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 Tierwelt / Fabeltiere
 
 

Der Drache

Keine Tiere im zoologischen Sinne sind die Drachen. Allgemein bezeichnet dieser Begriff ein Mischwesen, zusammengesetzt aus Körperteilen von Schlange, Echse, Vogel (bzw. Fledermaus o. Flugsaurier) und manchmal Löwe.

Drache. Für Vergrößerung anklicken.
Drache. RAFAEL ROMAN ARROYO, 2003
 
 
Je nach Kulturkreis verkörpert der Drache das Dunkle und Böse oder er gilt als Glücksbringer: In Europa und Vorderasien ist der Drache überwiegend Feind von Gott und Mensch und Ungeheuer, das vom Helden getötet werden muß, der dafür eine besondere Fähigkeit oder die Liebe einer Königstochter erhält. Gern beschrieben wird die durch ein Bad in Drachenblut erworbene Unverwundbarkeit.
Anders in Ostasien: Hier versinnbildlicht der Drache das Glück (chines. Lung).

„Drache” ist ein schön früh in den germanisch/deutschen Sprachraum eingeführtes Wort (althochdt. traccho, angsächs. draca, altnord. dreki), das nach J. GRIMM den geflügelten Drachen meint. Diese Ungeheuer sind in der germanischen bzw. deutschen Sagenwelt als geflügelte Schlangen vorgestellt (lat. serpens alatus). Beispiele sind das nachts ausfliegende Ungeheuer, dem Beowulf gegenüber stand (uhtsceada, 4536) oder der Drache, der auf dem Drachenstein die Krimhild gefangenhielt (Lyftsceada, cod. exon. 329, 24, zit. n. GRIMM, Deutsche Mythologie, II., 537). Dagegen war der Lintwurm aus der Edda (Fafnir, Lied vom Drachenhort) oder dem Siegfriedslied ein an den Boden gebundenes Wesen (ebd.).

Die Vorstellung, Drachen seien tatsächlich existierende, reptilienartige Wesen, war noch im 16. Jahrhundert in Europa auch Gelehrten geläufig. KONRAD GESNER, ein Zürcher Naturforscher, war selbst zwar nicht mehr völlig von deren Existenz überzeugt, in seinem 1587 erschienenem Werk über Schlangen widmete den Drachen immerhin noch einen eigenen, De Dracone („Von den Drachen”) übertitelten Abschnitt, in dem er drei Arten dieser Geschöpfe anführt. Einmal eine ungeflügelte Schlange riesenhafter Größe, eine geflügelte Schlange und drittens ein Wesen mit Schlangenleib, häutigen Flügeln, gehörntem Haupt und krallenbewehrten Klauen (n. G. NIETZKE, Die Terrarientiere, 17).

Ungeflügelte Drachen bezeichnet man als Lintwurm, siehe auch Schlange.

Zahllose Namen von Drachen sind überliefert: Der hethitische Illujanka, der jüdische Leviathan, die griechische Delphyne, der Python, der Typhon oder der Ladon oder der germanische Fafner (Regin).

Die Bibel erwähnt, als Variation der in der Genesis überlieferten Schöpfungsgeschichte, Drachen, die Gott in einem urzeitlichen Chaosdrachenkampf überwindet und aus ihren Leibern die Schöpfung ausführt (Ps. 74,12ff. und 89,9.ff).

 

Eine Sonderform der Drachen sind die Kleinen Drachen, koboldartige Hausgeister, die in enger Gemeinschaft mit dem Menschen existieren.

 

Drachen bei den Ägyptern

Nach dem Tod des Osiris schwebten Nephtys und Isis in Drachen verwandelt über dem einbalsamierten Toten, bis der ordnungsgemäß bestattet war.

 

Drachen der griechischen Mythologie

Der Drache Ladon, ein Ungeheuer mit 100 Köpfen, bewacht im Garten der Hesperiden die goldenen Äpfel.

Der Typhon, Vater des Ladon, hat ebenfalls 100 Köpfe. Er liegt unter dem Ätna.

Von der Drachin Delphyne bzw. dem Drachen Python übernahm Apollon das Orakel zu Delphi.

Demeter gibt dem Triptolemus einen von zwei Drachen gezogenen Wagen.

Auf der Argonautenfahrt begegnen Iason mehrere Drachen. Beim König Aietes in Kolchis sät er Drachenzähne, die aufgehende Drachensaat sind geharnischte Riesen, die sich gleich nach der Geburt gegenseitig umbringen oder von Iason niedergemacht werden.
Das Goldene Vlies, Ziel der Reise, wird von einem Drachen bewacht, der sich um die Eiche schlingt, in der das Goldene Vlies hängt.

Auch der Gründer Thebens, Kadmos, sät Drachenzähne ein und erntet Krieger.

Medea flieht auf einem Wagen nach Medien, der von zwei geflügelten Drachen gezogen wird.

 

Drachen in christlicher Legende

 

Drachenkopfsteven. Für Vergrößerung anklicken.
Drachenkopfsteven. Rafael Roman Arroyo
 
 
Drachen der Germanen