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   Hünengräber
 

Denghoog

Das wohl berühmteste aller vorzeitlichen Denkmäler der nordfriesischen Insel Sylt (Bundesland Schleswig-Holstein / Deutschland) ist der mächtige Denghoog. Er liegt im Norden des Ortes Wenningstedt gleich neben der Kirche. In dem im Durchmesser 32 Meter messenden Grabhügel fand man das größte und besterhaltenste Ganggrab auf dem Gebiet der Bundesrepublik Deutschland. (Geographische Lage: Nord 54° 56' 28"; Ost 08° 19' 32")

Der Denghoog.
Der Denghoog. August 2004.

 
Die ovale, mit etwa fünf Metern Länge in ostwestlicher und drei Metern Länge in nordsüdlicher Richtung recht geräumige Grabkammer, deren Wand aus zwölf mächtigen Tragsteine gebildet wird, die durch übereinandergeschichtete Steinfliesen zu einer geschlossenen Wand gearbeitet wurde, wird von drei Decksteinen überdacht, deren enormes Ausmaß (Gewicht etwa zwanzig Tonnen!) Staunen erregt — immerhin wird die Entstehung dieser Anlage auf die Zeit zwischen dem 30. und 26. Jahrhundert vor der Zeitenwende datiert, er stammt also aus der jüngeren Steinzeit (Neolithikum).

Der Eingang zum Denghoog.
Der freigelegte Eingang zum Denghoog. August 2004.

 
Den Zugang in die Kammer ermöglicht ein gut sechs Meter langer, einen Meter hoher und neunzig Zentimeter breiter, von beiderseits sechs Tragsteinen gebilderter Gang. Dieser weist nach Süden und ist genau auf den Höchststand der Sonne zu Mittwinter ausgerichtet.
Aufgrund dieses Umstands ist nicht auszuschließen, daß die Anlage vorzeiten nicht bloß eine Grabstätte gewesen ist, sondern (auch) zu kalendarischen Zwecken gedient haben könnte.

 
Blick ins Innere des Denghoog.
Blick vom Gang aus ins Innere des Denghoog. August 2004.
 
Die Wand im Inneren des Denghoog.
Die Wand im Inneren des Denghoog. August 2004.

 

Der Gang aus dem Denghoog.
Blick aus der Grabkammer den Gang hinaus. Im Vordergrund unten die herumgeführte Sitzbank. August 2004.

 
Als der Denghoog 1868 von Prof. Ferdinand Wibel archäologisch untersucht wurde, fanden sich in der Kammer die Überreste mehrerer Beisetzungen, Beigaben wurden in Form von steinernen Beilen, verzierten Tongefäßen, einer durchlochten steinernen Keule, Klingen aus Flintstein, Perlen aus Bernstein usw. gefunden. Teilweise befinden sich diese Funde heute im Sylter Heimatmuseum in Keitum.

Die Bedeutung des Namens Denghoog ist nicht abschließend geklärt. Er könnte „Thingstätte” (bzw. „Thinghügel”) bedeuten, „Hügel mit unterirdischem Gemach” (Hoog, „Hügel” und altnordisch dyngja) oder Hügel auf der Wiese (friesisch Ingi, dänisch eng).

Touristisch ist der Denghoog hervorragend erschlossen, seine Kammer kann gegen Entgelt (im Sommer 2004 je Erwachsener 1,70 Euro, Öffnungszeiten April bis September von Montag bis Sonnabend von 10.00 Uhr bis 16.30 und nach Vereinbarung) betreten werden. Dazu wurde der Gang freigelegt, eine Leiter führt vom Gipfel des Hügels in die Grabkammer hinein, in welcher (neuzeitlich) rundherum eine Sitzbank gezimmert wurde.

Der in moderner Zeit gebaute Eingang, der von oben in den Denghoog hinein führt.
Der in moderner Zeit gebaute Eingang, der von oben in den Denghoog hinein führt.
August 2004.

 
Als der Autor Ende August 2004 an einem Wochenende bei strahlendem Sonnenschein den Denghoog aufsuchte, hielt sich der Besucheranstrom in Grenzen. Dennoch scheint es empfehlenswert, die Stätte in der Vorsaison unter der Woche und nicht gerade bei Ausflugswetter zu besuchen, um in Ruhe die Atmosphäre im Inneren der Kammer erleben zu können.

Die Ortssage erklärt die Entstehung des Hügels mit einem Krieg zwischen Riesen und Zwergen. Ekke Nekkepenn, ein Meermann, hatte vergebens um Inge aus Rantum geworben, wurde abgewiesen und warb darum um eine im Ennenhoog (Entenhügel) wohnende Zwergin. Auch hier fand er kein Gehör und suchte sich darum eines Mädchens aus Braderup zu bemächtigen. Dieses empörte die Braderuper (die hier als Riesen gedacht sind, wegen ihrer im Vergleich zu den Zwergen enormen Größe) und ließ sie im Zorn einige Zwerge verprügeln und Tierkadaver in deren Wohnhöhlen werfen. Im Reisehoog zu Kampen traten nun die Zwerge zum Rat zusammen und beschlossen den Krieg. Es kam zur Schlacht auf den Hügeln bei Tinnum, welche beiderseits viele Opfer forderte, darunter auch Finn, der König der Zwerge. Ohne ihre Frauen hätten die Braderuper den Kampf nicht bestehen können, denn diese bewarfen die Zwerge mit Grütze und nahmen ihnen so die Sehkraft. Die Gefallenen bestatte man in dem später Denghoog genannten Hügel, der Topf mit der Grütze fand Eingang in das friesische Wappen.

Es heißt auch, im Denghoog sei Zwergenkönig Finn bestattet, der hier zu Lebzeiten inmitten seiner Zwerge auf einem steinernen Thron hofhielt, angetan mit einem weißen Mantel aus Mäusefellen.

Quelle: persönlicher Besuch und lokale touristische Informationen.
Aufnahmen: A. Zompro, August 2004.