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 Religion und Kultus
 
 

Taufe

Das Untertauchen oder die Besprengung mit Flüssigkeit als Aufnahmeritus in einen Kult ist eine in Religionen weit verbreitete Sitte.

Im Christentum ist die Taufe das erste der Sakramente. Durch die Taufe, die beim Taufgottesdienst auch mit der Vergabe des Namens verbunden ist, wird der Mensch mit Christus verbunden und ist daher eine notwendige zur Erlangung des Heils. Das Ritual umfaßt dreimaliges Begießen oder Besprengen (lat. infusio und aspersio) des Kopfes mit Wasser im Namen des dreieinigen Gottes (Matthäus 28,19) oder völliges Untertauchen (lat. immersio), wie es die Baptisten praktizieren.

Die Taufe Christi durch Johannes den Täufer beschreiben Markus 1,9, Matthäus 3,13 und Lukas 3,21. Die Taufe des Johannes ist ein Ritual, welches symbolisch das Gericht zur Endzeit vorwegnimmt. Der Täufling signalisiert durch Annahme der Taufe, daß er zur Umkehr und Buße bereit ist.
Frühe christliche Kunst zeigt diese Szenerie mit Jesus im Mittelpunkt, der bis zu den Hüften im Wasser des Jordan steht, über ihm Gott und die Taube als Heiligem Geist, ihm zur Seite Johannes der Täufer und hilfreiche Engel, die mit Badetüchern zur Trocknung hilfreich assistieren.

Die Katholische Christenheit verbindet mit der Taufe die unauslöschliche Verbindung des Täuflings mit Jesus Christus, die ihn insbesondere von der Erbsünde befreit. Die Taufe ist damit ein einmaliger und endgültiger Akt, der auch bei Wechsel der Konfession (Konversion) nicht wiederholungsbedürftig ist. Darum ist bei Protestanten die Kindstaufe mitunter umstritten, da das Kind ihre Bedeutung nicht kennt und daher nicht bejahend annehmen kann.

In anderen Kulten finden sich häufig Waschungen zur Erlangung kultischer Reinheit, die der Taufe äußerlich ähneln. Hierher gehört etwa das Taurobolium, ein Entsühnungsritual, bei der der Gläubige in eine Grube gesetzt wird und mit dem Blut eines geopferten Stiers oder Widders übergossen wird.

 

Brauchtum, Volks- und Aberglaube zum Taufritual

Weint das Kind während der Taufe, so sollen ihm nur wenige Jahre auf Erden vergönnt sein.

Auch die Verunreinigung des Taufwassers durch den Täufling gilt für unheilverkündet. Dieses Mißgeschick soll Kaiser Wenzel passiert sein.

Ungetauft sterbende Kinder sollen zwischen Himmel und Erde schweben.

In verweltlichter Form soll die Schiffstaufe mit einer Flasche Schaumwein dem Schiff allzeit gute Fahrt sichern. Dazu wird die Flasche an einem Seil gegen den Bug des Schiffes geschwungen. Zerplatzt die Flasche dabei nicht, sollte der Matrose besonders auf den Klabautermann und die Schiffsratten achten, wenn er auf einem derartigen Kahn anheuert - machen jene Anstalten, das Schiff zu verlassen, wird dieses bald havarieren.

Ein Brauch der Seefahrer ist die auch Linientaufe genannte Äquatortaufe. Dabei werden die, welche erstmals den Äquator überquerenden Matrosen und Passagiere auf oft scherzhaft-derbe Weise „getauft”.

 

Glockentaufe

Auch Kirchenglocken werden vor dem ersten Läuten getauft. Unterbleibt dies, so ist ein Verlust der Glocke zu befürchten. Ein Beispiel: „Als man die ersten Glocken im Thurm zu Ankum aufgehängt, hat man sie zu kersten (taufen) vergeßen; da sind sie, als man sie geläutet, aus dem Schallloche hinaus und in den Bippenschen Grund geflogen und da hört man sie noch am Weihnachtstage klingen.” (mündl. aus Basum, in: KUHN u. SCHWARZ, Nr. 355)
Oder: „Es wird erzählt, als man die Kirche zu Bergkirchen gebaut, habe man vergeßen, die Glocken zu taufen, da seien sie aus dem Thurme heraus in den Bungenpôl oder Glockenteich bei Rothenuffeln geflogen, wo sie noch heute liegen.” (mündl. aus Bergkirchen, ebd., Nr. 356)
Es gibt etliche solcher Glockensagen.