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| Tierwelt - Vögel | |
Das am Haus lebende Federvieh steht dem Menschen verständlicherweise besonders nahe. Es liefert begehrte Eier, auch Federn und schmackhaften Braten. Auf diesen erpicht sind auch manche Vierbeiner, besonders Füchse oder Marder und außerdem allerlei Greifvögel. Das Federvieh muß daher ständig im Auge behalten werden, besonders auch weil Hühner die Angewohnheit haben, besonders gern in Gemüsebeeten zu picken. Manche Verhaltensweisen wurden dabei beobachtet und mit anderen Erscheinungen in Verbindung gebracht.
In der Wetterprognose wird ein baldiges Ende des Regens erwartet, wenn das Huhn unter ein Dach klettert. Weitere Unwetter seien zu befürchten, wenn Hühner Gras fressen. Gehen sie aber früh schlafen, so werde es schön.
Wenn der Hahn morgens kräht und dabei seinen roten Kamm schwellen läßt, ist die dunkle Nacht mit ihren finsteren Dämonen vertrieben und der lichte Tag erwacht. Dieses Verhalten verhalf dem Wetterhahn zu seinem Platz hoch oben auf dem Kirchtum. Der Brauch wird auch damit erklärt, daß er auf das Krähen jenes Hahns hindeuten soll, der dem Petrus wegen seiner Leugnung Jesu das Gewissen weckte.
Laufen die Hühner in das Haus oder schaut der Hahn durch das Fenster, ist mit Besuch zu rechnen, wird schon sehr früh am Morgen gegackert, ist dieser Besuch Freund Hein.
Ein schwarzes Huhn ist beliebtes Haustier der Hexen und soll dämonische Kräfte innehaben. Schwarze Hühner eignen sich demnach besonders für diverse okkulte Praktiken.
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Besondere Aufregung ist angesagt, wenn ein Huhn kräht, da das Unglück für diesen Tag verheißen soll, wenn dem Huhn nicht sogleich der Hals umgedreht wird (KUHN u. SCHWARTZ C. 446.). Nach verbreitetem Aberglauben soll dann sogar Feuersbrunst drohen (GRIMM, A. 1055). (tatsächlich sollen in Beständen ohne Hahn ältere, ranghöchste Hennen gelegentlich krähen und auch sonst das Verhalten des Hahns zeigen, Lesermitteilung) Noch mehr Aufregung ist angesagt, wenn der Hahn ein Ei legt — aus dem ein Basilisk schlüpfen soll, sofern das Ei von einer Kröte bebrütet wird (BIEDERMANN, 82). In einem Aberglauben aus Pforzheim heißt es: ein siebenjähriger hahn legt ein kleines ei, das muß man übers dach werfen, sonst schlägt das wetter ins haus; gebrütet gibt es einen basilisk. (GRIMM, A. 583)
Mit dem Schrei des Hahns müssen die Geister der Nacht ihr Treiben beenden: die erste Warnung kräht ein weißer Hahn, die zweite ein roter Hahn und beim Schrei des schwarzen Hahns müssen alle Geister verschwunden sein. (LECOUTEUX, 24)
Ganz allgemein ist der morgens krähende Hahn ein Symbol des Lichts und Sinnbild des Sieges des Lichtes über die Finsternis.
Der Hahn ist das Symboltier des altiranischen Sraosha, da er durch dessen Krähen die Menschen an die Verehrung des Ahura Mazda erinnert. Auch dem Schöpfergott Ohrmazd war er heilig. Er galt den Persern als Wächter, der zum Schutz vor dem finsteren Ahriman angerufen wurde.
Bei den Germanen ist es der feuerrote Hahn Fjalar, dessen Krähen Ragnarök ankündigt (Edda, Völuspa, 34). Dieser rote Hahn, der das Feuer ankündigt, soll das Vorbild der oben erwähnten Redewendung sein (KRÜGER-LORENZEN, 121). Ein weiterer Hahn ist Gullinkambi, der die Einherier in Walhalla zur Schlacht ruft, ein dritter, braunroter, kräht in der Totenwelt (Völuspa, 35).
Heilige Haine wurden mit dem Bild eines Hahns geschmückt.
Bei den Römern war der Hahn ein dem Gott Mars geweihtes Tier.
Sokrates erbat sich vor seinem Tode die Opferung eines Hahns zu Ehren des Asklepios. Der Hahn diente wohl als Erwecker im Jenseits.
