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| Tierwelt - Vögel | |
- in Vorber. -
Mit einer Gans auf dem Kopf stellte man im alten Ägypten den Gott Geb dar, der als Sohn von Schu und Tefnut, den Gottheiten des Windes und der Feuchtigkeit, die Erde ist.
Die Gans war der griechischen Göttin Hera heilig. Die Römer weihten sie der Juno, dem Geschrei ihrer Gänse verdankten sie Warnung vor herannahendem Feind.
Der heilige Liudger wird mit Gänsen dargestellt, weil er sein Bistum Mimigardeford im nordwestlichen Westfalen von einer Wildgänseplage befreit haben soll.
Schutzpatrone der Gänse sind Gallus und Martin von Tours. An dessen Tag, dem 11. November, ißt man die Martinsgans.
Wenn die Gänse schon im zeitigen September abziehen, ist laut Bauernregel für den Spätsommer Regen und Kühle zu erwarten:
Ziehen die wilden Gänse weg,
fällt der Altweibersommer in’n Dreck.
Ein verbreiteter Festschmaus ist die Martinsgans am 11. November, dem Tag des hl. Martin. Bei diesem Anlaß wird das Speise- mitunter zum Orakeltier: Martini kann man am brustbein der gans sehen, ob der winter kalt oder nicht wird, nachdem es weiß oder braun aussieht. (GRIMM, A. 341) In der Mark achtete man darauf, ob das Brustbein der Gans weiß oder rot gefärbt sei, (KUHN u. SCHWARTZ, C. 414), der Magisch-sympathetische Hausschatz (S. 127) unterscheidet zwischen weißen und blauen bzw. roten Schlitten, wie das Brustbein der Gans auch genannt wird.
Die männliche Gans wird zu Hochzeitsorakeln herangezogen: abends vor Andreas bilden die ledigen mädchen einen kreis und lassen einen gänserich hinein, zu welcher er sich zuerst dreht, die bekommt einen mann. (GRIMM A. 847)
Aus dem Samland ist die Sitte überliefert, am Silvesterabend um Mitternacht in den Schafstall zu gehen und — im Dunkeln natürlich — nach einem Schaf zu greifen. Bekommt das Mädchen ein Mutterschaf zu fassen, wird es vorerst mit der Heirat nichts, wohl aber, wenn es sich um einen Hammel oder gar Bock handelt. Auch der Gänsestall sei für dieses Orakel geeignet, der Ganther deute dann auf baldige Hochzeit. (FRISCHBIER, 163)
Man sagte auch, wer im Frühjahr zuerst junge Gänse sieht, werde das Jahr über kränkeln. Andererseits hieß es, wenn einer im Frühjahr zuerst junge Gänse sieht und dabei Geld in der Tasche hat, werde das ganze Jahr Glück haben. (Magisch-sympathetischer Hausschatz, 127)
Im Ansbachischen riet man: sommersprossen zu vertreiben, nehme man die ersten jungen gänse unbeschrien, streiche sie über das gesicht und lasse sie hinterwärts laufen. (GRIMM, A. 719)
Eine Gans soll von der Weide zuverlässig heimkehren, wenn man sie dreimal durch die Beine steckt und ihr dabei mit den Worten lauf hin, in Gottes Namen drei Bissen gekautes Brot gibt. (Chemnitzer Rockenphilosophie, GRIMM, A. 195)
Eine Vielzahl volkstümlicher Weisheiten zur Behandlung befruchteter Geflügeleier sind für das meiste Federvieh identisch. Diese siehe unter dem Stichwort Brut.
Speziell zu Gänsegelegen und zur Sorge um die Junggänse heißt es:
In Litauen erhoffte man sich eine gute Brut, wenn man, sobald man die ersten wilden Gänse des Jahres ziehen sah, an Ort und Stelle Erde zusammenscharrte und sie in den Gänsestall trug. (FRISCHBIER, 131)
Im leeren Monde soll man Hühner und Gänse nicht brüten lassen, weil es da viele leere Eier im Nest hat oder die ausgebrüteten Gänsel sind blind. (Magisch-sympathetischer Hausschatz, 132)
Bei Gänsen läßt man keine Blumen an das Nest gelangen, weil die der Brut schaden. (Pr. Pr.-Bl. XXVII, S. 241, n. FRISCHBIER, 127f.)
In der Gegend um Wehlau schnitt man jungen Gänsen vor ihrem ersten Weidegang die Spitzen der Schwanzfedern ab. Diese zündete man an und hielt die jungen Gänse über den Rauch. Dadurch sollten sie vor jedem Unglück sicher sein. (FRISCHBIER, 128)
In Camern sangen die Kinder, wenn sie die Gänse mit ihren Jungen auf die Weide trieben und sie eine Weihe erblickten (n. KUHN u. SCHWARTZ, A. 397):
Raweih, raweih, du kükendêf
dîn våder un modder is en dêf
to Neistadt, to Neistadt,
då hangen beie ant galgenrad
då krigen de råven ôk wat af.