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| Religion und Kultus | |
Das alte griechische Wort für Sünde bedeutete beim Bogenschießen die Sehne verlieren. Etwas abweichend davon bedeutet der später gebräuchliche Ausdruck eine Verfehlung gegen die von der Gottheit verfügte Ordnung und die Störung des Verhältnisses zwischen Gott und Mensch. Sünde ist jedes Abweichen vom göttlichen Gebot oder Bruch eines Tabu.
Das Freiwerden von Sünde und Einswerdung mit der Gottheit durch Erleuchtung oder Erlösung ist Verheißung der Religionen und ihrer Kulte.
Im Neuen Testament erscheint als Wesen der Sünde die falsche innere Einstellung zum Willen Gottes. Paulus gab den Anstoß zur kirchlichen Lehre von der Erbsünde (Röm.5, 12-21), die von Augustin und den Reformern weiter ausgebildet wurde. Die Sünde wider den Heiligen Geist ist nach Matthäus 12,31 die einzige unvergebbare Sünde; sie besteht in hartnäckiger Zurückweisung der göttlicher Wahrheit.
Die sieben Hauptsünden (Todsünden, denen entsprechende Dämonen zugeordnet sind) sind nach katholischer Lehre: Stolz, Geiz, Unkeuschheit, Neid, Unmäßigkeit, Zorn, Trägheit. Sie gelten als sittlich schlechte Haltungen, aus denen leicht Tatsünden hervorgehen.
Im Katholizismus steht die abgrenzende Beurteilung der einzelnen Sünden im Vordergrund.
Tosünden (lat. Peccatum mortale oder Peccatum grave) sind Sünden, die den Verlust des durch die Taufe erlangten Gnadenstandes nach sich ziehen. Die Todsünde hat drei Merkmale: Versündigung in einer wichtigen Angelegenheit, volle Erkenntnis der Sündenhaftigkeit sowie völlige Einwilligung. Die Todsünde wird nachgelassen durch das Bußsakrament.
Weniger fatal als die Todsünde ist die läßliche Sünde, eine Sünde, die mangels sachlicher Gewichtigkeit, klarer Einsicht oder voller Freiwilligkeit nicht zum Verlust der heiligmachenden Gnade führt.
Demgegenüber betont die protestantische Theologie als Wesen der Sünde den Widerspruch des Menschen gegen Gottes Allmacht und Willen, wie er sich schon beim Sündenfall zeigt. Die Sünde ist total, läßliche Sünden und Todsünden werden nicht unterschieden.
Vielfach schadet die Sünde nicht allein dem Verhältnis des Menschen zu seinem Gott, sondern auch zu seinen Mitmenschen, denen es nach einer Reaktion auf die Tat gelüstet. Man fordert nach Rache, Strafe oder sucht nach Versöhnung durch Sühneleistung des Frevlers oder beiderseitiger Aussöhnung.
-- Weiteres in Sammlung, Vorbereitung --
Die Sühne ist das Fortnehmen der durch die Untat aufgeladenen moralischen Last. Das Wort kommt vom althochdeutschen Suonen versöhnen und ist sprachlich verwandt mit dem norwegischen svana, abnehmen, sich besänftigen und svoena, nachlassen.
Interessant ist die Vermutung, die Begriffe versöhnlich und Versöhnung könnten von Sohn herstammen. Demnach wäre die Geburt eines Sohnes ein für die Gottheit besonders freudiges Ereignis, womöglich wegen eines in archaischer Zeit zu erwartenden Opfers des männlichen Erstlings.
Bei den Juden wird jedes Jahr am zehnten Tag des siebten Monats das Versöhnungsfest (Jom Kippur) gefeiert. Symbolisch wurden früher die Sünden des Volkes auf einen Ziegenbock übertragen (Sündenbock), der dann den Dämonen zum Opfer in die Wüste getrieben wurde (3. Mose 16).