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 Tierwelt
 
 

Die Fledermaus

Diese auch Nachtschmetterlinge genannten Flattertiere gehören zu den wenigen flugfähigen Säugern. Das ermöglicht ihnen eine Flughaut, die zwischen den stark verlängerten Fingern der Vorderfüße gespannt ist. Fledermäuse sind nachtaktiv, was sie nebst ihrem eiganartigen, von Vögeln deutschlich unterscheidbaren Flugverhalten für allerlei Aberglauben prädestiniert. Bemerkenswert ist das Ortungsvermögen der Fledermäuse, das auf dem Prinzip des Sonars basiert. Hierbei stößt die Fledermaus hochfrequente Schallwellen aus, welche von der Umgebung der Tiere reflektiert wird und der Fledermaus dank ihres feinen Gehörs die Ortung von Hindernissen und Futtertieren (Nachtfalter usw.) ermöglicht. Diese Fertigkeit der Fledermäuse läßt sich leicht überprüfen, indem man einen Stein mit einem Taschentuch umwickelt und (sachte!) in die Flugbahn des Tieres wirft — die Fledermaus wird dem vermeintlichen Insekt nachstürzen und es manchmal sogar bis zum Boden verfolgen. Dagegen wird einem blanken Stein allenfalls ausgewichen.

Der Habitus dieser nächtlichen Tiere ist Vorbild für Vorstellungen vom dämonischen Vampir. Tatsächlich gibt es Fledermäuse, die Säugetieren Blut absaugen sollen. Die meisten ernähren sich aber weit harmloser von Insekten und Kleingetier, manche sogar, wie Bienen, von Blüten.

Leukippe, Arsippe und Leukothoe, die Töchter des Minyas, fanden kein Gefallen am Fest des Dionysos und arbeiteten lieber daheim am Spinnrocken. Der Gott des Weines verwandelte Gerät und Geweb’ in Efeu und Reben, die fleißigen Töchter des Minyas in flatternde Fledermäuse (OVID, Metamorphosen 4,389).

Nach einer rumänischen Erzählung aus Transsilvanien (Siebenbürgen) entstanden die Fledermäuse, als ein Priester abends vergessen hatte, die heiligen Hostien einzuschließen. Die Kirchenmäuse fanden das Festmahl, labten sich daran und flatterten in Fledermäuse verwandelt davon.

Mitgeführtes Fledermausblut soll einem aus Swinemünde überlieferten Aberglauben zufolge die Damenwelt betören. (KUHN u. SCHWARZ, C. XXX,448) Auch die Knochen sollten die Damenwelt betören, indem man damit die Dame des Herzens heimlich berührte. Auch Männer sollen sich von Frauen auf diese Weise betören lassen. (WEHR, 66)

Weil man Fledermäuse für blind hielt meinte man, ihr Urin könne Blindheit auf den Menschen übertragen. Andererseits sollte ihr Blut, über die Augenlider gestrichen, der Nachtblindheit abhelfen. (WEHR, 66)

Wenn Fledermäuse das Haus umfliegen oder sich gar ins Zimmer verirren, galt dieses als Vorbote von Krankheit oder Tod. (WEHR, 66)

Ein verbreiteter Aberglaube ist, daß eine Fledermaus, die ins Haar einer Frau gerät, sich daraus nimmer lösen lasse.
Auch ein Kind soll, wenn es nach dem Betläuten noch ausgehen muß, eine Kappe oder einen Hut aufsetzen, damit ihm die Fledermäuse nicht ins Haar geraten. (ECKSTEIN i. Handwörterbuch, VIII, 1599)

Die Fledermaus ist auch Wetterzeiger:

Wenn Fledermäuse emsig am Abend fliegen,
wird im Juli das gute Wetter siegen.

Fliegen die Fledermäuse, obwohl der Tag naßkalt war, so wird es in der Folge schön und warm werden.

 

Das chinesische Wort Fu bedeutet Glück ebenso wie Fledermaus.