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 Tierwelt - Fische
 
 

Hecht

Esox lucius

„Man hat sich über sein [des Hechtes] Auftreten in abgelegenen Teichen, die keinerlei Verbindung zu anderen Gewässern besitzen, viel Gedanken gemacht und bislang keine völlige Klarheit darüber schaffen können. Die Erklärung, daß er in solchen Fällen aus dem Hechtkraut, unter Einwirkung der Sonnenwärme, entstehe, mag ins Reich der Fabel gehören, aber auch Gesner gibt zu, daß andere Behauptungen noch nicht erwiesen seien.” (WALTON, Der vollkommene Angler, 105)

Frosch und Hecht sollen einander verfeindet sein, wobei die Feindschaft weit über die Furcht des Frosches vor dem Freßfeind hinausgehe. WALTON zitiert dazu eine Schilderung des böhmischen Bischofs Dubravius:

„Ich ging mit Bischof Thurzo am Ufer eines Teiches spazieren, als wir Zeugen wurden, wie ein Frosch einem nahe der Oberfläche stehenden Hecht auf den Kopf sprang und sich in Augenhöhe festklammerte. Während der Hecht an der Oberfläche zu schlagen begann, erkannte man ganz deutlich die Bemühungen des Frosches, mit Füßen und Maul die ungeschützten Augen des Fisches zu verletzen. Der Hecht ging mit dem Frosch in die Tiefe, kam auch mal wieder hoch, verlor aber sichtlich bald an Kraft. Schließlich erschien der Frosch allein wieder an der Oberfläche, schwamm in sein Schilfversteck und gab einen merkwürdigen ton der befriedigung über seinen Sieg von sich. Wir riefen einen in der Nähe befindlichen Fischer, der den Hecht mit einem Netz aus dem Wasser holte, und fanden diesen in einem Zustand völliger Blendung, die Augenhöhlen waren ausgefressen. Der Fischer behauptete, daß es sich keinesfalls um einen Einzelfall in seinem Wasser handele, daß er häufiger geblendete Hechte antreffe.” (Der vollkommene Angler, 105)

Leider ist hier die Jahreszeit nicht angegeben, zu der jenes denkwürdige Ereignis stattfand — tatsächlich klammern brünstige Frösche zur Laichzeit alles, was auch nur entfernt an ein Froschweibchen erinnert, ganz egal, ob es nun ein Weibchen, ein anderes Männchen, ein Stock oder eben ein Hecht ist.

Die nordische Edda weiß vom Zwerg Andwari, dessen von den Nornen gewirktes Schicksal es war, in Gestalt eines Hechtes in einem Gumpen zu hausen (Lied vom Drachenhort).

In Gestalt eines riesigen Hechtes erschien den Fischern von Parchim der einäugige Borch.

„Werden ... Warzen mit einem frischabgeschnittenen, blutenden Hechtkopfe dreimal bedrückt, und vergräbt man diesen alsdann unter die Traufe, so schwinden die Warzen, sobald der Hechtkopf verfault”, meinte man in Dönhoffstädt. (FRISCHBIER, 94)

 

Redensart

Die Redensart „es zieht wie Hechtsuppe”, die man gebraucht, wenn in einem Raum Zugluft weht, könnte wortspielerisch darauf anspielen, daß Hechtsuppe eine Zeit ziehen muß. Wahrscheinlicher ist nach KRÜGER-LORENZEN jedoch, daß die Redensart aus dem Jiddischen kommt, wo hech suppha so viel wie ein Sturmwind bedeutet. (Das geht auf keine Kuhaut, 137)