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 Allmende
 
 

Riesen

Ganz allgemein versteht man unter Riesen menschenähnliche Wesen von gewaltiger Größe. Damit sind sie gewissermaßen das Gegenteil der eher winzigen Zwerge. Ihre Erscheinung ist erschreckend, teilweise haben sie mehrere Köpfe, auch aus Stein (Hrungnir) oder Eisen (Iarnhaus), meist aber von ebenem Wuchs, Riesinnen sogar von großer Schönheit (Gerdr).

Die Riesen sind häufig Verkörperung der Naturgewalten. Dem Menschen fremd, bedrohlich und feindlich sind die Riesen auch Gegenspieler der Götter.
Zum Beispiel kämpft der nordische Thor gern und häufig gegen Riesen aller Art. Allerdings gehen Gottheiten und Riesen häufig auch Verbindungen miteinander ein, stammen von diesen ab (z. B. Heimdall) oder holen sich von ihnen Rat (so Odin bei Mimir).

Wichtige Riesen sind die Giganten, Kyklopes und Titanen der griechischen Mythologie, die nordischen Hrimthursar und Jöten mit dem Urriesen Ymir. Die Kelten kannten den Balor und das Christentum St. Christophorus.

Das Alte Testament der Bibel nennt verschiedene Riesen, beispielsweise die Anakiter, Goliath, die Rafaiter oder Og. Auch die Kinder der Menschentöchter mit den Gottessöhnen waren „Riesen („Gewaltige”) auf Erden” (1. Mose 6,4).

Neben dieser mythischen Deutung besteht natürlich auch die Möglichkeit, dereinst könnte es übergroße Menschen leibhaftig gegeben haben. Fossile Funde („Riese” von Java, Südchina, Transvaal; Giganthopithecus, Meganthropus) legen diese Vermutung nahe, ebenso gefundene überdimensionierte Werkzeuge oder die gebauten Zeugnisse längst vergangener Zeiten (Zyklopenmauern, Megalith-Bauten, Köpfe auf den Osterinseln). Die allerfrühesten Menschen, die Bewohner Lemuriens, sollen vor 18 Millionen Jahren gelebt und eine Höhe von 18 Metern erreicht haben. Gelegentlich gibt es auch von Zeitgenossen Berichte von menschenähnlichen Wesen ungeschlachten Ausmaßes (Yeti, Riesen von Malakk u. a.).

Gemeinhin gelten die Riesen für ungeschlacht, plump und dumm, doch ist auch ihre Treue und Gutmütigkeit bekannt. Erst wenn sie gereizt werden gebärden sie sich wild und tückisch. Voller Zorn (iötunmodr) widersetzen sich die nordischen Riesen den Asen, schleudern Felsen und Bäume. Die Findlinge etwa im glazial geprägten Raum Norddeutschlands wurden von aufgebrachten Riesen an ihre jeweiligen Fundstellen geschleudert. Die Giganten wandten sich himmelstürmend gegen die olympischen Götter, wurden aber besiegt und in die tiefste Hölle gestürzt.

Daß Riesen dumm und täppisch sein sollen, ist beileibe nicht die einzige Charakterisierung. Vielmehr galten sie als die ältesten Wesen für außerordentlich weise, deren Wissen bis in die Urzeit zurückreicht. So sucht Odin den Riesen Wafthrudnir auf, um sich mit dem in einem Wettkampf der Weisheit zu messen (Edda, Wafthrudnirlied). Auch eine von Odin heraufbeschworene Wölwa entpuppt sich als Riesin (Edda, Balders Träume).

Riesen sind auch als Diebe bekannt: Die Edda berichtet vom Raub eines Hammers und eines Kessels, worauf Thor die Übeltäter verfolgt und bestraft. Vor diesem Gott haben die Riesen (Thurs) besondere Furcht, hören sie es donnern, so suchen sie sogleich Versteck und Flucht.

Es gibt aber auch genügend Beispiele die die Riesen als eher sympathisch-verspielt darstellen, etwa die Geschichte von der Riesentochter, die einen pflügenden Ackermann als Spielzeug aufnimmt:

Im waldschloss dort am wasserfall
sinn d´ritter rise gsinn;
a mol kommts fräule hrab ins thal,
und geht spaziere drinn.
 
Sie thut bis schier noch Haslach gehn,
vorm wald im ackerfeld
da blieb sie voll verwundrung stehn
und sieht wies feld wurd bestellt.
 
Sie luegt dem ding a wil so zu;
der pflui, die ros, die lütt
ischer ebs neus; sie geht derzu
und denkt 'die nimm i mit'.
 
Drno huurt sie an de bode hin
und spreit ihr fürti uß,
fangt alles mit der hand, thuts niin,
und lauft gar froh nah hus.
 
Sie springt de felswei nuf ganz frisch
dort wo der berg jetzt isch so gäh,
unn me so krattle muß in dhöh
macht sie nur eine schritt.
 
Der ritter sitzt just noch am tisch:
'min kind, was bringste mit?
dfreud luegt der zu de auge nuß;
se krom nur geschwind din fürti uß;
was best so zawelichs drin?
'o vatter, spieldings gar ze nett.
i ha noch nie ebs schöns ghett'
und stelltem alles hin.
 
Unn uf de tisch stellt sie den pflui,
dbure unn ihri ros,
lauft drum herum unn lacht derzu,
ihr freud isch gar ze groß.
 
'Ja kind, diß isch ken spieldings nitt,
do hest ebs schöns gemacht'
saht der herr ritter glich und lacht,
'geh nimms nur widder mit!
die bure sorje uns für brot,
sunsch sterbe mir de hungertod;
trah alles widder furt'!
sfräule krint, der vatter schilt:
'a bur mir nitt als spieldings gilt,
i liid net daß me murrt.
 
Pack alles sachte widder iin
unn trahs anns nämli platze hin,
wo des genumme hest.
Baut nit der bur sin ackerfeld
se fehlts bi uns an brot unn geld
in unserm felsennest'.
 
Diese Geschichte ist aus mehreren Gegenden überliefert, die vorliegende aus dem Elsaß, andere aus dem Harz und dem Odenwald. Ähnlich erzählt in der Gegegend um den Paarstein in der Uckermark. 

Laut einer Überlieferung aus der Uckermark überragten die Hünen die Menschen so viel, wie das Geschlecht derer, die den Menschen nachfolgen werden, hinter denen an Größe zurückbleiben werden. (KUHN u. SCHWARTZ, 42)