, A. 956).

In der „Chemnitzer Rockenphilosophie” heißt es: „die zwiebeln, auf Johannistag im beet umgedreht, geraten groß.” (GRIMM, A. 117)

Wie alle Wurzelgewächse soll man Zwiebeln, weil sie hinunterwachsen, bei abnehmenden Mond säen.

Die Wahrsagung durch Zwiebeln nennt man Krommyomantie. Zur Christmette werden vorher bestimmten Personen zugeordnete Zwiebeln auf den Altar gestellt, woraus man etwas über jene in Erfahrung zu bringen hoffte. Unverheiratete Frauen setzten solches Orakel ein, um den Namen ihres Zukünftigen zu erfahren. (BÄCHTOLD-STÄUBLI, 5,599) Die auch Crommyomancie genannte Zwiebel-Weissagung wurde in jüngerer Zeit noch in Österreich ausgeübt und ist laut SCHRÖDTER wenig zielsicher. (Pflanzengeheimnisse, 131)

Bei Ohrenschmerzen empfiehlt die Volksmedizin Wickel mit Kamillenblüten und gehackten Zwiebeln. Diese werden in ein dünnes Tuch gegeben, auf etwa Körpertemperatur erwärmt und aufgelegt, gehalten wird das ganze von Schal oder Mütze.