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 Mensch und Körper
 
 

Speichel

(lat. saliva, auch Spucke) Das Sekret der Speicheldrüsen, welche bei Gliederfüßern, Weichtieren und Wirbeltieren, auch dem Menschen, in den Mundraum münden. Das Speichelsekret dient der (Vor-Verdauung von Nahrung, der besseren Schluckbarkeit eines Bissens und der Abwehr von Krankheitskeimen. Beim Menschen werden täglich zwischen ein und anderthalb Liter Speichel produziert.

Wie alle Körperflüssigkeiten (vgl. Blut, Urin, Sperma) ist auch der Speichel Gegenstand allerlei grenzwissenschaftlicher Mutmaßung.
Ausspucken ist entweder Geste tiefster Verachtung oder magische Technik.

Jesus Christus wurde vor seiner Kreuzigung von den Soldaten des Pontius Pilatus angespuckt und mit dem Rohrstock gegeißelt (MATTHÄUS 27,30, MARKUS 15,19).

Aus Speichel und Blut entstand der Skaldenmet Odrörir, der den nordischen Asen Weisheit und Dichtkunst brachte.

Die Mischung Speichel und Blut erinnert an die Verbindung von Schnee und Blut.

Ausspucken soll Unglück abwehren. So sollte grundsätzlich nichts „beschrieen” werden, da solcher Gegenstand sich sonst ins Gegenteil verkehre oder einen ungünstigen Verlauf nehmen werde. Ist der unglückliche Ausspruch doch getan, so soll man durch Ausspucken das Unheil abwehren. (aus Berlin, KUHN u. SCHWARTZ, C. 438)

Meist heißt es, man solle gleich dreimal ausspucken:

Dreimal soll man laut „Magisch-sympathetischen Hausschatz” auf die Unterseite eines vom Wegesrand aufgenommenen Steins spucken und den Stein an seinen Platz zurücklegen — so werde man seinen Zahnschmerz los (in: Das sechste und siebente Buch Mosis, 39). Gleiches soll bei stechender Milz Linderung verschaffen (ebd., 54).

Wenn man Glockenblumen pflückt, ohne sie dreimal zu bespucken, soll sich Regen einstellen. (WEHR, 94)

Zum Schutz des Hauses soll man dessen Ecken dreimal anspucken. (MALA, 59)

 

Spuckt ein Händler auf seinen Vorrat an Wechselgeld (Handgeld), so soll das gute Geschäfte verheißen (aus Berlin, KUHN u. SCHWARTZ, C. 439).

Benetzung mit Speichel soll laut „Magisch-sympathetischen Hausschatz” bei schlimmen eiternden Augen helfen (ebd., 39).

Man soll seine Hände nicht betrachten, denn dann gäbe es Streit. Zur Abwendung desselben bespucke man seine Schuhe.

(aus Norddt.)