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 Tierwelt - Vögel
 
 

Brut, Gelege

Besonderes Augenmerk gilt bei der Geflügelhaltung der Brut, also der Aufzucht einer neuen Generation von Hühnern, Gänsen, Enten usw.

Grundsätzlich gilt, daß Brut niemals bei abnehmenden Mond, sondern stets bei zunehmenden oder vollem Mond gesetzt wird. (im Samland n. FRISCHBIER, 128)

Im Kreise Goldap nahm man am ersten Weihnachtstag oder Neujahr einige Handvoll Erbsen in den Taschen mit in die Kirche. Während des Segens rührte man sie dreimal um und fütterte damit sein Geflügel, was deren Fruchtbarkeit fördern sollte. (FRISCHBIER 130)

Die frischgeschlüpften Tiere soll man nach einigen Tagen mit Schwefel oder Teer bestreichen, damit sie vor den Krähen sicher sind. In der Gegend um Wehlau schnitt man jungen Gänsen vor ihrem ersten Weidegang die Spitzen der Schwanzfedern ab. Diese zündete man an und hielt die jungen Gänse über den Rauch. Dadurch sollten sie vor jedem Unglück sicher sein. Im Samland sengte man die ganzen Tiere und tat sie zusammen mit drei Steinen in ein Sieb. Dann trug man sie hinaus, warf den ersten Stein mit den Worten: „Dat öff fer ’m Storch!” nach rechts, den zweiten Stein nach links, dabei sprechend: „Dat öff fer de Kreeg!” und den dritten geradeaus, wobei man sagte: „Dat öff fer ’m Haske”. Dann wurden die Tiere für gewöhnlich durch eine Hose o. dgl. geschüttet, damit sie beeinander blieben. Man nahm auch die drei Steine, warf sie hoch und sprach dabei: „Hutsch da! Hutsch ha, du Kreegefoot! / Freet Klut’ on kleene Steen’ / On lat mi mine Entkes (Gänskes etc.) alleen!” Oder man nahm anstelle der Steine Reisig („Sprock”) oder Holz, soviele Stücke wie man Brut hatte, warf diese in die Höhe und sagte: „Hutsch da! Hutsch Ha, du Kreegefoot! / De Gessele (Entkes etc.) fer mi / On de Spröck’le fer di!” Das alles sollte die Jungvögel vor Krähen schützen. Alle Mühe war aber vergebens, wenn während des Zaubers daheim ein Messer auf Töpferzeug geschärft wurde. (aus Rauschen u. Dönhöffstädt, Samland, n. FRISCHBIER 128f.; Kreeg = Krähe)

In der Gegend um Angerburg räucherte man die Brut, indem man einen Teil des Nestes in einen Topf legte, in dem sich das Rauchfeuer befand. Man gab dem noch Schießpulver, im Dönhoffstädt’schem auch etwas Schrot hinzu. Dann baute man aus Steinen eine Brücke, unter welcher man die Brut ins Freie laufen ließ. Während man dann die Steine rückwärts hinter sich warf sprach man:

Das ist für die Krähe! Das ist für den Habicht!
Das ist für den Wolf! Das ist für den Iltis!

wodurch die Vögel vor jenen Feinden geschützt waren. (FRISCHBIER 130)

In der Gegend von Marggrabowa setzte man die Brut bei ihrem ersten Ausgang durch einen Tonnenreifen und hoffte sie so vor der Weihe zu schützen. (FRISCHBIER 130)