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| Tierwelt | |
Sus scrofa, L. Wildschwein u. Hausschwein
Suidae, Altweltliche Schweine
Schweine bilden zoologisch eine zu den nichtwiederkäuenden Paarhufern (Artiodactyla) gehörende Familie der Säugetiere. Gemeinsames Kennzeichen aller Schweinearten ist besonders ihre rüsselartige Schnauze und ein insgesamt gedrungener, kräftiger Körperbau. Vom Wildschwein stammen die zahlreiche Rassen des Hausschweins ab.
Bei Juden und Muslimen gilt das Schwein als Paarhufer ein unreines Tier, bei den Germanen Sinnbild für Reichtum der Tafel. Dieses Haustier galt wegen seiner Vermehrungsfreude als Garant der Fruchtbarkeit, weshalb es bei entsprechenden Riten bevorzugtes Opfertier war. In dieser Tradition steht auch das Sparschwein, in dessen Leib sich das Geld möglichst vermehren soll.
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Die Paarungsbereitschaft der Sauen wird Rausche genannt.
Adonis war auf der Jagd nach einem wilden Eber. Der aber war sein Rivale Ares, der ihn tötete.
Das gewaltige kalydonische Schwein verwüstet das Land, bis es von Meleager getötet wird.
Den Erymanthäischen Eber zu fangen war eine der Arbeiten des Herakles.
Auch Theseus erlegte eine wilde Sau.
Ferkel waren das bevorzugte Opfertier der Demeter.
Die dreihäuptige Hekate wird von den Griechen mitunter schweinsköpfig gedacht. (PEUCKERT i. Handwörterbuch IX, 614)
Die Sitte, dem gebratenen Schwein (Julschwein) einen Apfel in das Maul zu legen, rührt von einem alten Mythos her. Dieser Apfel dient dem Schwein in seinem nächsten Leben als Herz, ist diese Frucht doch Zaubermittel der Idun zur Verjüngung und Auferstehung.
Das Fleisch des Ebers Saehrimnir wurde täglich gekocht und in Walhall den Einheriern zur Speise gereicht. Aber stets erneuert es sich, so daß der Eber schnell wieder hergestellt ist.
Dem Freyr gehört der goldene Eber Gullinborsti.
Das Reittier der Freyja ist der Eber Hildeswin bzw. ihr verwandelter Liebhaber Ottar(Edda, Hyndlalied, 5 u. 7).
Der Eberkopf war eine Schlachtformation der Germanen, mit deren Hilfe ein Keil in die gegnerische Schlachtreihe getrieben werden sollte (FISCHER-FABIAN, 147).
Nach TACITUS trugen die Aestier Nachbildungen von Ebern. Diese Wahrzeichen ihrer Verehrung der Göttermutter schützte sie im Kampf (Germania, 45).
In eine Herde von rund 2000 Säuen (Mk 5,13) ließ Jesus die sich insgesamt Legion nennenden Dämonen des rasenden Geraseners fahren (Mk 5,1-20, Lk 8,26-39, ähnl. Mt 8,28-34).
Auch Schweine haben ihren Schutzheiligen, Antonius den Großen, der auch Beschützer ihrer Hirten ist.
Im Volksglauben heißt es, ein gekochter Schweinsrüssel, am Silvesterabend zu sich genommen, sichere für das kommende Jahr gute Geschäfte.
Gelegentlich sucht der neidische Landmann dem Kollegen zu schaden, beispielsweise durch Lähmung des Borstenviehs. FRISCHBIER teilt aus Neudorf bei Graudenz/Preußen mit: Nicht minder [als das Verrufen oder Beschütten] wirksam ist die Berührung, das Handauflegen. Es wirkt vorzugsweise bei abnehmenden Monde und an Feiertagen und muß dreimal wiederholt werden. Das zu verrufende Glied wird mit der Hand überstrichen und dabei gesprochen:
Dies thue ich für Schweine, für Haare und für Haut,
Für Fleisch und Blut, für Adern, Mark und Bein,
Ich decke es zu mit meiner Hand
Und überstreiche das Glied, daß es verlahmt!
(Hexenspruch und Zauberbann, 5).
Zur Wiederherstellung eines durch bösen Blick behexten Schweins empfahl man in Swinemünde, das Schwein mit dem Kopf nach Osten auszurichten, es vom Kopf bis zum Hinterteil zu streichen und dabei dreimal die Worte:
Zwei böse Augen haben dich gesehen,
drei guten sollen’s dir benehmen,
Gottes Auge und meine Augen.
