| < zurück | |
| Allmende | |
Die Vorstellungen über die Entstehung der Welt sind so vielfältig wie die Kulturen selbst. Sie alle ähneln sich darin, daß aus einem Urzustand durch Wirken einer Macht die Welt hervorgebracht wird, in aller Regel bestehend aus der Menschenwelt der Erde und dem Himmel als Aufenthaltsort jenseitiger Wesenheiten. Diese ursächlich schaffende Macht wird gemeinhin als Gottheit aufgefaßt, doch scheiden sich bereits hier die Geisterinnen und Geister, ob diese Kraft Göttin oder Gott ist. Wie auch immer, hinter ihr oder ihm liegt noch ein unbestimmbarer Anfang, beispielsweise das griechische Chaos.
Die Genesis der Bibel berichtet, wie am Anfang das Wort bei Gott und Gott bei dem Wort war. Durch Aussprechen des Wortes erschafft Gott Himmel und Erde, Gestirne, Wasser und Land sowie Tiere und Pflanzen. Dann formt Gott den Menschen aus der Erde. Der geschlechtlich unbestimmte Mensch wird dadurch über die Tiere gesetzt, daß er ihnen Namen gibt.
Die nordische Edda berichtet von der gähnenden Leere Ginnungagap, in der sich der Funken des Feuers Muspellheims mit dem Wasser des Brunnen Hvergelmirs mischte. Aus der Schmelze entsteht der Riese Ymir, den die Kuh Audhumbla aus dem Eise leckt und den sie mit ihrer Milch säugt. Das Göttergeschlecht der Asen erschlägt Ymir und bauen aus ihm die Welt. Die Menschen, Askr und Embla, erwecken sie aus angetriebenen Baumstämmen.
Das klassische Griechenland leitete die Menschheit von Pandora her, die, geschaffen von Hephaistos, Frau des Titanen Epimetheus wurde. Später ertränkte Zeus die Menschen in der Deukalischen Flut, doch seine Gattin Hera, die Mutter Erde, warnt zwei ihrer Menschenkinder, Deukalion und Pyrrha.
Auch der biblische Jahwe ertränkt die Menschen in der Sintflut und beläßt nur Noah und die Seinen am Leben.
Die Abfolge zwei oder mehrerer Menschengeschlechter rührt an Vorstellungen vom zyklischen Weltbild. Im Norden überleben Lif und Lithrasir die Endzeit Ragnarökr, in einer erneuerten Welt werden sie Ahnen eines künftigen Menschengeschlechts. So wird die Welt in dauernder Folge neugeschaffen, um mit allem unterzugehen.
Solche Vorstellungen werden durch Betrachtung des Himmels befördert, stirbt doch jeden Tag die Sonne, um am Morgen aufzuerstehen. Im längeren Lauf vollzieht der Mond, dessen vier Phasen in etwa dem Zyklus der Frau entspricht. Warum soll nicht gleich die ganze Welt diesen Kreislauf vorgeben? Verbunden damit ist die Vorstellung von der Seele als dem Hauch der Gottheit, die den Menschen einst belebte. Dieses göttliche kann nicht sterblich sein und wird daher, nach einem Aufenthalt in einer mehr oder minder freudlosen Unterwelt, wiedergeboren.
Anders die einmalige, allumfassende Schöpfung. Der lineare Fluß der Zeit bedingt die Einmaligkeit der Schöpfung des Lebens. Vorstellungen von einer Endzeit bedingen ein endgültiges Urteil moralischen Verhaltens.
So steht die Menschheit in christlicher Vorstellung unter dem Fluch der Erbsünde Evas, von der sie einzig durch Jesus Christus befreit werden kann, um am Jüngsten Tag vor dem Jüngsten Gericht zu bestehen, bei dem aussichtslos der letzte Aufenthalt bestimmt wird, ewige Glückseligkeit im Himmel oder dauernde Qual in der Hölle.
Der biblisch-christliche Schöpfungsmythos war und ist in der westlichen Welt regelmäßig Streitpunkt zwischen Kirchen und Naturwissenschaften. Die gängigen Theorien sehen einen Urknall vor, bei dem die in einem einzigen Punkt aufs höchste verdichtete Materie explodiert und sich in alle Richtungen ausbreitetet. Im Wirbel der Partikel kommt es zu Verklumpungen, die eine gegenüber ihrer Umgebung etwas stärker wirkende Schwerkraft haben. So ziehen sie weitere Partikel an und verdichteten sich nach und nach zu den kugelförmigen Himmelskörpern. Die größeren von ihnen bringt ihre schiere Masse zum Glühen, sie strahlen ihre Energie zu den kleineren ab, so daß auf diesen Planeten bei günstigen Voraussetzungen Leben entstehen kann, das sich aus verschiedenen Ursäuren durch dauernde Entwicklung (Evolution) vom Urschleim bis zum Menschen ebenso gesetzmäßig wie zufällig entwickelt habe.
Die Welt selbst strebe unterdessen, noch immer vom Urknall beschleunigt, ohne Unterlaß auseinander.
Ob dieses tatsächlich so ist, ewig so weiter geht oder die Entfernung allmählich zum Erliegen kommt und das All sich wieder zusammenzieht, bleibt Spekulationsfeld der Physik.