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Diese Begriffe meinen eine natürliche oder künstliche Austrittsstelle zuvor im Erdinneren befindlichen Wassers. Das Wort Brunnen meint in der Regel die künstliche Anlage, poetisch oder in älteren Büchern auch die natürliche Quelle.
Wie auch den aus Quellen gespeisten Flüssen wohnt den Quellen eine besondere Heiligkeit inne und vielfach werden sie als beseelte Wesen gesehen oder als Wohnort geisterhafter Wesen.
Die nach altgriechischer Vorstellung in Quellen lebenden Nymphen sind die Naiaden.
Die Quelle der griechischen Nymphe Salmakis, in der ihre Verschmelzung mit Hermaphroditos stattfand, machte alle darin badenden zu einem Zwitter.
Auch die Nymphe Arethusa ist Personifikation einer Quelle. In diese wurde sie verwandelt, als der Flußgott Alphaios ihr nachstellte.
Am Parnassos bei Delphi entspringt die Quelle Kastalia. Sie ist nach mancher Darstellung eine verwandelte Nymphe, die sich wegen der Nachstellungen des Apollon in einen Brunnen verwandelte. Wer aus ihm trinkt, erhalte die Gabe der Weissagung.
Hylas ging dem Herakles verloren, als er aus jener Quelle trank, in der die Nymphe Ephydatia wohnte.
Alljährlich badete die griechische Göttin Hera in der Quelle Kanathos (bei Nauplion, nahe Argos), der sie jedesmal aufs Neue als Jungfer entstieg. (PAUSANIAS, Argolis, 38,2)
Immer wenn die Hufe des Pegasos auf die Erde stampften, entsproß an der Stelle eine Quelle, zum Beispiel die Hippokrenquelle am Helikon.
Der Hufschlag eines Pferdes erzeugt im Märchen Die beiden Wanderer einen Springbrunnen (GRIMM, KHM 107).
Die Zukunftsdeutung aus dem Verhalten von Quellen bezeichnet man als Pegomantie, worin der Name des Pegasos enthalten ist.
Eine Quelle in der Nähe des von Kadmos neugegründeten Theben wurde von einem Drachen bewacht, der dem Ares gehörte.
An einer der vier Quellen des Jordan, in Paneas am Nahr Banijas, war die Grotte des Pan ein alter Kultort.
Dionysos wußte um die Kraft seines Rauschtranks gut Bescheid. Er ließ einer Quelle Wein entspringen, aus der die rasend über das Land ziehende doppelgeschlechtliche Agdistis trank und sich selbst kastrierte.
Im Garten Eden, dem Paradies der Bibel, befindet sich eine Quelle, der die vier Hauptgewässer entströmen, Pison, Gihon, Hiddekel und Euphrat.
Als die Eidgenossen am Rütli ihren Schwur taten, sollen dort heilige Quellen entsprungen sein. (GRIMM, Nr. 102)
In nordischer Mythologie trinkt Odin aus Mimirs Brunnr. Am Urdbrunnr wohnen die drei Nornen, die nordischen Schicksalsgöttinnen. Einem dritten Brunnen, Hvergelmir, entströmen alle Flüsse der Welt.
In der Schlacht gefallene Krieger tauchte der irische Dian-Cêcht in eine Quelle und erweckte sie so zu neuem Leben.
Die Wassergöttin Boann reizte den Brunnen der Inspiration, in dessen Wassern der Lachs des Wissens schwamm.
Der Grieche HESIOD mahnte, Quellen und Flüsse weder durch Urin noch durch Kot zu verunreinigen. (Werke und Tage, 756-758)
Der Lutterspring, die Quelle des Flusses Lutter oberhalb von Königslutter am Elm, soll entsprungen sein, als ein Schäfer seinen Stab in die Erde gesteckt hatte. (KUHN u. SCHWARTZ, S. 165)
Wenn man nach Untergang der Sonne Wasser aus dem Brunnen des Nachbars holt, so nimmt man ihm Glück und Segen weg, sagte man in Stendal. (KUHN u. SCHWARTZ, C. 464)
In Pforzheim sagte man, man müsse bei Sonnenfinsternis alle Brunnen bedecken, da sonst das Wasser verderbe. (GRIMM, A. 589)
Als die Maria 1858 in der Grotte von Lourdes der Bernadette Soubirous erschien, soll dabei eine Quelle entsprungen sein, deren Wasser Gläubigen für heilkräftig gilt.