Das Schwarze Netz - zum Anfang< zurück
 Tierwelt / Ernährung
 
 

Fleisch

Im biologischen Sinne ist Fleisch das Muskelgewebe, das Mensch und Tier die Bewegung ermöglicht, im Lebensmittelhandel ist damit die der Ernährung dienende Muskulatur von Tieren gemeint, in der Gastronomie nur das Fleisch der Säugetiere, das so von Geflügel und Fisch unterschieden wird.

Im religiösen oder mythologischen Sinne steht Fleisch für das gesamte leibliche Sein, das der Erde zugeordnet ist und das seine natürlichen Rechte fordert (Essen, Wärme, Behaglichkeit, Liebe, Fortpflanzung usw.) und das darum dort, wo das Irdische dem Bösen gleichgesetzt wird, dem das Geistige als Erstrebenswertes entgegenstehe, durch Selbstzucht heftigst bekämpft wird, wie das Triebhafte als Sünde gilt.

 

Im nordgermanischen Schöpfungsmythos erschlugen die Götter den bösen Urriesen Ymir (Gylfaginning, 5) und schufen aus dessen Fleisch die Erde (Wafthrudnirlied, 47)

Nach nordischem Mythos wird das Fleisch aller gestorbenen Menschen vom Mondhund Managarm gefressen (Gylfaginning, 12).

 

Dem gesetzestreuen Juden verbietet eine ganze Reihe von Speisevorschriften (3. Mose 11; 17,10-16) den Genuß bestimmter Fleischsorten. Hierher gehört das Verbot des Fleisches von Paarhufern, insbesondere das des andernorts höchst beliebten Schweins, wie solcher Verzicht auch im Islam geboten ist.

 

Dagegen hielt das aus dem Judentum erwachsene Urchristentum dieses Gebot bei bekehrten Heiden für unnötig, wie man nach Streitigkeiten über diese Frage (Galater 2,12) auf dem Apostelkonzil (Apostelgeschichte 15,20) beschloß, da Jesus selbst sich über Gesetze hinweggesetzt hatte (MARKUS 7,18ff.).

Am Freitag verzichtet der fromme Katholik auf Fleisch, weshalb an ihm Fisch gegessen wird. Bei den Protestanten ist dieses unüblich, und wer unentschlossen ist, der is(s)t „weder Fisch noch Fleisch” (KRÜGER-LORENZEN, 95).

Neben diesen religiösen Vorschriften gibt es ethische und ökonomische Beweggründe für den Fleischverzicht (Vegetarismus), ebenso wie gesundheitliche Erwägungen.

 

Nach dem Evangelisten Johannes war im Anfang das Wort, und Gott war das Wort (1,1). Bereits die Anhänger Johannes des Täufers konnten Gottes Kinder werden und waren dann nicht vom Willen des Fleisches, sondern von Gott geboren, denn nach Johannes ward das Wort Fleisch.

 

Bereits der hl. Augustinus (354-430) hatte die Lust des Fleisches (also die Geilheit) mit Schuld in Verbindung gebracht und sah im Geschlechtsakt, einerlei ob ehelich vollzogen oder nicht, den Kern der Verderbtheit. Papst Gregor der Gr. baute die Lehren Augustins aus und begriff den Geschlechtsakt der Eltern als Keim der Erbsünde, unter dessen Folgen das so entstehende Leben stehe (DÖBLER, 14f.).

Dagegen hält FRIEDRICH NIETZSCHE, der seinen Zarathustra sprechen ließ:

„Dem Verächtern des Leibes will ich mein Wort sagen. Nicht umlernen sollen sie mir, sondern nur ihrem eignen Leib Lebewohl sagen — und also stumm werden.”
Erster Theil. Von den Verächtern des Leibes, 46

Denn Seele und Geist seien nur Bestandteile des Leibes:

„,Leib bin ich und Seele’ — so redet das Kind
...
Aber der Erwachte, der Wissende sagt: Leib bin ich ganz und gar, und Nichts ausserdem; und Seele ist nur ein Wort für ein Etwas am Leibe.” (ebd.)

Mithin seien Geist und Seele dem Leib untergeordnet:

„Werkzeug deines Leibes ist auch deine kleine Vernunft, mein Bruder, die du ,Geist’ nennst, ein kleines Werk- und Spielzeug deiner grossen Vernunft.” (ebd.)

Am Karfreitag Fleisch zu essen führt dem Aberglauben zufolge zu Warzen (WEHR, 222).

 

Siehe auch Schinken.