Im Namen Gotte usw.
sprechen, wobei das alles vor oder nach Sonnenuntergang zu geschehen hat. (KUHN u. SCHWARTZ, C. 381)
ein zum ersten mal auszutreibendes schwein lasse man über ein stück der schürze springen, so wirds gern heimkommen. (GRIMM, Dt. Mythol. III., A. 578, S 454) Zum Überspringenlassen sollen sich auch der Frauen Strumpfband oder des Mannes Gürtel eignen (ebd., A. 615, S 455).
Weil man einer Sau das Abendmahl gereicht hatte, soll ein einst bei Itzehoe im norddeutschen Holstein gestandenes Schloß in einer Kuhle versunken haben. (MÜLLENHOFF Nr. 192, n. HUBRICH-MESSOW, 171)
In Pforzheim sagte man: ferkel in wasser, worin ein gemetzeltes schwein gebrüt wurde, gebadet wachsen treflich. (GRIMM, A. 620)
unwillkommener gast ist, wem unterwegs eine herde säue begegnet, willkommener, wem eine herde schafe. (aus Westfalen, n. GRIMM, A. 882)
Nach einem Aberglauben aus Pforzheim sind Mittwoch und Freitag verworfene Hexentage. An einem Mittwoch erstmals ausgetriebene Ferkel kehren nicht zurück. (GRIMM, A. 613)
Aufgepaßt! heißt es, wenn einem morgens als erstes ein Schwein begegnet. Für die Ehe soll es ein ungutes Vorzeichen sein, wenn dem Brautzug ein Schwein begegnet. (Magisch-sympathetischer Hausschatz, 121)
Die gleiche Sammlung nennt als unfreundliches Hilfsmittel bei der Schweinemast: Wenn man seinem Nachbar[n] einen Waschlappen stiehlt, ihn zu Pulver verbrennt und die Asche seinen eigenen Schweinen zu fressen gibt, so werden diese dick und fett, während die des Bestohlenen krank werden und die Freßlust verlieren. (Magisch-sympathetischer Hausschatz, 142)
Gegen Bauchgrimmen giebt man den Saft des gepreßten Schweinemistes in einem Glase Branntwein. (Pr. Prov.-Bl. II, S. 408, n. FRISCHBIER, 35)
Die Redensart Schwein haben für einen Glücksfall soll nach KRÜGER-LORENZEN aus der Sprache der Kartenspieler des 16. Jahrhunderts stammen. Damals nannte man die höchsten Karte, auf denen Schweine abgebildet waren, Sauen. Man sagte: Er haut die Eichelsau in den Tisch, daß es nur so kracht! (Das geht auf keine Kuhhaut, 253)
Wessen Trüffelschwein mit dem Rüssel die wertvollsten dieser Pilze erschnüffelt, der hat natürlich ganz im Wortsinne dank seines Schweins Glück gehabt.
Eine christliche Herleitung der Redensart wäre, es könne das Glück des Geraseners gemeint sein, von Jesus von seinen Dämonen befreit worden zu sein, indem der die Plagegeister in eine Herde Schweine trieb (MATTHÄUS 8,28-34, MARKUS 5,1-20, LUKAS 8,26-39).
Denkbar wäre auch, daß das mundartliche Swin hier nicht das Schwein, sondern die Sonne meint (wie im Märchen von Hase und Swin Igel, GRIMM, KHM, Nr. 187, siehe hierzu http://www.calendersign.ric.at/de/astro-mythen/hase_und_igel/) Wer Swin hat, der ist Liebling der als Sonne gedachten Gottheit, und solange die auf ihn scheint wird ihm nichts Schlimmes wiederfahren, wie in der Sage der Siegfried von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang focht, ohne daß ihm Lüdegers Krieger etwas anzuhaben vermochten: Vor Abendzeit verlier ich - Leben nicht und Leib (Nibelungenlied, 4. Abent., n. SIMROCK, 48).
Ein Fuchs sah einen Eber seine Hauer an einem Eichstamme wetzen. Er fragte ihn, was er da mache, da er doch keine Not, keinen Feind vor sich sehe? Wohl wahr, antwortete der Eber, aber gerade deswegen rüste ich mich zum Streit; denn wenn der Feind da ist, dann ist es Zeit zum Kampf, nicht mehr Zeit zum Zähnewetzen.
Bereite dich im Glück auf das künftige Unglück;
sammle und rüste in guten Tagen auf die schlimmern.