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| Tierwelt | |
Vier Hirsche fressen die Knospen Yggdrasills kahl, Dain, Duneyr, Dwallin und Dyrathror.
Mit einem Hirschgeweih wird zu Ragnarökr der Jötun Beli den waffenlosen Freyr erschlagen.
Ein Hirsch mit Namen Eikthyrnir äst in Walhall am Laub des Baumes Lärad (Edda, Grimnirlied, 26).
Eine Hirschkuh säugt den im Wald verlassenen Sigfrid, ehe der Schmied Mime den Helden weiter aufzieht.
In den September fällt laut Volksweisheit die Brunftzeit der Hirsche:
Wie der Hirsch an Ägidi (1. Sept.) in die Brunft tritt, so tritt er an Michaeli (29. Sept.) wieder heraus.
Einer Sage nach soll eine Hirschkuh den vor den Sachsen weichenden Franken die rettende Furt über den Main (Frankfurt) angezeigt haben. (GRIMM, Nr. 449)
In der Solarjodr (um 1200) ist vom Sonnenhirschen, den zwei am Zaum führen, die Rede. Man wird an ein Tier denken müssen, das den Sonnenwagen zieht; schon die bronzezeitlichen Felsbilder von Bohuslän zeigen den Hirschen dabei; ich erinnere ferner an den früheisenzeitlichen Kultwagen von Strettweg. (PEUCKERT i. Handwörterbuch, IV, 90)
Als der Jäger Aktaion die Artemis heimlich beim Bade beobachtete, verwandelte die Göttin ihn in einen Hirsch, der von seinen eigenen Jagdhunden in Stücke gerissen wurde.
Die Hirschkuh Kerynitis hatte ein goldenes Geweih und eherne Hufen. Sie war das Lieblingstier der Göttin Artemis. Herakles fing als eine seiner zwölf Arbeiten diese Hirschkuh und brachte sie dem Eurystheus.
Der Finn ist Gemahl der Hirschkuh Saar. In den Hirsch Mongan kann er sich verwandeln, indem er seine Kappe dreht.
Wie die fleischfressenden Hunde des Hirten die Schafhirte zusammenhalten, hüten die räuberischen Wölfe und Luchse im Auftrag des Herrn der Wölfe, dem Laskowiec, die Hirsche, Rehen und Hasen.
Die Begegnung des Einhorns mit dem Hirschen ist in der Bildsprache der Alchemie eine Allegorie der chymischen Hochzeit.
Ein Hirschgeweih und eine Wegwarte benötigt man für einen Liebeszauber. Dazu soll man am Tag des Heiligen Petrus (29. Juni) um zwei Uhr zur Vesper mit einem Hirschgeweih ausgehen und mit diesem eine Wegwarte ausgraben. Wen man dann mit diesem Kraut berührt, der sei einem in Liebe zugetan. Nebenbei schütze solches Kraut auch vor allerlei Gefahr, wer im Schlafe gefesselt wird, dem zerreißt das Kraut das Seil, als sei es ungewirkter Hanf (SIEG, 97).
Dem Jäger soll es seinen nahenden Tod verkünden, wenn ihm auf der Jagd ein weißer Hirsch oder eine weiße Gemse begegnet (WEHR, 133).
König Philipp IV. (der Schöne) von Frankreich begann nur wenige Zeit, nachdem er den Templerorden vernichten und dessen Großmeister Jaques de Molay hatte verbrennen lassen, dahinzusiechen und verstarb gerade 46jährig im Jahre 1314. Es heißt, Philipp habe bei einer Jagd bei Pont-Sainte-Maxence im Wald einen Templer erblickt und sei davon verschreckt vom Pferd gestürzt. Andere wissen von einem weißen Hirschen, der den König angegriffen habe. Der weiße Hirsch symbolisiert den keltischen Gott Cernussos, der in der keltisch geprägten christlichen Kirche für Jesus Christus steht.
Ein weißer Hirsch soll bei Goslar Bergleuten erschienen sein und habe die ermahnt, nicht im Herzberg nach Erz zu suchen, solange davon noch im Rammelsberg genügend zu finden sei. (KUHN u. SCHWARTZ, S. 210)
Ein einäugiger Hirsch weidete gewöhnlich auf Wiesen neben dem Meer, und zwar so, daß er immer das gesunde Auge landwärts hielt und wähnte, von der Seeseite her habe er keine Gefahr zu fürchten. Das Schicksal hatte es anders beschlossen.
Eines Tages segelte ein Schiff bei ihm vorbei, und da sein gesundes Auge dem Lande zugekehrt war, so bemerkte er es nicht und weidete nichts ahnend fort. Kaum hatten die Schiffer aber die köstliche Beute erblickt, als sie auch schon Pfeile nach ihm abschossen. Ein Pfeil traf ihn gerade ins Herz, und zusammenstürzend rief er aus: Wie sehr habe ich mich getäuscht, daß ich nur vom Lande her Gefahr erwartete.
Nur zu oft weicht man vorsorglich einer Gefahr aus und
gerät dabei unvorsichtig in eine andere.
Ein Hirsch, von einem Jäger bemerkt, flüchtete, geriet aber dabei in eine Höhle, in der zu seinem Unglück ein Löwe hauste. Diesem kam er gerade recht. Ohne weitere Umstände erwürgte er den Hirsch. "Oh!" rief dieser sterbend aus, "wie unglücklich sind wir, während wir dem einen Feind zu entrinnen suchen, laufen wir dem andern in die Arme."
In blinder Hast entgeht man oft einer Gefahr und kommt
dabei in einer größeren um. Man muß vorne und hinten Augen haben.