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 Witterung
 
 

Tau

Dem sich morgens auf die Erde legenden kühlen Tau werden seiner himmlischen Herkunft wegen wohltätige Wirkungen zugeschrieben. In der Wüste ist die Taubildung oft die einzige Quelle frischen Wassers.

In der Edda beträufelt das schäumende Maul des die Nacht über den Himmel ziehenden Pferdes Hrimfaxi die Täler mit Tau (Gylfaginning, 10). Der Honigtau, der die Bienen nährt, tropft vom Weltenbaum Yggdrasil (ebd., 16).

Im volkstümlichen Christentum stellt man sich den Tau als die Tränen von Engeln oder als Relikt des Paradiesgartens vor.

Der Tau sorgt für Fruchtbarkeit, besonders beim Vieh. In den Nächten nach Karfreitag, Ostern, Johannis und Weihnachten sammelte man ihn und mischte ihn dem Vieh ins Futter. Wer seinem Nachbar übel wollte, zog Segen von dessem Land ab, indem er dort den Tau wegholte und auf eigenen Grund tat.

Im Altgriechischen gab es für den Tau zwei Wörter, herse und drosos. Beide konnten ebenso auch für ein neugeborenes Kind stehen. (KERÉNYI, 98)

Im Aberglauben heißt es „die hexe kann dem vieh dadurch schaden, daß sie auf seiner weide den thau vom grase streicht.” (GRIMM, Bd. III, 477)

Zum 1. Mai gesammelter Tau wurde auch beim Buttermachen in den Trog gegeben, um reichen Butter- und Milchsegen zu erhalten.

Der in der Frühe noch vor Sonnenaufgang von den Blüten mancher Kräuter gesammelte Tau soll heilkräftig sein (Maiglöckchen gg. Schlaganfall, Weizen gg. Sommersprossen u. a.).

 

Wetterregeln

„Starker Tau hält Himmel blau.”

„Reif und Tau machen Himmel blau.”

„Ohne Tau kein Regen, heißt’s im Juli allerwegen”

„Der Tau tut dem August so not,
wie jedermann das täglich Brot.
Entzieht er sich gen Himmel,
herab kommt ein Getümmel.”

„Wenn’s im August stark tauen tut,
bleibt das Wetter meistens gut.”

Im Oktober soll reichlicher Taufall, der lange liegen bleibt, auf weiterhin freundliches Wetter hinweisen.

„Februartau bringt Nachtfrost im Mai.”

„So viel Tau im März,
so viel Frost im Mai.”

 

Vermischtes

Altägptische Göttin des lebensspenden Taus ist die löwenköpfige Tefnut.