In Methana im alten Griechenland wurde zur Bekämpfung des trockenen Windes Lips ein weißer Hahn halbiert, die Hälften um die Weinreben getragen und anschließend begraben (PAUSANIAS, Argolis, 34,2)
Eine Methode, von einem Hahn die Zukunft zu erfahren, ist die Alectryomantie. Hierbei werden über Schriftzeichen Körner verstreut. Die Reihenfolge, in welcher der Hahn dabei die Buchstaben anpickt, soll die mantische Botschaft enthalten (BIEDERMANN, 291).
fliegt eine gelbfüßige henne über einen gelbsüchtigen, so ist er unheilbar. (Aberglaube in und um Worms, n. GRIMM, A. 549)
Im Silberberg bei Wollin soll ein Schatz vergraben sein. Den könne nur heben, wer dort zu Mitternacht schweigend ein schwarzes Huhn, einen schwarzen Bock und eine schwarze Katze opfert. (KUHN u. SCHWARTZ, A.11)
In Branntwein eingeweichte Samen und Körner sollen Hähne kampflustiger machen und Hühner mehr Eier legen lassen. (Das 6. und 7. Buch Mose, 37)
Der Hahn Phronesis bildet einen Bestandteil (Kopf) des gnostischen Abraxas.
Das Huhn gilt als sensitives Tier, das nach Möglichkeit durch Erdstrahlen hervorgerufene Reizzonen meidet (GRÜN, 165f.).
Es soll niemals Feuer ausbrechen, wenn in einem Haus Hahn, Katze und Hund von schwarzer Farbe sind (GRIMM, Dt. Myth. III., A. 1056, S 474).
Im Kyffhäuser soll ein Reiter auf einem Hahn auf und ab jagen. (KUHN u. SCHWARTZ, S. 247,1)
Der polnische Schwarzkünstler Twardowski ritt auf einem buntschillernden, überlebensgroßen Hahn.
Jesus prophezeite seinem Jünger Simon Petrus, der werde ihn dreimal verleugnen, ehe der Hahn kräht (Mt 26,34, Mk 14,19-30, Lk 22,34, Joh 13,36-38), und so kam es dann auch (Mt 26,69-74, Mk 14,66-72, Lk 22,54-60, Joh 18,25-27).
Der christliche Heilige Vitus wird mit einem Hahn dargestellt, Schutzpatron der Hähne und Hühner ist der heilige Gallus.
Eine Vielzahl volkstümlicher Weisheiten zur Behandlung befruchteter Geflügeleier sind für das meiste Federvieh identisch. Diese siehe unter dem Stichwort Brut.
Speziell zu Hühnergelegen und zur Sorge um die Junghühner (Küken) heißt es:
In Branntwein eingeweichte Samen und Körner sollen Hühner mehr Eier legen lassen. (Das 6. und 7. Buch Mose, 37)
Im Samland fütterte man die Hühner am Sylvesterabend mit weißen Erbsen, damit sie gut legen. (FRISCHBIER, 131) Ähnlich sagt man in Camern: Während der Zwölfnächte sollen Hühner mit Erbsen gefüttert werden, damit sie viele Eier legen (KUHN u. SCHWARTZ, C. 167).
Peterstag soll man den hünern nester machen, so legen sie viel eier. (Chemnitzer Rockenphilosophie, n. GRIMM, A. 175)
In Masuren schüttelte man am Sylvesterabend den Grenzzaun und sprach dabei: Die Eier sind für uns, und das Krakeln für euch! Dieser Zauber soll bewirken, daß die Hühner des Nachbarn ihre Eier bei einem selber legen, beim Nachbarn jedoch ihr Futter suchen (krakeln = scharren; TÖPPEN, S. 66, n. FRISCHBIER, 130f.).
Hühner sollen zu Neujahr ihr Futter aus einem Reifen erhalten, damit sie später ihre Eier nicht beim Nachbarn legen. (Das sechste und siebente Buch Mosis, 137) Oder: Man soll den Hennen einen gestohlenen Sandwisch ins Futter legen, damit sie ihre Eier nicht verlegen. (Chemnitzer Rockenphilosophie, GRIMM, A. 431)
Wenn Glockenblumen ins Haus gebracht werden, sollen die Hühner keine Eier mehr legen können. (WEHR, 94)
Im leeren Monde soll man Hühner und Gänse nicht brüten lassen, weil dann viele leere Eier im Nest sind. (Magisch-sympathetischer Hausschatz, 132)