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| Tierwelt | |
Ein als Reit- und Lasttier sehr nützliches Haustier, das im Mittelmeerraum sehr häufig gehalten wird, sehr viel weniger im Norden. Das Grautier steht im Ruf, ebenso störrisch wie klug zu sein, andererseits steht der dumme Esel sprichwörtlich für geistige Beschränktheit. Er ist auch eine Verkörperung der Lust, sein rechter Hoden, der Eselunschlitt, soll wirksames Aphrodisiakum sein, wenn er gegessen oder am Handgelenk getragen wird, sein Hirn ist Bestandteil des Liebestranks. Das Fleisch des Esels soll besonders dem an Auszehrung leidendem helfen, die Leber des Esels wirke gebraten bei Veitstanz.
Ein Eselskopf auf dem Dachfirst soll Blitze abweisen.
Eselsmilch galt im Volksglauben als Abwehrmittel gegen Flöhe. (WEHR, 66)
Ein Esel beschirmt die Vesta vor Zudringlichkeiten.
Der Esel des Silenos weckt die schlafende Lotis, als sich der Priapos ihr nähert. Als angeblich ständig geiles Tier war er diesem aus Kleinasien stammendem Gotte heilig.
Apollon und Pan befanden sich im musikalischen Wettstreit, Apollon spielte die Kithara, der Pan blies seine Syrinx. Midas sollte den besseren erwählen und entschied für den Pan. Apollon war ein schlechter Verlierer und ließ dem Midas Eselsohren wachsen.
Ein Dämon bzw. Gespenst ist Onoskelides mit dem Eselsfuß.
Von Athen zum Mysterienort Eleusis trugen bei der Prozession der Mysten Esel das Gepäck der Teilnehmer. Daraus entwickelte sich die Redensart die Mysterien nur als Esel mitfeiern, Für diejenigen, die mit Festlichkeiten die Arbeit haben, während andere feiern (Aristophanes, Frösche, Anm. S. 118).
Den Gott Set stellten die Ägypter eselsköpfig dar.
Mit dem Kinnbacken eines Esels erschlug Simson zu Lehi eintausend Philister. (Richter, 15,15-17)
Auf einem Eselsfüllen ritt Jesus in Jerusalem ein (Mt 21,1-7, Mk 11,1-7, Lk 29-35, Joh 12,14).
Das Christentum kennt als älteste Darstellung eines Kreuzes ausgerechnet ein Spottkreuz mit Eselskopf.
Den frühen Christen wurde vom römischen Schriftsteller Marcus Minucius Felix vorgeworfen, einen Eselskopf zu verehren (DONOVAN, 47).
Schutzpatron der Esel ist der Heilige Antonius von Padua.
Die Zukunftsdeutung aus der Kopfbewegung von Tieren, besonders des Esels, war seit der Antike verbreitet und wird als Cephaleonomantie bezeichnet.
Mit den Ohren bekleidet sein bedeutet, die Ohren des Esels zu tragen. Narren trugen diese Maske, um in der Verkleidung des prophetischen Tiers die Vorhersagen der Astrologen zu parodieren (CAMPORESI, 113), beispielsweise beim Eselsfest (asinaria festa), bei dem der närrische Esel geehrt wurde (ebd., 46).
Nachts umgelegte Amulette mit Eselshaut sollen Nachtmahre vertreiben, die als Erreger von Alpträumen gelten.
In der Chemnitzer Rockenphilosophie heißt es: wer an einem unsichern ort ist, und einen esel bei sich hat, dem kann der teufel nichts leides tun. (GRIMM, A. 371)
Ein ganz besonderes Grautier ist der Bieresel.
Die sogenannte Eselsbrücke, die dem Gedächtnis nachhelfen soll, soll die Verbindung zwischen dem Ausgangspunkt Dummheit und dem Ziel Wissen sein. Damit der dumme Esel dieses Ziel erreichen kann, muß er über die Eselsbrücke gehen.