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 Witterung, Wetter
 
 

Regen

Der in Mitteleuropa häufigste Niederschlag entsteht, wenn in den Wolken der Sättigungsgrad an Wasser erreicht ist und dieses als feinste Tröpfchen ausfällt, die sich mit anderen Tröpfchen verbinden und schließlich mit einer Geschwindigkeit von bis zu acht Metern in der Sekunde zur Erde herabplatschen.

Regentropfen werden als Tränen himmlischer Wesen gedeutet. Maria Magdalena soll Jesus besonders geliebt haben, an ihrem Tag, dem 22. Juli, soll es besonders häufig regnen. Es heißt dann, Maria Magdalena beweine ihren Herrn.

Messen die Regentropfen weniger als einen halben Millimeter im Durchmesser, so bezeichnet man den Regen als Nieseln.

Wenn die Sonnenstrahlen die fallenden Regentropfen bescheinen, zerteilen sich das Licht in das Farbenspektrum. Die Folge ist das schöne Schauspiel des Regenbogens.

Symbolisch für den befruchtenden Regen steht der grüne Smaragd (BIEDERMANN, 406).

 

Regen als Heilmittel

Wird etwas Baumwolle in Regenwasser getränkt und dieses auf den Krankheitsherd gelegt, beispielsweise ein Geschwür, so sollen die Keime von der Wolle aufgesogen werden.

„mit regenwasser, das auf leichensteinen stehen bleibt, vertreibt man sommersprossen” (GRIMM, Dt. Mythol. III., A. 1025, 473)

 

Regen als Omen

Wenn es der Braut bei der Hochzeit in den Brautkranz regnet, soll das Glück und Reichtum bedeuten (Das sechste und siebente Buch Mosis, 122). Regen soll aber auch ein negatives Vorzeichen sein (WEHR, 123).

 

Wetterregeln zum Regen

Hört man den Zaunkönig singen, wird es gewiß bald Regen geben. Auch wenn die Hühner unter ein Dach klettern, die Tauben auf dem Dach in Reihe sitzen oder die Spinnen kein Netz bauen, kündigt das Regen an.

Regen soll es geben „wenn dat witt von’n Erber swatt is” (aus Jelmsdorf, Lüneburg, n. (Wie’s Wetter wird 3, 35), wenn also das Gefieder des Storches schmutzig ist.

Laut Abt Knauer („Hundertjähriger Kalender”) gibt es Regen, „wenn die Schafe springen, einander mit den Köpfen stoßen, sich früh auf die Weide machen, im Heimgehen oft Gras fressen und ungern im Stall wohnen.” In Norddeutschland heißt es ähnlich: „De ulln Schaap hebbt sik so stött un springen, wi kriegt wer Regen”, auf Hochdeutsch: „Die alten Schafe sind so störrisch und springen, wir bekommen wieder Regen”, zit. n. ebd. 3, 33).

Wenn die Mäuse vernehmlich pfeifen, soll es Regen geben (ebd., 34).

Wenn Dohlen sich schwarmweise im Ackergraben niederlassen, soll es bald Regen geben, (WEHR, 51) ebenso, wenn Mücken schnell stechen. (ebd., 166)

Klappt der Sauerklee seine Blätter ein, so ist Regen zu erwarten.

„Reißt die Spinne ihr Netz entzwei,
kommt der Regen bald vorbei.”

Auch die Königskerze dient als Regenzeiger: Wendet sie ihre Blütenstände nach Osten, so soll mit Sonnenschein zu rechnen sein, zeigt sie nach Westen, soll es Regen geben.

Laut Bauernregeln ist in Mitteleuropa der Regen je nach Monat mehr oder weniger erwünscht. Allgemein heißt es:

„Wechseln Regen und Sonnenschein,
die Ernte im Herbst wird reichlich sein.”

„Hört der Juli mit Regen nicht auf,
geht leicht ein Teil der Ernte drauf.”

„Bei Donner im Julius
viel Regen man erwarten muß.”

„Wenn es zu Jakobi (25. Juli) regnet,
so regnet es den Weibern in den Backtrog.”

„Regen an Mariä Schnee (5. August)
tut dem Korn tüchtig weh.”

Septemberanfang mit feinem Regen
kommt allzeit dem Bauern entgegen.”

„Septemberregen kommt der Saat gelegen.”

„Septemberregen - dem Bauern Segen,
dem Winzer Gift, wenn er ihn trifft.”

„Wenn Matthäus (21. September) weint statt lacht,
er aus dem Wein oft Essig macht.”

„Wie im Oktober Regen hausen,
im Dezember Winde sausen.”

„Viel Regen im Oktober, viel Schnee im Dezember.”

November naß bringt, jedem was.”

Novembers Morgenrot mit langem Regen droht.”

„Wenn der November regnet und frostet,
dies der Saat ihr Leben kostet.”

„So viele Tropfen im Januar,
so viel Schnee im Mai.”

Februar mit Schnee und Regen
deutet hin auf Gottes Segen.”

„Wenn’s im Februar regnerisch ist,
hilft’s so viel wie guter Mist.”

„Regen im Hornung, Schnee im Mai.”

„Viel Nebel im Februar, viel Regen im ganzen Jahr.”

„Märzenregen bringt keinen Segen.”

„Märzenwinde, Aprilenregen,
verheißen im Mai großen Segen.”

April, dein Segen
heißt Sonne und Regen.
Bloß den Hagel,
den häng an den Nagel.”

„Nasser Aprilblumiger Mai.”

„Dreht zweimal sich der Wetterhahn,
Sturm und Regen er zeigt an.”

Gewitter in der Vollmondzeit,
verjagt den Regen weit und breit.”

„Wenn der Nebel fällt zu Erden,
wird es gutes Wetter werden.
Steigt der Nebel auf das Dach,
folgt bald großer Regen nach.”

Morgenrot — mit Regen droht.”

 

Allgemein heißt es: „regnets vormittag, so wird nachmittag noch besser wetter, wenn die alten weiber sich ausgereuspert.” (GRIMM, A. 826)

 

Regenheilige

Christliche Schutzpatrone bei ausbleibendem Regen sind Anna, Benno von Meißen, Heribert von Köln, Isidor von Madrid, Johannes von Rom, Odo von Cluny, Scholastika, Severin von Köln, Victoria von Cordoba und Victoria von Rom. Ist es mit dem fallenden Naß des Guten zuviel, so bittet man Deodatus von St. Dié, Johannes von Rom, Kolumba von Sens, Maximin von Trier, Medardus, Paulus, Sabina, Sigibert III. von Austrasien oder Susanna um Abhilfe.

 

Regenzauber

Nach antikem Volksglauben sollte sich mit dem Edelstein Jaspis Regen herbeizaubern lassen (Edelsteine in der Medizin II, 11).

Wenn man Glockenblumen pflückt, ohne sie dreimal zu bespucken, soll sich Regen einstellen (WEHR, 94).

Im Kaukasus kannte man bei den Pshaws und Chesurs die Zeremonie des Regenpflügens. Dabei spannten sich die Mädchen vor einen Pflug und zogen ihn, bis zur Hüfte im Wasser watend, durch einen Fluß, um damit bei Dürre Regen zu machen. Ähnliche Riten sind auch aus Armenien und Georgien bekannt. (FRAZER, 102)

 

Vermischtes

charfreitagsregen muß man mit nadeln aus der erde kratzen, denn er bringt große dürre.” (GRIMM, III, 474, Nr. 1044)